Die Kandidaten für die Gemeinderatswahl nutzen zahlreiche Kanäle, um mit ihren Wählern in Kontakt zu treten. Nicht alle setzen dabei auf das Internet.

11. Februar 2016
Neue Zuger Zeitung Online
Wer durch Hünenberg fährt oder spaziert, sei es im Seegebiet oder im Dorf, kann sie kaum übersehen: die Wahlplakate für die Gemeinderatswahl vom 28. Februar. Fünf verschiedene Kandidaten lächeln einen an, sie alle hoffen, den durch den Rücktritt von SVP-Bauvorsteher Beat Gertsch frei gewordenen Sitz in der Exekutive zu erobern. Der Wahlkampf in der Ennetsee-Gemeinde ist in vollem Gange. Wir haben uns bei den Kandidaten umgehört, welche Kanäle sie dabei nutzen, wo sie ihre Schwerpunkte setzen und wie viel Geld und Zeit sie für den Wahlkampf investieren.
Kleine Give-aways
Während alle fünf Kandidaten Plakate aufgestellt und Flyer gedruckt haben, setzt Max Bucher von der FDP zusätzlich auf kleine so genannte Give-aways. Ausserdem hat der Verkaufsleiter und ehemalige Eiche-Zunftmeister eine eigene Homepage (www.maxbucher.ch) eingerichtet und ist auf dem Blog der Hünenberger FDP präsent. Auf seiner Website gibt Max Bucher seinen potenziellen Wählern unter anderem einen Einblick in sein Privatleben – mittels Text und Bildern über seine Familie. «Die Leute sollen mich kennen lernen, so wie ich bin», erklärt der Kandidat der Freisinnigen, der mit dem Slogan «Hünenberg soll attraktiv bleiben» punkten will. Die Kosten für den Wahlkampf, so führt Bucher aus, würden zu zirka einem Viertel von der Partei und zirka drei Vierteln von ihm selber und privaten Sponsoren übernommen. Beim Wahlkampf erhält Max Bucher Unterstützung von der Partei, Kollegen, Verwandten und seinen erwachsenen Kindern. «Alleine wäre dieser doch recht grosse Aufwand schon aus zeitlichen Gründen kaum zu stemmen.»
Ebenfalls online präsent ist Thomas Anderegg, der für die CVP im Rennen ist (www.thomasanderegg.com). Er wirbt mit dem Leitspruch «Sachlich und kompetent» für seine Kandidatur. Auf seiner Homepage findet man einen persönlichen «Smart-Spider», ein Diagramm, das die Einstellung zu verschiedenen politischen Themen veranschaulicht, sowie Empfehlungen von Personen aus seinem Umfeld, weshalb man ihn wählen sollte. Sein Wahlkampf bestehe jedoch in erster Linie im direkten Kontakt zu den Menschen, betont der Jurist. «Die Hünenbergerinnen und Hünenberger sollen einen persönlichen Eindruck von mir erhalten.» Social Media wie Facebook oder Twitter setze er nicht ein. Auch bei Andereggs Wahlkampf übernimmt die Partei einen Teil der Kosten. Sie würden fix aufgeteilt, erklärt der Christdemokrat. «Mitunter durch sehr viel Teamwork und Eigeninitiative der Parteimitglieder und weiterer Helfer werden die Kosten tief gehalten», sagt Thomas Anderegg weiter. Die Unterstützung sei sehr vielfältig, umfangreich und «unglaublich wertvoll».
Aktionen auf der Strasse
Wer sich über Alberto Casco, den Kandidaten der SVP, informieren will, kann dies ebenfalls auf einer eigenen Homepage (www.alberto-casco.ch) tun. Dort erfährt der Interessierte unter anderem, welches die Visionen des Architekten für «seine» Gemeinde sind. Neben den üblichen Kanälen setzt Casco auch auf Visitenkarten an Bekannte und auf Besuche bei Organisationen wie etwa dem «Buurestamm». Auch mit Strassenaktionen will der SVP-Mann punkten: «Ich werde demnächst vor der Metzgerei Limacher ‹Schinken im Teig› verteilen», verrät er. Facebook, Twitter oder Instagram setze er nur sehr zurückhaltend ein. Der monetäre Aufwand für die Kandidatur, so hält Alberto Casco fest, halte sich in Grenzen. «Der persönliche Wahlkampf kostet vor allem viel Zeit, welche ich aber gerne aufbringe.» Das Druckmaterial werde von der Partei bezahlt, während er das «Kleben» der Plakate und die Standaktionen gemeinsam mit Parteifreunden und Bekannten selber übernehme. Er sei überzeugt, sagt Alberto Casco, dass die Mund-zu-Mund-Werbung die beste sei.
Pius Hürlimann, der als Parteiloser kandidiert, setzt vor allem auf den direkten Kontakt mit seinen möglichen Wählern. «Mein Wahlkampf findet vor allem auf der persönlichen Ebene statt», erklärt der diplomierte Schreinermeister. So werde er demnächst vor der Metzgerei Limacher Marroni bräteln, um mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Neben Flyern und Plakaten hat Hürlimann auch Postkarten gestaltet. Stimmen gewinnen will der unabhängige Kandidat mit dem Leitspruch «Ein Hünenberger für ein eigenständiges, nachhaltig wachsendes Hünenberg». Soziale Medien setzt Pius Hürlimann nicht ein. Als einziger der fünf Kandidaten legt der Parteilose sein Budget offen. «Der Wahlkampf kostet mich ungefähr 2500 Franken. Diese Kosten übernehme ich alle selber», so Hürlimann. Er könne aber auf Freunde zählen, die ihn beim Aufstellen der Plakatständer unterstützt hätten.
Persönliche Kontakte
Grossen Wert auf persönliche Kontakte legt auch Karin Baumgartner-Hägi, die Kandidatin des Grünen Forums. «Ich möchte die Hünenbergerinnen und Hünenberger durch Argumente und meine Persönlichkeit überzeugen», führt die Forstingenieurin aus. Wie Alberto Casco und Pius Hürlimann setzt auch sie auf Standaktionen. Dabei wirbt Karin Baumgartner mit dem Slogan «Nachhaltigkeit ist mein Berufs- und Lebensmotto». Online und in den sozialen Medien ist die einzige Frau unter den Kandidierenden nicht präsent. «Ich schätze vielmehr den direkten Kontakt zu den Einwohnern», sagt sie. Was die Finanzen betrifft, erhält Baumgartner ebenfalls Unterstützung von der Partei, für die sie antritt. «Ein Aufteilungsschlüssel ist noch nicht definitiv abgemacht, aber die Unterstützung ist zugesichert.» Dank engagierter Helferinnen und Helfer, sei es aus der Partei, der Familie oder dem Freundeskreis, würden die Wahlkampfkosten in einem bescheidenen Rahmen bleiben.