Leserbrief von Jonas Feldmann, Co-Präsident Junge Alternative Zug

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen. Dieses Sprichwort nehmen gewisse Exponenten der Stadtzuger Bürgerlichen wohl etwas zu ernst. Gross genug sitzt offenbar der Schock, dass sich die Stadtzugerinnen und Stadtzuger am 3. Oktober 2010 nicht wie sonst immer für eine bürgerliche, sondern – zum ersten Mal  in der Geschichte des Zuger Stadtrats – für eine christlich-sozial-alternative Dreifünftelmehrheit entschieden, dass man gar nicht früh genug damit anfangen kann, den Wahlkampf für die nächsten Stadtratswahlen (ja genau, nur noch etwa 760 mal schlafen und dann sind schon wieder Stadtratswahlen!) anzupfeifen.
 
Dürftiger könnte ein Wahlkampf-Konzept jedoch kaum sein. Denn der Verein der «besorgten Bürgerlichen» verzichtet gleich komplett darauf, eigene Ideen, Projekte oder gar KandidatInnen zu nennen, sondern begrenzt sich aufs pseudooppositionelle Nörgeln. Die Regeln dazu sind einfach: Man klaubt ein beliebiges Schlagwort aus der SVP-Wahlkampfkiste (Zur Auswahl stehen beispielsweise «Littering!», «Vandalismus!», «Asylanten!» oder «Entmachtung!») und koppelt sie mit einem bekannten Beispiel, das möglichst negative Emotionen auslösen soll. («Steuererhöhung!», «Rössliwiese!») Und nicht vergessen, die «Linken», im aktuellen Fall den amtierenden Stadtrat, für alle Probleme verantwortlich zu machen und in ein schlechtes Licht zu rücken.
 
Doch: Sind diese Anschuldigungen berechtigt? Schliesslich liest man sogar in den stramm bürgerlichen Zuger Printmedien kaum schlechtes über die amtierenden Stadträte, schon gar nicht über die amtierende Stadträtin. Ich habe etwas nachgeforscht: Die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat habe «noch nie so gut geklappt» und «die Abläufe funktionieren endlich ohne lange Streitereien», so das Feedback aus der Verwaltung. Ein Fazit über die ganze Arbeit des bis 2014 gewählten Rates kann man heuer schlecht ziehen, sind doch erst anderthalb Jahre seit dessen Amtsantritt vergangen. Trotzdem können wir uns schon einige Erfolge notieren: Der Vaterschaftsurlaub wurde durch den amtierenden Stadtrat auf zehn Tage verlängert. In der Energiepolitik hat die Stadt Zug dank der angenommenen Volksinitiative «2000 Watt für Zug», für die sich auch der Gesammtstadtrat eingesetzt hat, endlich ein brauchbares Konzept. Und in Sachen «Littering» (um mich auch noch eines SVP-Schlagwortes zu bedienen) scheint es mir, als seien in all den Jahren, seit man sich darüber beschwert und berät von Seiten des Stadtrates noch nie so konkrete Lösungsvorschläge genannt worden wie heuer. Zu erwähnen wäre da auch noch die wunderschöne Guggi-Wiese, die – Zufälle gibt’s – den BS14!-Flyer ziert: Ginge es nicht nach Stadtrat Andreas Bossard, sondern nach den «besorgten Bürgerlichen», wäre dort heute keine Wiese mehr, sondern eine Überbauung.
 
Die Bürgerlichen haben Zug für Zugerinnen und Zuger fast unbewohnbar gemacht. Immer mehr junge Einheimische und Familien müssen Zug verlassen, damit reiche «Expats» (Deutsche, Russen, etc.) zu überrissenen Preisen Boden kaufen und sich ein Steuerdomizil einrichten können. Jede zehnte Wohnung in Zug ist bereits eine «Zweitwohnung», steht also einen Grossteil der Zeit leer. Zug hat immer mehr Einwohner – trotzdem finden viele Vereine keine neuen Mitglieder. Wo ist da der Zusammenhang?
 
Die Zugerinnen und Zuger haben sich im Oktober 2010 bewusst gegen diese Tendenz gestemmt und neben den beiden bisherigen sozialen Stadträten Dolfi Müller, SP, und Andreas Bossard, CSP, nicht wie bisher drei, sondern nur zwei Bürgerliche gewählt. Stattdessen schaffte «Superwoman» Vroni Straub, CSP, den sensationellen – wenn auch gut nachvollziehbaren – Einzug in den Stadtrat. Die Geschichte des ersten Zuger Stadtrats mit «linker» Mehrheit ist bisher eine Erfolgsgeschichte. Und was folgt – nicht nur in Hollywood – auf eine Erfolgsgeschichte? Genau: Deren Fortsetzung.
 
Übrigens: Die Abkürzung «BS» steht in meinem (zugegebenermassen von Anglizismen, SMS-Slang und Jugendsprache durchsetzten) Wortschatz für «Bullshit». Zufall?
 
Jonas Feldmann,
Co-Präsident Junge Alternative Zug