Diese Frage stellt sich die Alternative-die Grünen zum neuen Richtplan-Vorschlag, der das Jahr 2040 im Blickfeld hat. Aus unserer Sicht wird das Wachstum von der Regierung zu wenig eingegrenzt. Die Zahlen 0,9 und 1,1 Prozent pro Jahr zu den Zielen zur Bevölkerungs- und Beschäftigungsentwicklung finden wir zu hoch: wir wollen uns an das tiefere Szenario des Bundes halten. Den zunehmenden Verkehr von sogar 1,5 Prozent pro Jahr kann die bestehende Infrastruktur wohl nicht mehr aufnehmen.

Der Kanton Zug ist in den letzten 25 Jahren, was die Zahl der Einwohner und der Beschäftigten und Firmen angeht, in rasantem Tempo überdurchschnittlich gewachsen. Die meisten Zuger Dörfer und Städte sind heute, im Vergleich zu damals, fast nicht mehr wiederzuerkennen. So sind die heimatliche Identität und der soziale Kitt gefährdet. Die Folgen sind Abwanderung ganzer sozialer Schichten vor allem Einkommensschwache und Mittelschicht, hohe Wohn- und Lebenskosten für die Bleibenden, Mehrverkehr und Zubetonierung von Grünflächen. Dem schnellen Wachstum muss mit Nachdruck Grenzen gesetzt werden, die offenen Landschaften müssen unbedingt geschützt werden. Um das Wachstum nachhaltig in den Griff zu bekommen, muss auch die Zuger Wirtschafts- und Steuersenkungs-Politik endlich geändert werden.

Die Alternative-die Grünen sehen den Verkehr und die Mobilität mit den täglichen Pendlerströmen als weitere komplexe und grosse Herausforderung der Zukunft. Die neue Mobilität ist auch Ausdruck einer Veränderung der Gesellschaft, die zeigt, dass immer grössere Strecken für die Erwerbsarbeit in Kauf genommen werden. Wir unterstützen Ideen für ein ökologisches Gesamtverkehrs-Konzept, das die Verkehrsnachfrage lenkt und bremst. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice können auf Strasse und Schiene Entlastung bringen und durch Digitalisierung und Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger ist eine optimale Auslastung der bestehenden Kapazitäten möglich. Umdenken und umlenken jetzt: Ein Gelenkbus mit 100 Personen entspricht im Pendlerverkehr ca. 90 Autos. Der Fuss- und Veloverkehr, u.a. Veloschnellrouten und Velovortritt, sind massiv zu fördern, da sie umweltschonend und platzsparend sind.

 

ÖFFENTLICHE MITWIRKUNG: ANPASSUNG KANTONALER RICHTPLAN 16/3
Grundzüge der räumlichen Entwicklung, Siedlung, Landschaft, Verkehr

 

G 1    Leitgedanken zur räumlichen Entwicklung des Kantons Zug

«Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist sie zu erfinden.» Dieses Zitat auf dem Titelblatt des raumplanerischen Berichts, steht im Kontrast zu den hohen Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahlen. Wenn vor allem Angebot und Nachfrage stets befriedigt werden, erfinden wir weder die Zukunft noch planen wir sie bewusst. Deshalb dieses Zitat weglassen.

G 1.1

Uns fehlt die Eigenständigkeit des Kantons, der seinen Lebensraum selber gestalten will, und zwar im Interesse von Mensch und Natur. Uns reicht es nicht, sich als „Scharnier“ zu verstehen. Im Vordergrund stehen doch die Menschen; diese kommen in den Leitgedanken aber gar nicht vor. In den ersten Leitgedanken müsste eine Aussage zur Natur als Basis jeglicher räumlichen Entwicklung gemacht werden.

G 1.2

Was heisst Attraktivität „in allen Dimensionen“? Solche Floskeln weglassen.

G 1.3

Die Konzentration auf das bestehende Siedlungsgebiet und auf die urban geprägten Stadtlandschaften löst nur einen Teil des Wachstums-Problems.

ANTRAG: Die Aussage: „Der Kanton strebt ein langsames, mässiges Wachstum an.“ Ist zu ersetzen durch: «Der Kanton Zug richtet seine Richtplanung auf ein geringes Wachstum aus.»

G 1.4

FRAGE: Welches sind neue Trends? Ist die Konsolidierung der aktuellen Situation kein neuer Trend?

ANTRAG: Bei der Aufzählung der Spielräume sind die „ökologischen“ Entwicklungen noch aufzunehmen.

 

G 2    Ziele zur Bevölkerungsentwicklung

G 2.1

ANTRAG: Der Kanton Zug soll die Variante BFS tief, also maximal und verbindlich 138`000 Personen als Zielgrösse bis 2040 definieren. Entsprechend ist die Verteilung auf die Gemeinden anzupassen. Aus dieser tieferen Zielgrösse resultierende Anpassungen sind auch in anderen Bereichen des Richtplanes vorzunehmen.

 

G 2.2

«Die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung können durch Verdichtung innerhalb des bestehenden Siedlungsgebietes überschritten werden.» Diese Aussage lädt gerade dazu ein, die definierte maximale Bevölkerungszahl zu überschreiten und dies wollen wir nicht.

ANTRAG: Diesen Satz streichen.

 

G 3    Ziele zur Beschäftigungsentwicklung

G 3.1

ANTRAG: Analog soll auch bei der Beschäftigtenzahl das Szenario «tief» in die Richtplanung aufgenommen werden, also max. 120`000 Arbeitsplätze.

 

G 4    Ziele zur wirtschaftlichen Entwicklung

G 4.1

Wir sind einverstanden, dass der Kanton die wertschöpfungsintensiven Branchen stärkt; im internationalen Wettbewerb wohl unerlässlich. Wichtig ist aber folgende Ergänzung:

ANTRAG: Etwa im folgenden Sinne: Der Kanton Zug bemüht sich um eine ausreichende Beschäftigung für alle Menschen, unabhängig ihrer Fähigkeiten. Wir wollen keinen „Elite-Kanton“.

G 4.2   

«In ausgewählten Arbeitsgebieten lassen die Gemeinden keine Wohnnutzung zu.» Dies finden wir nicht zielführend. Wir wollen, dass lange Pendlerstrecken wegfallen, Wohnen und Arbeiten müssen wieder näher zusammenkommen. Es soll Gebiete geben, welche Mischnutzungen zulassen. In Zukunft weniger Wachstum heisst auch weniger Arbeitsplätze und weniger Pendlerströme.

ANTRAG: Der Kanton Zug erlässt Lenkungsmassnahmen, damit die Arbeitsplätze dort sind, wo die Anbindung an den ÖV gewährleistet ist.

ANTRAG: Insbesondere das Gebiet rund um den Bahnhof Steinhausen soll eine Mischnutzung (Arbeit und Wohnen) zukünftig zulassen.

 

G 5     Ziele zur Siedlung

G 5.1

Den Stopp der räumlichen Ausdehnung der Siedlungen unterstützen wir vollumfänglich.

G 5.2 und 5.5

Diese Aussagen sind zu wenig konkret. «Alles ist möglich.»

G 5.4

ANTRAG: Der Anteil versiegelter Flächen wird reduziert.

ANTRAG: Neubauten sollen grundsätzlich Rückbauten bzw. Kompensationen nach sich ziehen.

 

G 6     Ziele zur Landschaft

G 6.1

Dieser Abschnitt ist schönfärberisch formuliert, da die Zuger Landschaften bereits stark beeinträchtigt sind. Es sind kaum noch genügend typische Landschaftselemente vorhanden wie Bäume, Gewässer, Bauernhäuser.

G 6.2

ANTRAG: „Die Qualität der bestehenden Naturschutzgebiete ist zu steigern, besonders durch konsequente Beschilderung und effiziente Besucherlenkung sowie durch Aufwertung der Lebensräume und Arrondierungen.

G 6.3

ANTRAG: «Mehr Natur in den verdichteten Siedlungen» Dieser Satz tönt gut. Er soll ausformuliert werden, was der Kanton damit genau meint, zum Beispiel was sind nachhaltige Naturpärke in Quartieren, Dörfern und Industriezonen? Es sind wohl nicht die Balkongärten mit den hängenden Gurken gemeint.

G 6.5

FRAGE: Wieso wird dies nicht schon längst gemacht hat, bzw. woher nimmt der Kanton die Zuversicht, dass das Minimieren der Konflikte mit MEHR Menschen zukünftig gelingen soll?

Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Gewisse Naturschutzgebiete haben für störungsempfindliche Arten kaum noch Schutzwirkung. Es fehlt eine wirksame Besucherlenkung; der Kanton hat keine Wildruhezonen und kein Hundegesetz.

 

G 7    Ziele zum Verkehr

Der Verkehr und dichtere Siedlungen müssen gemeinsam betrachtet werden. Ein Gesamtverkehrskonzept muss unbedingt Bestandteil dieser Revision sein.

ANTRAG: Der Zugerberg soll in Zukunft für Besuchende verkehrsfrei sein.

G 7.2

ANTRAG: „Der Kanton setzt verkehrslenkende und verkehrssteuernde Massnahmen gezielt ein, um das Verkehrsaufkommen «generell» und in den morgendlichen und abendlichen Spitzenstunden «besonders» zu reduzieren.

Es braucht ein klares Bekenntnis zu weniger Verkehr; einfach die Spitzen zu Pendlerzeiten brechen zu wollen, reicht nicht aus und ist alles andere als visionär.

G 7.3

ANTRAG: Allfällige Flächen für die Mobilität des motorisierten Individualverkehrs dürfen nicht erhöht werden.

ANTRAG: Die Flächen für den stillstehenden Verkehr (Parkplätze) sind zu reduzieren. Dies ist eine einfache Lenkungsmassnahme, denn: Je weniger Parkplätze, desto weniger Verkehr wird verursacht.

 

G 8    Ziele zur Zusammenarbeit

G 8.3 Koordinationsaufgaben mit Kanton Zürich

ANTRAG: Der Ausbau der Doppelspur Baar – Sihlbrugg – Horgen gehört zu den Koordinationsaufgaben mit dem Kanton Zürich. Dieser dringende Bahnausbau gehört in das Konzept räumliche Entwicklung.

ANTRAG: Infrastrukturausbau für Viertelstundentakt Zug – Affoltern a.A.- Zürich.

ANTRAG: Infrastrukturausbau (Bahnspange) für direkte Bahnverbindungen zwischen Steinhausen und Cham und damit eine direkte Verbindung des Rontals, Rotkreuz, Cham, Steinhausen, mit dem Knonaueramt und Zürich.

G 8.6 Koordinationsaufgaben mit dem Kanton Schwyz

ANTRAG: Zusatz g) Regionalverkehr Schwyz – Rotkreuz – Rontal

 

G 9    Ziele zur räumlichen Gliederung

G 9.1

Der Raumtyp «Zwischenlandschaften» ergibt keine Identifikation mit dem Ägerital.

ANTRAG: b) «Zwischenlandschaften» ersetzen mit  «Voralpenlandschaften»

 

G 9.2    Stossrichtung für die Stadtlandschaften

G 9.2.1

FRAGE: Wie stellt der Kanton sicher, dass 85 Prozent des Wachstums in den städtischen Gebieten stattfinden? Gibt es Baustopps für die anderen Gemeinden?

G 9.2.8

«Die Übernahme des zusätzlichen Verkehrs durch ÖV sowie Velo- und Fussverkehr zur Hälfte zu übernehmen» unterstützen wir.

G 9.2.9

Modalsplit bei den Zupendelnden zugunsten des ÖV: «Weitgehende Massnahmen sind insbesondere mit der Wirtschaft zu prüfen und umzusetzen.»

FRAGE: Wer genau ist mit «Wirtschaft» gemeint?

ANTRAG: „… mit der «Wirtschaft», den Fachstellen und den Umweltorganisationen zu prüfen und umzusetzen.“

 

G 9.3    Stossrichtung für die Zwischenlandschaften mit regionalen Zentren

Unter «Zwischenlandschaften» können wir uns nichts Konkretes vorstellen.

ANTRAG: Die «episch» gehaltenen Texte der Abschnitte 9.3.1;  9.4.2;  9.4.3,  9.4.4;  9.4.5;  und  9.4.6  sind zu redigieren und auf die richtplanerischen Kernaussagen zu reduzieren.

G 9.3.2

FRAGE: Wo sind die aktiv zu gestaltenden Freiräume am Ägerisee möglich, die frei zugänglich sind und neue Erholungsmöglichkeiten bieten sollen?

 

G 9.4.    Stossrichtung für die Kulturlandschaften

G 9.4.7

ANTRAG: Zusatz: «Die ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft ist zu fördern.»

 

G 9.6    Stossrichtung für die Achse Zug – Rotkreuz – Rontal – Luzern

9.6.1

Wir wollen kein Strassendorf von Baar bis Luzern. Zur Achse in Richtung Rontal braucht es folgende Ergänzung:

ANTRAG: Zwischen dem Siedlungsgebiet von Rotkreuz und der Kantonsgrenze ist eine Fläche unbedingt grün freizuhalten.

 

S 1    Siedlungsgebiete

S 1.2    Wohn- und Arbeitsgebiete

S 1.2.2

Der ganze Siedlungsstopp wird ausgehöhlt, wenn Arrondierungen ohne Auflagen möglich sind.

ANTRAG: Die Klausel, dass Arrondierungen möglich sind, gilt nur, wenn sie kompensiert werden können.

S 1.2.3

FRAGE: Es ist nicht klar, ob das nun alles innerhalb der 10-Hektaren-Koningents des Kantons stattfindet, oder ob die 1 bis 2 Bautiefen letztlich als Schlupflöcher für grössere Bauzonen dienen.

 

L 1     Landwirtschaft

L 1.1

Siehe Bemerkung bei G 5.4

 

Neu S 1.1.2

ANTRAG: Bauten, die von der Landwirtschaft nicht mehr gebraucht werden, sind abzubrechen. Ausser sie haben einen hohen denkmalpflegerischen Wert und tragen zur Identifikation bei.

 

L 1.2    Gebiete für die über die innere Aufstockung hinausgehende Landwirtschaft (bodenunabhängig)

L 1.2.1

FRAGE: Wie stellt sich der Kanton in Zukunft eine bodenunabhängige Landwirtschaft vor?

ANTRAG: Keinen «Freipass für sogenannte Bahnhofbauern“ und überdimensionierte Mastbetriebe in unserem Kanton.

Die bodenunabhängige Landwirtschaft ist auf kleine, klar definierte Flächen der Kulturlandschaft einzuschränken und wie geplant an Bedingungen zu knüpfen.

In gleicher Weise ist vorzugehen, um die zunehmende Verunstaltung der Landschaft durch Treibhäuser, Folientunnels und plastikbedeckte Äcker zu stoppen bzw. rückgängig zu machen.

 

Wir bitten Sie unsere Anliegen zu prüfen und hoffen, dass unsere Einwendungen in Ihrer weiteren Bearbeitung berücksichtigt werden. Besten Dank.

 

Für die Alternative-die Grünen Zug

Hanni Schriber-Neiger, Kantonsrätin Risch