Die Welt ist nahe zusammengerückt. Was auf einer Seite unseres Planeten geschieht, hat Auswirkungen auf der anderen. Diese zunehmende Verflechtung wird auch Globalisierung genannt. Der Wirtschaftskanton Zug ist ein Kristallisationspunkt davon.

Zwei kolumbianische Männer weilten im Januar 2007 in einer besonderen Mission in der Schweiz. Die beiden leben im Norden Kolumbiens, wo die grösste Tagbaumine Südamerikas – doppelt so gross wie der Genfersee – liegt. Die Kohlenmine gehört einem Konsortium der drei Rohstoffhandelskonzerne Xstrata (einer Tochterfirma der Glencore, mit Steuerdomizil in Zug), BHP Billiton und Anglo American. José Julio Perez, ein Mann mit afrikanischen Wurzeln, ist Vorsteher einer Dorfgemeinschaft und Armando Perez setzt sich als Anwalt für die Anliegen von unterdrückten Minderheiten ein.

In einer Begegnung mit kirchlich und politisch engagierten Personen in Baar schilderten die beiden Männer, wie ihre Dorfgemeinschaft im Rahmen der Minenexpansion im Jahre 2001 rücksichtslos vertrieben und brutal all ihrer Lebensgrundlagen beraubt wurde. Mit ihrem Aufenthalt bei uns verfolgten sie zwei Ziele: Zum einen wollten sie mit der Xstrata-Konzernleitung das Gespräch suchen, auf ihre hoffnungslose Situation aufmerksam machen und um Hilfe beim Aufbau eines neuen Dorfes und um gerechte Behandlung bitten. Zum andern ging es ihnen auch darum, internationale Unterstützung zu erhalten in einem gravierenden Arbeitskonflikt zwischen der Minenbetreiberfirma und den Gewerkschaften.

Die Alternative Kanton Zug hat über die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien seit Monaten ihre Solidarität mit den Arbeitern ausgedrückt, einerseits über Briefe, anderseits über persönliche Kontakte. Zugleich hat auch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit (Presseartikel, Dokufilm an den Solothurner Filmtagen) mitgeholfen Druck aufzubauen. So gelang im kolumbianischen Arbeitskonflikt kurz vor dem definitiven Scheitern ein Verhandlungsdurchbruch. Ende Januar 2007 wurde ein neuer Gesamtarbeitsvertrag unterzeichnet. – In Zug gab die Xstrata den beiden Kolumbianern abschlägigen Bescheid auf ihre Bitten um Gehör. Doch anfangs Februar wurden sie von einem Mitglied der Konzernleitung in London empfangen und erhielten teilweise befriedigende Antworten auf ihre Anfragen.

Globalisierung heisst hier konkret: In Kolumbien schuften ausgebeutete Menschen unter elenden Lebens- und Arbeitsbedingungen. Der Gewinn aus dieser harten Arbeit kommt nicht ihnen zugute, sondern wird auf der anderen Seite der Erdkugel – im Rohstoffhandelszentrum Zug – auf unseren bereits vorhandenen Wohlstand aufgehäuft. Die Menschen, die unseren Wohlstand erarbeiten, sind so weit weg, dass ihr Leiden und ihre Unterdrückung uns nicht mehr beunruhigen. Wir vergessen, die wesentlichen Fragen nach dem Hintergrund unseres Reichtums zu stellen. Solidarität als ein Zeichen menschlicher Anteilnahme geht zusehends in Gleichgültigkeit über.

Die Globalisierung hat seit den 1970er-Jahren die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen den Entwicklungs- und den Industrieländern enorm vergrössert. Früher hiess es beschwichtigend: Wenn es den Reichen gut geht, profitieren alle. Dies gilt nun definitiv nicht mehr. Der produzierte Reichtum wird weder über Löhne noch Investitionen an die Arbeitenden zurückgegeben, sondern privatisiert. Auch durch die Tiefsteuerpolitik des Kantons Zug wird diese tragische Entwicklung gefördert. Durch die Ausweitung der Finanzmärkte und die Liberalisierung des Welthandels werden Millionen ja Milliarden von Menschen in Armut und Ausweglosigkeit getrieben.

Umso schöner ist es, wenn zwischendurch direkte Begegnungen sensibilisieren, Verbundenheit bewirken und gar kleine Erfolge nach sich ziehen. Dann ist es auch etwas leichter, den Widerstand gegen diese destruktiven Mechanismen beizubehalten, Solidarität weiter zu leben im Kleinen wie im Grossen, und unser Gerechtigkeitsempfinden von unserem Wohlstand nicht einlullen zu lassen. Bertolt Brecht formulierte dieses Bewusstsein sehr prägnant aus: „Reicher Mann und armer Mann, standen da und sahn sich an, und der arme sagte bleich: Wär’ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“