Polittalk in der Zuger Woche vom 24.09.2014 von Jolanda Spiess-Hegglin, Co-Präsidentin Alternative – die Grünen Kanton Zug

Haben Sie sich auch schon gefragt, warum der Stadttunnel im Moment (vor den Wahlen) kein Thema ist? Es gibt kein vergleichbares Projekt, welches die (finanzielle) Zukunft des Kantons Zug in dieser Grösse prägen würde. In 10 Tagen sind Wahlen. Und fast keine/r spricht über den Tunnel.
 
In einem halben Jahr werden wir wohl an der Urne über den Stadttunnel entscheiden können. Er wird uns eine knappe Milliarde Franken kosten, von den Unterhaltskosten spricht noch niemand. 1’000’000’000 Franken für ein Generationenprojekt. Ein Betrag, welcher eben von künftigen Generationen abgestottert werden muss.
 
Hausgemachtes Verkehrsproblem
Zug, eine innerschweizer Kleinstadt, hat kein Verkehrsproblem, sondern ein Problemchen. Verkehrsprobleme sind Ströme, welche unaufhaltbar stärker werden und die Lebensqualität von allen Beteiligten massiv einschränken. Das ist in Zug nicht so. Unser Problemchen ist durch uns Zugerinnen und Zuger verursacht. Es gibt weitaus intelligentere Lösungen, als ein Tunnel, der uns finanziell ruinieren wird. Der Ausbau und die Erhöhung der Attraktivität des öffentlichen Verkehrs zum Beispiel, mit dem Schüler-Buspass haben wir in der Stadt Zug ein Fundament dazu. Busspuren und einen guten Anschluss auf die nächste Linie, wenn möglich gratis WLAN in den Bussen, so stelle ich mir Mobilität in Zug vor. Busfahren muss bequemer werden als Autofahren. Auch die Wirtschaft muss hier mitmachen. Die Mitarbeitenden sollen anstatt eines Gratis-Firmenparkplatzes einen Buspass bekommen. Oder ein Firmenvelo.
 
Die Lösung eines Verkehrsproblems ist es nicht, den Verkehr zu verlagern sondern zu vermindern.
 
Fehlende Argumente für den Tunnel

Aber eben, wir haben Wahlkampf. Auf den Wahlpodien bin ich immer die einzige Kandidatin, die gegen den Tunnel ist. Auf einem Stadtrats-Podium habe ich andere Kandidierende darauf hingewiesen, dass das Stadtzentrum auf den Visualisierungen völlig falsch dargestellt wird. Dass auf den so genannt verkehrsfreien Plätzen und Strassen eben nicht flaniert werden kann, sondern unzählige Gewerbefahrzeuge, Anwohner, Taxis und sehr, sehr viele Busse dennoch fahren werden. Die Antwort von einem SVP-Stadtratskandidaten lautete: „Ach, Frau Spiess-Hegglin, jetzt sind Sie auch noch gegen den ÖV!“ Tja, das ist Wahlkampf. Ich bin froh, können wir bald wieder richtige Politik machen.
 
 
Jolanda Spiess-Hegglin,
Stadtratskandidatin, Oberwil