Unsere Gesellschaft wird im beruflichen Bereich und beim Wohnen immer mobiler, doch bleibt der positive Wert einer guten Nachbarschaft unbestritten. Denn sie spielt nach wie vor eine wichtige Rolle für das Wohlbefinden des Einzelnen, hilft der zunehmenden Anonymisierung entgegenzuwirken und kann sich auch positiv auf die sozialen Kosten auswirken: Es müssen weniger schnell professionelle Dienste in Anspruch genommen werden, bei älteren Personen wird ein längeres Verbleiben in den eigenen vier Wänden erleichtert.

Im Kanton Zug wurde vor einigen Jahren das sogenannte Kiss-Modell (Kiss für „Keep it small and simple“) für die Nachbarschaftshilfe entwickelt und seit vier Jahren existiert in Cham die erste Genossenschaft, die nach diesem Modell funktioniert (seit Ende 2016 auch in der Stadt Zug). Grundprinzip ist die Förderung der ehrenamtlichen Unterstützung von Mitmenschen in der näheren Umgebung, die mit Zeitgutschriften honoriert werden; diese können dann gegen selber benötigte oder gewünschte Unterstützung durch Personen in der Gemeinde eingelöst werden. Laut der Chamer Genossenschaft ist diese Form der Nachbarschaftshilfe ein wichtiger Teil der sozialen Integration und der Solidarität, basierend auf dem Prinzip Geben und Nehmen. Dieses Modell hat Erfolg: Laut Jahresbericht zählte 2018 diese Genossenschaft 212 Einzel- und 7 Kollektivmitglieder und es wurden rund 10’000 Einsatzstunden geleistet (Zuger Zeitung vom 2. Mai 2019)

Der Gemeinderat Hünenberg hat mit dem Projekt „Hallo Nachbar!n“ einen anderen Ansatz gewählt, bei dem (Zitat) „der gegenseitige Kontakt im Zentrum steht“- dies  in der Hoffnung, dass damit auch die gegenseitige Unterstützung gefördert wird. Einschränkend  ist, dass das Hünenberger Model auf die einzelnen Gemeindequartieren fokussiert ist, dagegen umfasst das Kiss-Modell das gesamte Gemeindegebiet. Begonnen wurde im Januar 2017 und das Budget betrug für 3 Jahre 37’000 Franken.

Wir stellen dem Gemeinderat folgende Fragen:

  • Welches waren die Gründe des Gemeinderates, ein eigenes Modell zu entwickeln und nicht auf ein bewährtes Modell der Nachbarschaftshilfe wie „Kiss“ zurückzugreifen?
  • Wie ist die Resonanz in der Bevölkerung?
  • Wie viele Anlässe (z.B. Quartierfeste usw.) wurden in den 2 letzten Jahren im Rahmen des Projektes „Hallo Nachbar!n“ durchgeführt? Wer war alles daran beteiligt? Was ist für 2019 geplant?
  • Wie weit hat sich das Projekt verselbständigt oder wieviel Support muss seitens der Gemeinde immer noch geleistet werden, damit es funktioniert?
  • Kann die Gemeinde auf Grund der bisher durchgeführten Anlässe das Projekt «Hallo Nachbar!n» als Erfolg einstufen, und wenn ja,  wie ist dieser messbar?
  • Lässt sich dadurch beispielsweise verstärkte Nachbarschaftshilfe feststellen?
  • Was zieht der Gemeinderat für eine provisorische Bilanz seit dem Start des Projektes?
  • Ist der Gemeinderat der Meinung, dass das Hünenberger Projekt „Hallo Nachbar!n“ und das „Kiss-Modell“ wie in Cham praktiziert doppelspurig sind? Die Gemeinde Cham sieht das anders, denn ab 2019 wird sie das Projekt „Hallo Nachbar!“ zusätzlich zum Angebot der Kiss-Genossenschaft durchführen (Zuger Zeitung vom 2. Mai 2019)
  • Was spricht dagegen, dass Hünenberg das bewährte Chamer Modell bei sich einführt, mit der Chamer Genossenschaft zusammenarbeitet oder sich an Cham anschliesst?

Wir danken dem Gemeinderat für die Beantwortung der Interpellation.

Für das Grüne Forum Hünenberg:

Co-Präsidium

Rita Hofer

Karin Baumgartner