Wie in der SonntagsZeitung zu lesen war, hat Jo Lang den Mitgliedern der Bundesversammlung einen Brief gesandt, der dem Empfehlungsschreiben von Dolfi Müller, Gerhard Pfister und Rolf Schweiger widerspricht. Untenstehend ist das Schreiben samt dem hoch brisantem link, den die Parlamentsmitglieder auch bekommen haben. Übrigens fand das Treffen, in dem das Empfehlungsschreiben für Tännler beschlossen wurde, in der Schweiger Advokatur statt.
 
Bei einer Bundesratswahl geht es – im Unterschied zu einem Gerichtsverfahren –  nicht um die Frage, ob sich der ehemalige Direktor der Rechtsabteilung der Fifa selber fehlbar verhalten habe.  Es geht um die Risiken, welche durch die damalige Ausübung dieses Amtes in dieser Organisation weiterhin bestehen oder entstehen könnten. Es geht weiter um die Glaubwürdigkeit in einem auch in der öffentlichen Erwartung immer wichtiger werdenden Kampf: dem gegen die Sport-Korruption. Es kommt nicht von ungefähr, widmet das fedpol im jüngsten Jahresbericht 2010 zur Kriminalitätsbekämpfung der Sport-Korruption ein ganzes Kapitel. Ist, wer vor wenigen Jahren in der Fifa eine strategische Funktion inne gehabt hat (also nicht ein blosser „Mitarbeiter“ war), denkbar an der Spitze des EJPD?
 
 
 
Hier der Brief, den Jo Lang an alle Mitglieder der Bundesversammlung gesandt hat:
 
Zug, den 25. November 2011
An die Mitglieder der Bundesversammlung
 
Geschätzte Mitglieder des Bundesparlaments
 
Sie erhielten vor einer Woche vom Zuger Stadtpräsidenten Dolfi Müller, von Nationalrat Gerhard Pfister und von Ständerat Rolf Schweiger einen Brief, der ihnen Regierungsrat Heinz Tännler zur Wahl in den Bundesrat empfiehlt. Mein demokratisches Gewissen und mein Wissen um die Bedeutung eines konsequenten Kampfes gegen die Korruption veranlassen mich, sie auf zwei Sachverhalte hinzuweisen:
 
Heinz Tännler war, wie im ihnen gesandten Curriculum erwähnt wird, von 2004 bis 2007 Direktor der Rechtsabteilung der FIFA. Bei dieser Funktion handelt es sich um eine strategische. Die FIFA ist bekanntlich in Sachen Korruption nicht über jeden Verdacht erhaben.
Die Schweiger Advokatur vertritt mit Ricardo Teixeira, OK-Chef der nächsten Fussball-WM und Ex-Schwiegersohn von Joao Havelange, ein FIFA-Exekutivmitglied, gegen das im brasilianischen Senat seit Jahren Untersuchungen laufen, die über 1000 Seiten Dokumente produziert haben.
 
Aufgrund der Risiken, die mit der Wahl eines ehemaligen Fifa-Kopfes in den Bundesrat verbunden wären und eingedenk des Rücktritt-Dramas, das vor gut zwei Jahrzehnten die Schweiz bewegte, muss ich ihnen empfehlen, Heinz Tännler ihre Stimme für die Wahl in den Bundesrat nicht zu geben.
 
Mit freundlichen Grüssen
Josef Lang, Nationalrat Zug
 
 
PS: Mehr Informationen vermittelt Ihnen u.a. der untenstehende link. Scrollen Sie bis unter die Mitte des Dokuments, wo das Faksimile „Kanton Zug“ und „Staatsanwaltschaft“ auftaucht:
 http://www.jensweinreich.de/2011/10/31/andrew-jennings-presentation-to-senate-committee-in-brasilia-the-truth-about-fifa-corruption-ricardo-teixeira/

 
 
Weitere lesenswerte Artikel zum Thema:

 
 >> "Die Fifa muss sich selbst aus dem Sumpf ziehen", NZZ, 1.12.11 >> "Langer Weg zur Transparenz", Süddeutsche Zeitung, 30.11.11