Fahrbahnhaltestellen haben ihre Berechtigung und werden für den öV immer wichtiger. Die ALG dankt der Regierung für die gute Zusammenfassung des Themengebiets und die gemachten Ausführungen. Diese können wir im Grundsatz unterstützen.

Aus Sicht des öV haben Fahrbahnhaltestellen folgende Vorteile:

  • Der Fahrkomfort wird erhöht, weil die Haltestelle gerade angefahren wird.
    Dies ist gerade für ältere Personen oder Menschen mit einer Behinderung ein nicht zu vernachlässigender Fakt.
  • Der gesetzliche Auftrag hinsichtlich des autonomen Zustiegs für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste kann damit vollumfänglich umgesetzt werden. Aber auch das Anfahren an die Haltekante wird so optimiert, weil dadurch ein geringer Spalt zwischen Anlegekante und Fahrzeug besteht.
  • Der Bus kann nach dem Fahrgastwechsel ungehindert – das heisst ohne abwarten und erneutes Einfädeln in den Verkehr – weiterfahren. Die Fahrplanstabilität wird dadurch erhöht und die Reisezeiten werden beim Bus zuverlässiger.
  • Der Flächenverbrauch ist wesentlich kleiner. Hierzu haben wir gute Ausführungen in den Berichten der Regierung.
  • Aufgrund der kleineren Flächenbeanspruchung ist aber auch die Anordnung der Haltestelle flexibler möglich und es können Zu- und Übergänge für den Langsamverkehr ebenfalls optimiert werden.
  • Die Verfahrensdauer und die Kosten sind tiefer.

Diesen positiven Eigenschaften stehen aber auch folgende Nachteile gegenüber:

  • Der Wartebereich der Fahrgäste liegt direkt an der Strasse.
  • Kann der stehende Bus überholt werden, entstehen Konfliktsituationen mit dem Gegenverkehr oder mit querenden Fussgängern.
  • Bei starken Fahrgastwechseln wird der Verkehrsfluss gestört.
  • Es können keine Standzeiten zur Fahrplanstabilität abgewartet werden.
  • Busse werden als Hindernisse im Verkehr empfunden.
  • Der nachfolgende Verkehr wird aufgehalten.

Deshalb ist die vom Kanton praktizierte Prüfung im Einzelfall genau das richtige Mittel um hier auch in Zukunft gute Lösungen für beide Verkehrsträger zu finden. Beispielhaft dafür ist die Antwort des Regierungsrates auf die Interpellation von Thomas Werner und andern zur Busshaltestelle Neuägeri Rössli.

Die Alternativen – die Grünen werden aus diesen Gründen sowohl Motion wie Postulat nicht erheblich erklären und die Interpellation zur Kenntnis nehmen, also den Anträgen des Regierungsrates folgen.

Als häufige Benutzerin des öV, vor allem der Strecke Zug-Ägeri, habe ich die Gelegenheit benutzt, mehrere Chauffeure direkt auf dieses Thema anzusprechen. Es zeigte sich folgendes: Die Strecken ins Berggebiet mit den Bussen 1, 2 und 34 sind in Bezug auf die bestehenden Fahrbahnbuchten mit dem Wiedereinfädeln in den Verkehr unproblematisch, die AutofahrerInnen seien sehr kooperativ und rücksichtsvoll. Dies sei aber im Tal- und Stadtgebiet leider nicht selbstverständlich.

Was jedoch bei allen Befragten ein grosses Problem darstellt, ist die Haltestelle Tobelbrücke-Höllgrotten in Fahrtrichtung Menzingen/Ägeri. Erst im letzten Moment wird dort ersichtlich, ob jemand auf der Bushaltestelle wartet. Um ein rasches Abbremsen zu verhindern, muss diese Haltestelle immer langsam angefahren werden. Auch das Wiedereinfädeln ist dort äusserst gefährlich und mit grossem Stress verbunden, weil die Autos mit hoher Geschwindigkeit auf die verborgene Haltestelle zufahren. Dies gilt auch für den Fussgängerübergang. Im Jahr 2011 wurden auf diesem Fussgängerübergang eine Grossmutter mit ihren zwei Enkeln von einem Auto erfasst und schwer verletzt.

Für die befragten Chauffeure wäre eine elektronische Tafel am Strassenrand äusserst wichtig. Diese Tafel müsste dem Bus signalisieren, ob jemand an der Haltestelle wartet, und dem Privatverkehr, dass sich ein Bus auf der Haltestelle befindet.

Für die Fraktion der Alternativen – die Grünen
Mariann Hess, Kantonsrätin der Alternativen – die Grünen, Unterägeri