Du bist hier:>, KriFo Alternative Cham, Votum, Vorstoss, Publikation>Interpellation: Qualitätsabbau in der Schule

Interpellation: Qualitätsabbau in der Schule

Interpellation von Esther Haas betreffend den angeordneten Qualitätsabbau in den Fächern Sport, Musik, Bildnerisches und Angewandtes Gestalten an den kantonalen Mittel- und Berufsfachschulen (Vorlage 5856)

Zug ist der erste und einzige Kanton, in welchem der Bildungsdirektor trotz des Anspruches auf beste Lehrpersonen an den Schulen bei den Fächern Sport, Bildnerisches und Angewandtes Gestalten sowie Musik einen Qualitätsabbau anordnet. Im Rahmen des 1. Pakets des Entlastungsprogramms wurden nur die Lehrpersonen dieser Fächer dazu verpflichtet, zwei zusätzliche Lektionen pro Woche (Basis 100%- Anstellung) zu unterrichten. In der Vernehmlassung zur entsprechenden Verordnung wurde die geplante Pensenerhöhung deutlich abgelehnt, obwohl noch nicht einmal von einem Qualitätsabbau die Rede war. Die DBK spricht im Rahmen des von den Betroffenen aufwändig durchgeführten gerichtlichen Verfahrens nun plötzlich von einem eingeräumten und in Kauf genommenen Qualitätsabbau im Unterricht. Dadurch sollen die betroffenen Lehrpersonen die Mehrbelastung von zwei Lektionen pro Woche kompensieren können. Zitat: „Der Regierungsrat nimmt – aufgrund der verkürzten Vor- und Nachbereitungszeit- vereinfachten oder einfacheren Unterricht in Kauf“.

Die Aussicht auf Qualitätsabbau – angeordneten Qualitätsabbau – bei einzelnen Fächern, die der Maturitätsverordnung unterstellt sind, finde ich äusserst irritierend. Da fühlte ich mich herausgefordert.

Meine Fragen stehen in einem Kontext mit der Vorgeschichte zu diesem Qualitätsabbau: 2013 gelangten Sportlehrerinnen und Sportlehrer der kantonalen Gymnasien ans Verwaltungsgericht, weil sie eine Lohnklasse tiefer eingestuft wurden als alle übrigen Lehrkräfte. Das Verwaltungsgericht gab den Beschwerdeführern im Mai 2014 Recht. Das Verwaltungsgericht sah keinen Unterschied im Aufwand für den Unterricht aller Fächer an Zuger Gymnasien. «…sind doch Art und Weise des Unterrichtens- unabhängig vom Fach- höchst individuell von der jeweiligen Lehrperson geprägt. Welcher Aufwand vor, während und nach einer Unterrichtslektion erforderlich ist, welches Ausmass für die Betreuung von Schülern und ihren Arbeiten vonnöten ist, kann von einer Lehrperson unabhängig vom Fachgebiet bestimmt werden und kann im Verlauf eines Schuljahres massiv schwanken. (..) Jedenfalls erscheint es nicht nachvollziehbar, weshalb ein Fachbereich a priori und generell tiefere Anforderungen an die unterrichtende Lehrperson stellen sollte.» In der Zuger Zeitung vom 22. Mai 2014 liess der Bildungsdirektor die betroffenen Lehrpersonen wissen, jetzt denke er eben über eine Pensenerhöhung nach. Wehe dem, der Böses denkt…… aber eine solche Reaktion kann leicht als Retourkutsche für einen unangenehmen Gerichtsentscheid verstanden werden. Wie eingangs erwähnt, wurde die Pflichtpensenerhöhung in der Vernehmlassung zwar deutlich abgelehnt, aber im Zuge des Sparprogramms dennoch umgesetzt. Mitverpackt in diese Massnahme wurden die Fächer Musik, Bildnerisches und Angewandtes Gestalten. Zufälligerweise genau jene Fächer, bei welchen im Nachgang zur gewonnenen Lohnklage der Sportlehrpersonen die Löhne ebenfalls angeglichen werden mussten.

Der erneute Gang vor das Verwaltungsgericht 2016 blieb für die Lehrpersonen erfolglos: Nachdem genau dieses Verwaltungsgericht zwei Jahre zuvor einen  verminderten Vor- und Nachbereitungsaufwand für die betreffenden Fächer verneinte, stützte das Gericht im November 2017 den angeordneten Qualitätsabbau: das nun um zwei Lektionen höhere Pflichtpensum soll mit einer verminderten Qualität kompensiert werden. Als ich dies las, glaubte ich mich in die Fake-News-Welt versetzt.

Herr Bildungsdirektor, Sie rühmen bei jeder öffentlichen Gelegenheit musisches und sportliches Können, betonen bei Ihren Reden an der Vergabe der Maturitätsdiplome, wie wichtig für Sie doch ganzheitliche Bildung sei, ordnen durch die Hintertüre namens «Sparprogramm» aber einen Qualitätsabbau an.

Ich frage Sie Herr Bildungsdirektor, entnehme ich das Ihren Antworten korrekt? Sie ordnen als Zuger Bildungsdirektor aktiv einen Qualitätsabbau bei den musischen Fächern und beim Sport an? Denken Sie, das sei im Sinne der Bevölkerung und der betroffenen  Eltern, oder nur im Sinne Ihrer Parteipolitik?

Die Bildungsdirektion versucht die Sache besser verdaulich zu präparieren, indem sie eine Differenzierung zwischen Schwerpunktfach und Grundlagenfach vornimmt: Top-Qualität beim Schwerpunktfach, verminderte Qualität beim Grundlagenfach. Meines Erachtens darf es qualitativ doch gar keine Rolle spielen, ob diese Fächer als Grundlagen- oder als Schwerpunktfach unterrichtet werden. Wo kommen wir denn da hin? Müssen wir damit rechnen, dass der Qualitätsabbau künftig auch für andere Fächer angeordnet wird? Heisst es dann etwa für den Geschichtsunterricht (Zitat BD) «dass künftig weniger Zeit für die Vor- und Nachbereitung der Unterrichtslektionen zur Verfügung stehen würde»?

Die Regierung schreibt in ihrer Antwort, «Das Erreichen und Erhalten eines ausgeglichenen Staatshaushaltes ist eine langfristige Aufgabe.» Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn aber der ausgeglichene Staatshaushalt über bis anhin hoch gehaltene Qualitätskriterien in der Bildung und anderen Bereichen gestellt wird, ja wenn der Qualitätsabbau geradezu angeordnet wird, dann finden wir von der ALG dies empörend. Die Qualität herunter zu schrauben ist so ziemlich das letzte, was die Bildung braucht. Denn letztlich müssen alle Betroffenen – Lehrpersonen und die sie beurteilenden Vorgesetzten – die Frage beantworten: Wie viel schlechter ist noch gut genug?

 

Für die Alternative – die Grünen Zug
Esther Haas