Putin kam nicht, aber seine Firmen kamen

Am 12. Oktober 2002 wurde Wladimir Putin und sechs weiteren Persönlichkeiten von Michail Gorbatschow der Demiurgus Peace Award verliehen. Hinter dem Friedenspreis stand die Zuger Firma Nuclear Disarmament Forum, von Putins Wirtschaftsberater Andrei Bykow. ALG-Landammann Hanspeter Uster erkärte öffentlich den Verzicht auf die Teilnahme. Bereits damals kritisierten die Alternativen-die Grünen scharf, dass Putin als Preisträger gehandelt wurde. Die ALG forderte auch die restlichen Regierungs- und Kantonsräte zum Boykott der Veranstaltung auf, denn bereits damals führte Putin einen völkerrechtswidrigen Krieg in Tschetschenien.

Die propagandistische Friedenspreis-Verleihung war nur ein von Putins damaligem Engagement in Zug. Bereits 1999 ist die Gazprom nach Zug gekommen. 2004 und 2005 folgten mit Rosukrenergo und NordStream zwei weitere Riesen. Diese Firma dürfte die Zunahme von russischen Firmen, wie Sber Bank und Sber Trading und privaten wie die Metal Trade Overseas des Oligarchen Potanin oder die Eurochem des Oligarchen Melnitschenko, beschleunigt haben. Ende 2021 gab es in Zug 400 im Handelsregister eingetragene Firmen mit Russlandbezug. Die Zahl von Personen mit russischer Staatsbürgerschaft ist zwischen 2006 und 2020 von 175 auf 947 gewachsen.

20 Jahre später zeigt sich: Von der blinden «Willkommenskultur» wie sie Finanzdirektor Heinz Tännler nennt, profitiert der Mittelstand kaum. Wie eine Studie der Crédit Suisse kürzlich bestätigte, rangiert die Kaufkraft des Zuger Mittelstandes im unteren Drittel der Schweizer Kantone. Ein weiteres Anlocken multinationaler Konzerne und Milliardäre ist deshalb fehl am Platz. Die Alternative-die Grünen Zug werden ihr Engagement für einen ethischeren Standort weiterführen. Ganz im Sinne der Boykott-Kampagne gegen die Putin-Friedens-Gala vor 20 Jahren.

Artikel der NZZ vom 12.10.2002
Streit um Friedenspreis für Putin in Zug | NZZ