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Das vermeintliche Unheil im Dorf

Die Muslima mit Kopftuch tanzt mit den Klosterfrauen, diese tragen ebenfalls Kopftücher. Daneben eine Klosterfrau ohne Kopftuch, am Trommeln im Wettbewerb mit drei Afrikanern, sehr schnell. Darüber finden sich bekannte Melodien aus der Handorgel, Schweizer Volksmusik. Viel Rhythmus, Tanz, lachende Kinder, ausgelassene Stimmung. Das ist keine inszenierte Idylle, auch keine Szene aus einem Pasolinifilm.

Es ist Ostermontag im Speisesaal des Klosters Menzingen, die Schwestern haben die Flüchtlinge vom Asylzentrum Gubel zu Kaffee und Kuchen eingeladen, Menzinger und Menzingerinnen von der IG Gubel begleiten den Ausflug, der mit der Wanderung ins Dorf beginnt. Wie viele Male sind in den letzten drei Jahren Flüchtlinge diesen Weg gegangen? Und wir? Wir können uns frei bewegen, fast überall hin, eine geheizte Wohnung zuhause. Gegen 3000 Flüchtlinge waren über die Zeit hier im Zentrum, in zehn Tagen wird es geschlossen. Dann kommt das Militär zurück, für einige heisst das wohl wieder Ruhe und Ordnung im Dorf. Das Staatssekretariat für Migration SEM und die Betreiberfirma AOZ betonen, dass der Betrieb auf dem Gubel sehr gut lief, auch dank dem Engagement aus der Bevölkerung durch die IG Gubel: Ein Container als Begegnungsraum steht vor dem Eingangstor und war an vielen Wochentagen offen. Internetzugang für die Flüchtlinge, Unterricht in Sprache und Kultur, ein regelmässiges Beschäftigungsangebot für Flüchtlingskinder, dazu Wanderungen in der Umgebung mit Zvierihalt auf verschiedenen Höfen, Ausflüge und Einladungen: Momente des Austausches, kurze Begegnungen, nichts Grosses, Alltagspausen für alle.

‚Ich bin stolz auf Menzingen‘, sagt eine Klosterfrau. ‚ Dass dies in unserem Dorf so möglich ist, das Zentrum war auch ein Segen‘. Nicht ganz vergessen sind die Siloballen am Dorfeingang mit der Aufschrift ‚Asyl Gubel NIE‘. Doch das ist Jahre her! In Menzingen ist eine neue Gemeinschaft zusammen gewachsen, einige Freiwillige machen weiter. Es war einmal ein Asylzentrum, auf einer Anhöhe, nicht weit vom Dorf…

Marianne Aepli, Präsidentin ALG Menzingen
Politkolumne für Mittwoch, 11. April 18, Zugerwoche