Du bist hier:>, Manuela Weichelt-Picard, Regierungsrat, Soziales, Gesundheit, Steuern, Wirtschaft, Finanzen>Interview: «Der Kanton Zug ist für mich das beste Zuhause»

Interview: «Der Kanton Zug ist für mich das beste Zuhause»

Manuela Weichelt wurde am 15. Dezember 2016 zur Frau Landammann gewählt. Die Zuger Woche sprach mit ihr über Themen wie Migration, Weltfrieden und ihre Heimat.

Erschienen in der Zuger Woche vom 11.1.2017

Manuela Weichelt, Sie wurden am 15. Dezember 2016 zur Frau Landammann gewählt. In welchen Bereichen wollen Sie sich in diesen zwei Amtsjahren speziell einsetzen?
Ich werde mich für einen Kanton stark machen, bei dem alle Menschen die gleiche Wertschätzung erfahren, unabhängig von Alter, Nationalität, Religion, Finanzkraft oder Geschlecht. Ich möchte die Vielfalt pflegen und stärken. Denn Diversität ist wichtig für einen innovativen, kreativen und lebendigen Kanton Zug der Zukunft!

Sie setzen sich seit Anbeginn Ihrer politischen Karriere für die Gleichstellung von Mann und Frau ein. Was sind Ihrer Meinung nach in der heutigen Zeit nach wie vor die höchsten Hürden, die es zu überwinden gilt?
Lohngleichheit zwischen Mann und Frau und weitere Fortschritte bei der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie. Letztlich profitiert die ganze Gesellschaft, wenn Eltern beruflich vorankommen und gemeinsam für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen.

Frauen sind auch in der Politik nach wie vor untervertreten. Haben Frauen zu wenig Interesse an der Politik oder gibt es zu wenig wählbare Frauen?
Kluge, engagierte und kompetente wählbare Frauen gibt es genug! Wichtig ist, dass die Frauen auch unterstützt werden und es akzeptiert ist, dass sie neue Ideen in Gremien und Parteien einbringen.

Das Thema Migration ist ein Dauerbrenner. Ganz konkret, gibt es eine Lösung, die allen gerecht wird? Den Einheimischen und den Fremden, die zu uns kommen?
Die wichtigste Ursache der jetzt dominierenden Migration ist die Flucht vor Krieg und vor ethnisch oder religiös motivierter Gewalt. Die langfristig wichtigste Migrationsursache wird die enorme Einkommenskluft zwischen armen und reichen Ländern sein. Diese muss verringert werden. Was das friedliche Zusammenleben zwischen Einheimischen und Flüchtlingen betrifft, plädiere ich dafür, nicht darauf zu fokussieren, was uns trennt, sondern was uns miteinander verbindet. Dies ist manchmal mehr, als man denkt.

Wie sähe Ihr Kanton Zug aus, wenn Sie das Sagen hätten? Also was würden Sie hier ändern?
Der Kanton Zug ist für mich schon jetzt ein wunderbarer Kanton, das beste Zuhause, das ich mir für meine Familie vorstellen kann. Zug darf aber nicht zu einem Kanton verkommen, in dem Zuger sich anhören müssen: «Wenn Du Dir hier keine Wohnung leisten kannst, zieh doch weg!» Solche Aussagen wären für mich ein Zeichen von Schwäche und stehen im Widerspruch zu unserer Bundesverfassung, wo es in der Präambel heisst: «…, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen …»

Was müsste Ihrer Meinung nach geschehen, damit die Menschheit wieder von einem Weltfrieden träumen könnte?
Weltfrieden ist der Ausdruck für den Idealzustand einer Welt ohne Feindseligkeiten, Kriege und Konflikte. Doch statt von einem leider wohl kaum zu erreichenden Zustand zu träumen, schlage ich vor, für Frieden im Kleinen zu sorgen. Das heisst: Menschlich handeln, wo immer es im Alltag angezeigt ist.

Kurz und Bündig

Hobby: Joggen

Lieblingstier: Biber

Essen: Aus der Region

Getränk: Echtes Zuger Wasser

Film: Dokumentarfilm «Vom Flössen am Ägerisee»

Musikstil: 60-/70er Jahre

Fahrzeug: Velo

Schauspielerin: Juliette Binoche

Schriftstellerin: Zeruya Shalev

Sportler: Sportler, die auf der Direktion des Innern eine Vinto-Lehre machen.

Und zum Schluss, sagen Sie, was Sie wollen.
Tragen wir Sorge zu unserer politischen Kultur und denken wir bei unseren Entscheidungen immer daran, wie viel Verantwortung für das Gemeinwohl wir tragen. Zu oft entsteht der Eindruck, in der Politik gehe es primär um Macht, Einfluss und kurzfristige Interessen. Im Grund aber haben wir einen weit bedeutungsvolleren Auftrag: nämlich eine Welt zu gestalten, die auch für unsere Kinder und Enkel noch lebenswert ist.