Die Bundesverfassung verlangt Gleichstellung. Diese ist heutzutage immer noch nicht erreicht. Frauen verdienen noch 20 Prozent weniger als Männer, teils ohne Grund. Bundesrat Alain Berset hat deswegen im letzten Herbst eine Charta zur Gleichstellung vorgeschlagen. Bund, Kantone und Gemeinden sollen nicht nur selber Vorbild sein, sondern sie solle auch bei Unternehmen und Organisationen, mit denen sie zusammenarbeiten, auf die Lohngleichheit pochen.

Mit meiner Parteikollegin Tanja Schmidiger habe ich im November eine Interpellation in Baar  eingereicht, mit Fragen wie: Ob die Gemeinde diese Charte unterschreibt, und was der Gemeinderat generell für die Gleichstellung innerhalb der Gemeinde unternimmt? Der Gemeinderat will die Charta nicht unterzeichnen. Er schreibt: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben bei vergleichbarer Ausbildung und Erfahrung, soweit sie für die Arbeit von Nutzen sind, Anspruch auf den gleichen Lohn für gleiche Arbeit und Leistung.“

Ob die Erziehungsarbeit auch angerechnet wird, wenn eine Mutter nach einer Familienpause wieder in den Lehrberuf einsteigen will? Zudem findet der Gemeinderat den Aufwand  zu gross, weil nahestehende Organisationen, wie zum Beispiel Altersheime, Pflegezentrum  diesbezüglich auch überprüft werden müssten. Aber gerade dies ist ja auch die Absicht der Charta von Alain Berset – Lohngleichheit muss überall eingefordert und umgesetzt werden. Es ist sicher vorbildlich, wenn der Gemeinde Baar die Gleichstellung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig ist. Aber das Vorbild allein reicht nicht.

Als junge Lernende sind mir zum Thema Gleichstellung viele Fragen aufgetaucht. Warum sind in oberen Positionen vorwiegend Männer zu finden? Warum werden viele Abteilungen in den Gemeinden (auch Baar), Direktionen im Kanton Zug von Männern geführt? Warum findet man in Parlamenten viel weniger Frauen als Männer? Unsere beiden Bundesrätinnen haben keine Kinder, warum? Ist die Belastung für Frauen als Mutter, Berufsfrau und Politikerin immer noch fast nicht machbar? Meine Kollegin und ich haben die gleiche Schulbildung gemacht, wie unsere Kollegen und stehen nun im Berufsleben. Den schönen Worten müssen endlich Taten folgen.

Gurbertelli Yener, Junge Alternative, Baar

Dieser Beitrag erschein in der ZugerWoche vom 28.2.2018