«Wir sind uns dem Stellenwert der Nahrung nicht bewusst»
Von Andreas Kretz (Artikel Zuger Woche)

Gemäss Food and Agriculture Organisation (FAO) der UNO geht weltweit rund ein Drit­tel der gesamten Lebensmit­telproduktion verloren, auch bei uns in der Schweiz.

In einer Biogasanlage in der Region Ostschweiz werden pro Woche rund 15 Tonnen Brot als Biomasse in elek­trische Energie umgewandelt. Dazu kommen täglich 15 Tonnen Speise­reste aus regionalen Gastrobetrie­ben, die «Abfälle» der Grossvertei­ler noch nicht eingerechnet. Das ist erst die Hälfte der essbaren, für die Menschen produzierte Nahrung. Sie wird immerhin noch verfuttert, kompostiert oder zu Strom umge­wandelt. Sehr zu denken gibt je­doch, dass die andere Hälfte dieser Lebensmittel, die produziert aber nie gegessen werden, von Haushal­ten achtlos im Müll entsorgt wird. Gerade wir Jungen wissen nicht, was es bedeutet, zu hungern. Genug Nahrung zu haben ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Wir sind uns dem Stellenwert der Nahrung nicht bewusst. Ist es nicht unverantwort­lich Lebensmittel unüberlegt einzu­kaufen und dann verfallen zu las­sen und letztendlich wegzuwerfen? Unverantwortlich ist auch der über Termingeschäfte und andere deri­vative Instrumente abgewickelte Handel mit Agrargüter und Lebens­mittel, die die Preise nach oben trei­ben. Zwischen Januar und April 2008 schoss beispielsweise der Ex­portpreis von thailändischem Reis von 375 auf 1100$ pro Tonne in die Höhe. Ein FAO Bericht machte nachträglich die sich Anfang 2007 anbahnende globale Finanzkrise für die Preissteigerungen auf dem glo­balen Lebensmittelmarkt verant­wortlich. Tatsächlich flüchteten In­vestoren damals aus US-Immobilien und Aktien in vermeintlich sichere Sachwerte wie eben auch Agrar­rohstoffe. Das macht nachdenklich, nicht zuletzt auch mit Blick auf die immer mehr anschwellende Krise im Euroland. Müssen auch wir zu­erst erfahren, was Hunger bedeutet, bis wir der Nahrung jenen Stellen­wert beimessen, den sie verdient?