Das Median-Einkommen ist im Kanton Zug im Gesamtschweizerischen Vergleich hoch; das Bruttoinlandsprodukt ist nach Basel Stadt das zweithöchste in der Schweiz Im Kanton Zug geht es den meisten Menschen gut bis sehr gut!. Dieses Fazit darf man aus dem von der Regierung in Auftrag gegebenen Sozialbericht 2016 ziehen. Schaut man aber etwas genauer hin, verblasst der Glanz dann zum Teil erheblich:

  1. Der Kanton Zug hat einen grossen Bedarf an Jobs mit hohen Qualifikationen. Leute mit geringen Jobqualifikationen haben zunehmend Mühe, eine Stelle zu finden, oder sie verdienen zu wenig und sind deshalb auf staatliche Unterstützungen angewiesen.
  2. Die Einkommen sind im Kanton Zug ungleich verteilt: 0,5 Prozent der Steuerpflichtigen versteuerten ein Einkommen von 1 Million Franken oder mehr. Damit erzielten sie 21,3 Prozent des steuerbaren Gesamteinkommens des Kantons. Gleichzeitig verfügten 12 Prozent der Steuerpflichtigen über gar kein steuerbares Einkommen.
  3. Die Vermögensverteilung hat fast grenzwertige Ausmasse: 10% besitzen 86% des steuerbaren Vermögens, 58% verfügen über kein steuerbares Vermögen.
  4. Im Kanton Zug ist die Mittelschicht im schweizerischen Vergleich dünn: 41% werden zur Mittelschicht gerechnet, im Gegensatz zu den 60% auf der schweizerischen Ebene.  Die Regierung nimmt diese Tatsache einfach mal zur Kenntnis, fügt relativierend an, dass jene Haushalte, die im Kanton Zug in die Kategorie „Einkommensschwache“ fallen in anderen Kantonen zur Mittelschicht zählen würden. Diese Feststellung für sich allein stellt niemand in Frage, aber: die hohen Lebenshaltungskosten im Kanton Zug führen dazu, dass bei Zugerinnen und Zugern am Ende des Monats trotzdem weniger im Portemonnaie bleibt.
  5. Als weitere wichtige Punkte, die der Sozialbericht erwähnt, dass Hausarbeit und Kinderbetreuung nach wie vor Frauensache ist, dass Männer deutlich mehr verdienen als Frauen oder dass Zugerinnen seltener in Führungspositionen anzutreffen sind.

Einfache Kenntnisnahme der Probleme genügt nicht. Hier hätten wir in der Antwort des Regierungsrates schon mehr Fleisch am Knochen erwartet, das heisst konkrete Verbesserungsvorschläge, etwa bei der Verbilligung der Krankenkassenprämien. Die Krankenkassenprämien, die unabhängig vom Einkommen festgesetzt werden, belasten Einkommensschwache signifikant stärker als Einkommensstarke. Ein anderer Hebel müsste nach Meinung der ALG bei den Auswüchsen, welche zu den teuren Mieten im Kanton Zug führen, angesetzt werden. Der Sozialbericht bestätigt im weiteren die Beobachtung, dass Haus- und Kinderbetreuung nach wie vor Frauensache ist oder dass Männer deutlich mehr verdienen als die Frauen. Auch hier genügt es nicht, wenn sich die Regierung mit einer blossen Kenntnisnahme verabschiedet.

Lassen Sie mich noch zur Methodik des Sozialberichtes etwas sagen: Der Bericht stützt sich auf Stichproben des Bundes ab, weil die Regierung keine spezifische Neuerhebungen für den Kanton Zug wollte. Andere Kantone haben umfangreiche Untersuchungen in Auftrag gegeben. Diese Untersuchungen kosten. Aber wenn man auf diese Ausgaben verzichtet, muss man akzeptieren, dass  die Zahlen mit einer Ungenauigkeit behaftet sind. Konkret bedeutet dies: Man sieht nur die bekämpfte Armut, die Dunkelziffer oder Nichtbezugsquote wird im Zuger Sozialbericht gar nicht abgebildet. Wir finden es wichtig, dass der Kanton Zug in eigene Erhebungen investiert und diese Erhebungen nach einer gewissen Zeit aktualisiert. Letztlich machen Erhebungen nur dann Sinn, wenn man Informationen darüber hat, was sich in welche Richtung verändert hat, wenn Entwicklungen sichtbar gemacht werden können.

 

 

 

 

Abschliessend lässt sich folgendes festhalten:

  • Der Sozialbericht ist eine wichtige Grundlage für die politische Diskussion
  • Wir haben im Kanton Zug ein gut ausgebautes Sozialnetz; diesem müssen wir Sorge tragen. So können wir heute von Glück reden, dass der Souverän das Sparpaket abgelehnt hat.

 

Für die Alternative – die Grünen Zug

Esther Haas