Seit die Klimaerwärmung auch einige bürgerliche Politiker erreicht und die Energiepreise und damit vor allem der Erdölpreis neue, bisher unbekannte Höhen erreicht hat, wird der Begriff der Nachhaltigkeit noch mehr missbraucht als zuvor. Wie nachhaltig handeln wir Alternativen?

Nachhaltigkeit strebt gleichgewichtig die Ziele des Umweltschutzes (ökologische Verantwortung), der wirtschaftlichen Beständigkeit (ökonomisches Leistungsfähigkeit) und der sozialen Gerechtigkeit (gesellschaftliche Solidarität) – weltweit und in einer langfristigen Perspektive. Da diese drei Dimensionen untereinander vernetzt sind, scheint auch klar warum die Zusammenhänge zwischen dem ökologischen und dem darin eingebetteten ökonomischen und sozialen System so komplex sind.

Wir alle wissen, dass es ganz unterschiedliche Meinungen im politischen Prozess gibt. Ein Erster will sich nicht nachhaltig verhalten, ein Zweiter schwört auf Nachhaltigkeit, meint aber etwas anderes. Der Dritte und Vierte ist sich über den Begriff einig, streiten sich aber über die politischen Mitteln und die Umsetzbarkeit. Teilweise liegt das an der Begrenztheit des Wissens, welche in den Zusammenhängen zwischen menschlichem Handeln und der Natur liegen. Die Wissenschaft kann uns hier in vielen Punkten helfen, aber auch sie kann nicht alle Probleme lösen.

Sämtliche Akteure in Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft sind im Rahmen eines gesellschaftlichen Such-, Lern- und Gestaltungsprozesses aufgerufen, zukunftsfähige Formen des Wirtschaftens und Lebens zu finden.
Die gesellschaftliche Steuerung wiederum ist eine Aufgabe, die vorrangig dem Verantwortungsbereich der Politik zugesprochen wird. Nachhaltige Entwicklung ist also ein gesellschaftliches Projekt in welchem die Politikerinnen und Politiker rund um den Erdball eine Führungsrolle und somit Verantwortung übernehmen sollten. Doch wird diese Führungsrolle wahrgenommen? Zu oft duckt sich die Politik und verweist auf die Eigenverantwortung von Privaten und Unternehmen. Robert Reich, der frühere US-Arbeitsminister unter Clinton beschreibt die Situation in seinem neuen Buch so: „Mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen verhält es sich ungefähr so wie mit Zuckerwatte: je kräftiger man reinbeisst, umso schneller löst sie sich in Nichts auf.“
So geschehen zum Beispiel beim Problem der Klimaerwärmung. Alle reden darüber, handeln tun wenige. Einer unserer Nachhaltigkeits-Akteure, die Wissenschaft, hat uns klar aufgezeigt was zu tun ist. Aber Wirtschaft und die Politik scheinen zu schlafen. Erst kürzlich ist die CO2-Abgabe auf Treibstoffe vom Bundesrat wieder in eine tiefere Schublade archiviert worden.

Dabei hätte ein hoher Ölpreis (und eine CO2-Abgabe) viele positive Folgen für unsere Gesellschaft. Er bewirkt weit mehr als es gute Worte oder dramatische Filmbilder je vermögen würden. Steigende Preise waren schon immer die Hauptursache für eine tiefgreifende und anhaltende Verhaltensänderung. Sie betreffen auch jene, welche weder in der Wirklichkeit noch in den Medien sehen wollen, wie knapp gewisse Rohstoffe und wie wichtig neue Alternativen geworden sind.
Für Haushalte wird es bei hohen Energiepreisen automatisch und ohne neue Subventionen finanziell attraktiv, Energie zu sparen, Heizungen zu erneuern, Fenster besser abzudichten und Aussenwände zu isolieren. Nun rechnet es sich von alleine, Energiesparlampen einzuschrauben, weniger heiss zu waschen sowie benzinsparender und weniger Auto zu fahren. Aber auch bei Unternehmen hat der steigende Ölpreis schon dazu geführt, dass endlich nicht nur über Energiesparen geredet, sonder täglich auch entsprechend gehandelt wird.

Auch wir Alternativen sollten uns auf alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit konzentrieren und den Mut haben, beispielsweise auf den Markt zu vertrauen. Verabschieden wir uns von kleinen verzettelten Aktionen zu Gunsten unserer Umwelt und wagen wir den Schritt in eine anreizorientierte, nachhaltige Umwelt- und Energiepolitik!