Wie macht man sein eigenes Brot? Man nimmt Mehl, Wasser, Hefe, etwas Salz, vermischt es, lässt es aufgehen, und dann backt man es. Einfach, wunderbar.

Wie wird man glücklich? Auch hier gibt’s viele Rezepte. Aber: Ein Leben ist komplizierter als ein Brot. Eine gute Beziehung klappt nicht wegen einfachen Rezepten, sondern dank anhaltendem Engagement. Alle müssen sich konstruktiv eingeben, Kompromisse eingehen und einhalten. Das bildet Vertrauen.

Vertrauen und Engagement sind in jeder Gemeinschaft nötig. Als Konsument, als Stimmbürgerin, als Familienmitglied engagieren wir uns. Unsere Gesellschaft und die Welt entwickeln sich. Wir dürfen somit nicht in unseren alten Mustern und Rollen verharren. Wachstum und Globalisierung haben uns in der Vergangenheit Wohlstand gebracht, heute aber auch eine Klimakrise. Tiefe Steuern haben uns in Zug viele Firmen und Arbeitsplätze gebracht, heute aber hohe Mieten, Mobilitätsprobleme und Sparpakete.

Das kantonale Sparpaket wurde vor zwei Jahren vom Zuger Stimmvolk abgelehnt, weil man wollte, dass man nicht nur spart, sondern auch etwas mehr Steuern bezahlt. Seither ist in ganz vielen Bereichen und bei vielen Organisationen massiv gespart worden. Der versprochene Kompromiss aber gilt nicht mehr. Der Regierungsrat und die Mehrheit des Kantonsrates haben den Volksentscheid hintergangen, auf eine Steuererhöhung verzichtet. Gegen Treu und Glauben zu verstossen schadet dem Vertrauen, das jede Gesellschaft braucht, speziell eine direkte Demokratie.

Vertrauensverlust führt zu schwindendem Engagement. Dies können wir uns nicht leisten. Die grossen Herausforderungen unserer Zeit wie Globalisierung, Migration und Klimakrise können nicht mit einfachen Rezepten gelöst werden oder indem man den Kopf in den Sand steckt. Wir brauchen alle Menschen mit ihren verschiedenen Erfahrungen bei der Entwicklung unsere Zukunft. Wir brauchen das Engagement aller und die Bereitschaft neue, noch unbekannte Lösungswege zu gehen.

Tabea Zimmermann Gibson
Co-Präsidentin Alternative-die Grünen Stadt Zug

Publiziert in der Zuger Woche vom 12.12.2018