Der grün-alternative Zuger Nationalrat und Historiker Jo Lang schlug bei verschiedenen Medien Alarm: Die SVP-Fraktion im Zuger Stadtparlament hatte am 12. Oktober eine Motion eingereicht, die einen Begriff verwendete, der einer längst verurteilt geglaubten Terminologie gefährlich nahe kam. Die Schlusspassage zeugte zudem von einem alarmierenden Geschichtsbild. Unterzeichnet wurde die Motion von Manfred Pircher, Waffenhändler in Walchwil und Fraktionschef der SVP im Zuger Stadtparlament. Der FDP-Fraktionschef Karl Kobelt sagte laut NZZ, dass ihn die «teilweise bräunliche Wortwahl an unselige Zeiten erinnere». Die Motion trug den Titel «Asylanten-freie Zonen in der Stadt Zug». Nationalrat Lang schrieb in einem Leserbrief, der in der «Neuen Zuger Zeitung» publiziert wurde, der SVP-Vorstoss erinnere an dunkelste Zeiten. Als Historiker und Politiker wehre er sich stets, «wenn die SVP leichtfertig mit den Nazis oder den Faschisten oder den Braunen verglichen wird». Aber das Wort «Asylanten-frei» erinnere ihn «unweigerlich an das von den Nazis systematisch verwendete Adjektiv ‹judenfrei›». Thema ist die geplante – provisorische – Unterbringung von 60 Asylsuchenden in einem leer stehenden Altersheim in schönster Wohnlage. Nebst den beleidigenden Qualifikationen von Asylsuchenden regt die SVP-Motion die Prüfung von Internierungslagern an und fügt im letzten Passus erklärend hinzu, der Ausdruck «Internierungslager» stamme «bekanntlich aus dem Zweiten Weltkrieg, wo analog zur heutigen Situation ebenfalls relativ grosse Personengruppen geordnet und in durchaus menschenwürdigen Behausungen untergebracht wurden». SVP-Fraktionschef Pircher kann gegenüber tachles nicht nachvollziehen, weshalb das Wort «Asylanten-frei» und die letzte Passage der Motion die jüdische Gemeinschaft und andere geschichtsbewusste Menschen stören sollte. Er und die SVP liessen sich weder in die rassistische noch in die antisemitische Ecke stellen. Er wisse zwar, dass die Schweiz im Zweiten Weltkrieg keine rühmliche Rolle gespielt habe, aber heute ginge es um die «Schein-Asylanten an den schönsten Wohnlagen von Zug». Die Diskussion geht weiter, mehrere Leserbriefe kritisieren wie Jo Lang die Formulierungen der SVP-Motion. [gb]
 
Zuerst erschienen am 19. Oktober 2011 im jüdischen Wochenmagazin tachleswww.tachles.ch