Drei Kantonsräte von SVP und FDP wollen einmal mehr das Französisch aus der Primarschule verbannen. Was für eine rückständige und altbackene Forderung! Nach der Einführung von zwei Fremdsprachen im Jahr 2004 hat der Souverän des Kanton Zug zwei Jahre später eine Initiative für nur eine Fremdsprache an der Primarschule deutlich abgelehnt. Dieser Volksentscheid gilt es zu respektieren – oder halt mittels einer neuen Initiative zu korrigieren. Das ist mein Verständnis von Demokratie.

Zudem hat der Kanton vor gut einem Jahr eine umfassende Evaluation zum Fremdsprachenunterricht im Kanton Zug durchgeführt. Eltern wie Kinder zeigten sich bei dieser Befragung mehrheitlich zufrieden mit dem Unterricht. Zwei Drittel der Kinder empfinden keinen Stress beim Lernen von Französisch und sie fühlen sich nicht überfordert. Mit dem Instrument der Lernzielanpassungen haben wir eine gute Möglichkeit Schülerinnen und Schüler zu entlasten, sollte das nötig sein. Überhaupt vermisse ich bei dieser ganzen Debatte den Fokus – nämlich das Kind. Es geht doch vorwiegend um das Kind. Es und seine Zukunft sind ins Zentrum zu stellen. Die Kinder haben ein Recht darauf, Fremdsprachen zu lernen. Das ist ein wichtiges Element der Chancengleichheit. Nur wünschte ich mir in der Tat manchmal einen etwas weniger technokratischen Französischunterricht. Aber Abschaffen? Nein, danke. Was macht denn unsere Schweiz aus? Ein prägendes Element ist unsere Vielsprachigkeit und dass diese Vielsprachigkeit auch gelebt wird. Ein anderes Element ist unsere Weltoffenheit – diese ist mit der Vielsprachigkeit untrennbar verbunden. Ich will nicht, dass Deutschschweizerinnen und Romands auf Englisch miteinander kommunizieren müssen. Und dass Englisch als die Business-Sprache de facto zur schweizerischen Landessprache wird. Und es erstaunt mich, dass die politischen Bemühungen in genau diese Richtung ausgerechnet aus einer Ecke kommen, welche nicht müde wird, sich als Ultra-Schweizer zu produzieren.

Vroni Straub-Müller

Kantonsrätin CSP
Fraktion Alternative-die Grünen

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in der ZugerWoche vom 20.9.2017