Motion von Astrid Estermann, GGR Stadt Zug

Die Stadt Zug verbessert in Zusammenarbeit mit dem Kanton die innerstädtischen Veloverbindungen, insbesondere zwischen den bevölkerungs- und kinderreichen Wohngebieten und den Oberstufenschulhäusern und gestaltet diese sicher, komfortabel und direkt, soweit möglich als eigentliche „Velobahnen“. Dazu dient ein zügig zu erstellender und umzusetzender „Masterplan Velo“.

Begründung:
Das Velo ist innerstädtisch bei weitem das effizienteste Transportmittel. Es hat das Potenzial, Stau zu reduzieren, überfüllte Züge und Busse zu entlasten, ist umweltschonend, leise, weitgehend emissionsfrei, platzsparend und leistet bei regelmässiger Benutzung einen Beitrag zu Bewegungs- und Gesundheitsförderung.
 
Dennoch wird das Velo gerade von Kindern und Jugendlichen immer seltener als alltägliches Transportmittel benutzt. Nebst der starken Konkurrenz durch den gut ausgebauten und subventionierten öffentlichen Verkehr sowie einer bedeutenden Anzahl sogenannter „Mama-Taxi“-Fahrten, dürfte dies im Wesentlichen auf das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis der Kinder und Jugendlichen und insbesondere deren Eltern zurückzuführen sein.
 
Angesichts der massiven Zunahme des motorisierten Verkehrs und der weitgehenden Marginalisierung der Velofahrenden wird Velofahren zumindest subjektiv von vielen als gefährlich empfunden. Dazu tragen auch abschreckende Verkehrssicherheitskampagnen bei: Helmtragen wird mit Risikosportarten assoziiert.
 
Objektiv mögen die Unfallzahlen zwar rückläufig oder zumindest konstant sein, die gestiegene Risikoaversion ist aber berechtigt, jedes Unfallopfer im Strassenverkehr ist eines zu viel.
 
Um das Velofahren vor allem auch für Jugendliche wieder attraktiver zu machen und z.B. überfüllte Busse zu Stosszeiten zu entlasten, ist dringend eine Abkehr von der bisherigen Pflästerlipolitik für Velos bei der Verkehrsplanung nötig. 
 
Das bestehende Velowegnetz in der Stadt Zug ist grossteils Stückwerk und geprägt von vielen Lücken und gefährlichen Überquerungen. Velos spielen selbst bei neu erstellten Strassen und Kreuzungen oft keine Rolle, allfällig vorhandene Velospuren haben keinen Vortritt vor einmündenden Nebenstrassen und landen spätestens vor dem nächsten Kreisel im Nirgendwo. 
 
Der Masterplan Velo soll in erster Linie sichere, in zweiter Priorität komfortable und drittens möglichst direkte Veloverbindungen von den Wohnquartieren der Stadt Zug und Oberwil zum Bahnhof, zu den Oberstufenschulhäusern sowie zum Musikschulhaus garantieren. Dabei muss auch denkbar sein, mit baulichen Veränderungen genügend Platz zu schaffen oder der Veloachse Vorrang vor kreuzenden Nebenstrassen zu geben. 
 
Eine derart verbesserte Infrastruktur würde auch helfen, das häufig zu beobachtende „Velorowdytum“ in den Griff zu kriegen. Für Disziplinlosigkeiten wie Ignorieren von Rotlichtern, Ausweichen aufs Trottoir etc. gäbe es dann keinen Grund und keine Ausreden mehr.
 
Soweit möglich sind Velobahnen breit genug um ein Nebeneinanderfahren zu ermöglichen und damit dem natürlichen Kommunikationsbedürfnis gerade von Jugendlichen Rechnung zu tragen. Velofahrende sind auch Menschen, ihnen soll nicht verwehrt werden, was im Auto oder Bus selbstverständlich ist.
 
Ein solches Velobahnnetz als Mittelverteiler käme innerstädtisch auch allen anderen Velofahrenden sowie den Arbeits- und Einkaufspendlern zugute, die die Stadt über die kantonalen Velorouten erreichen. Es wäre ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Ziele der 2000 Watt-Gesellschaft auch im Bereich der Mobilität.
 
Mit der Planung und Realisierung ist unverzüglich zu beginnen, unabhängig vom Entscheid oder gar der Realisierung des Stadttunnels. Die meisten der notwendigen Veloverbindungen führen nicht durch das von diesem entlastete Gebiet sondern würden eher noch durch Mehrverkehr betroffen.
 
Konkret müsste der Masterplan Velo mindestens folgende Achsen und Verbesserungen vorsehen:

– Von Oberwil dem See entlang zur Musikschule/Bahnhof
– Von Oberwil über Fridbach/Löberenstrasse zum Loreto/Kantonsschule
– Von Zug West entlang der General-Guisan-Strasse, Abzweiger zur Musikschule, sichere Querung des Bahnhofs (Gubelloch) zum Metalli/Bergliweg und zur Kantonsschule
– Von Zug West entlang der Feldstrasse zum Göbli/Kantonsschule
– Entlang des Zugerberghangs auf Waldheimstrasse/Fadenstrasse zum Loreto
– Sichere Verbindung Kantonsschule-Loreto bergwärts durch Mitbenutzung Trottoir
– Gemeinsame Nutzung Bergliweg Loreto-Bahnhof durch Fussgänger und Velofahrer
– Prüfung einer Mechanisierung des Hänggelisteigs durch eine Kaskade von Rolltreppen, bei denen die Mitnahme eines Velos (bzw. eines Einkauftrolleys) bergwärts möglich ist. (Vorbild:Aufstieg zum Park Guëll in Barcelona).
 
 
Für die Fraktion,
Astrid Estermann

 >> Astrid Estermann wieder in den GGR!