An ihrer Delegiertenversammlung vom 28. August in Baar haben die Schweizer Grünen mit 140 zu 9 Stimmen bei 4 Enthaltungen beschlossen, die Volksinitiative Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht zu unterstützen. Die Position der Mehrheit des Vorstandes vertrat der Zuger Nationalrat und Mitinitiant Jo Lang.
 
Cherts Verts Chères Vertes, Liebe Grüne
 
Was würde es bedeuten, die Wehrpflicht NICHT aufzuheben?
Wenn wir sie beibehalten, bleiben wir eines der letzten Länder Europas mit einem Massenheer.Jedes Jahr sind in der Schweiz 38‘000 junge Männer wehrpflichtig. Wenn wir den Drittel abzählen, der gar nicht ausgehoben wird, die 4000 abrechnen, die sich für den Zivildienst entscheiden, das zweite Drittel berücksichtigen, das im Laufe des Militärdienstes aussteigt, kommen wir immer noch auf eine Armee von über 100’000 Aktiven.
 
Zum Vergleich: Deutschland, das zehnmal grösser ist, will den Armeebestand von 250‘000 auf 160‘000 reduzieren.
Die deutschen Grünen, Vorkämpfer für die Abschaffung der Wehrpflicht, wollen und werden noch viel weiter gehen. Wer für eine drastische Verkleinerung einer überdimensionierten Armee ist, steht aber vor der Frage: Wie können wir einerseits 38‘000 zur Aushebung befehlen! Und andererseits sagen: Aber wir brauchen nur jeden Zehnten!
Wer Nein sagt zur Aufhebung der Wehrpflicht, sagt Ja zum Massenheer!
 
Moderne Massenheere sind gar nicht mehr finanzierbar, weil der einzelne Soldat wegen der technologischen Entwicklung immer teurer wird. Ein Schweizer Soldat kostet heute schon den Staat und die Volkswirtschaft jeden Diensttag 1500 Franken. Die militärische Kostenexplosion lässt sich nur kompensieren über einen massiven Abbau des Truppenbestandes.
Das geht aber nicht ohne Aufhebung der Wehrpflicht.
Wer nicht ja sagt zur Aufhebung der Wehrpflicht, sagt dafür ja zu noch höheren Militärausgaben und zu noch grösseren Wertschöpfungsverlusten.
 
In der Schweiz gibt es die Wehrpflicht nur noch auf dem Land und für Söhne aus sozial schwachen oder bildungsfernen Familien. Während in Baselstadt noch jeder Dritte in die Rekrutenschule einrückt, sind es in Appenzell immer noch drei Viertel. Weniger als 30 Prozent der Schweizer Wehrpflichtigen machen den Militärdienst fertig. Von den 23 Schweizer Profifussballern, welche kürzlich am Kap der Guten Hoffnung spielten, leistet ein einziger Militärdienst.
Wer nein sagt zur Aufhebung der Wehrpflicht, sanktioniert eine schreiende und wachsende Wehr-Ungerechtigkeit.
 
Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht bedeutet:Ja zur Aufhebung eines unsinnigen und unnötigen militärischen Zwangs;
Ja zur Zivilisierung einer immer noch stark militärisch geprägten Gesellschaft;
Ja zu einer ökologischen und sozialen Sicherheitspolitik, welche in der Klimaerwärmung und im Nord-Süd-Graben die grössten Herausforderungen sieht;
Ja zu einem freiwilligen und deshalb hochwertigen Zivildienst, in dem auch die Frauen, die Zugewanderten, die militärisch Untauglichen gleichberechtigt mitarbeiten können;
Ja zur Geschlechter-Gerechtigkeit;
Ja zum Milizprinzip, weil Miliz im schweizerischen Selbstverständnis auf Freiwilligkeit baut  (genau genommen ist eine Wehrpflichtarmee gar keine Miliz-Armee);
Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht bedeutet weder Rambo-Armee noch Putsch-Armee noch Nato-Armee. Ich kenne die Leute, die in der Schweizer Armee freiwillig Kaderfunktionen ausüben, recht gut. Es hat unter ihnen weniger Rambos als unter den Zwangsverpflichteten. Ist es leichter, 20‘000 oder 100‘000 zu kontrollieren? Ist in Schweden nun ein Militärputsch durch eine Rambo-Armee zu befürchten? Was die Nato betrifft: Noch viel utopischer als eine Schweiz ohne Armee, ist eine Schweiz in der Nato.
 
Liebe Grüne,
 
an der DV in Freiburg habe ich gesagt, wir Grünen sollen unsere drei ökologischen, sozialen und globalen Leitsätze durch zwei neue ergänzen: wirtschaftlich nachhaltig und politisch liberal. Gibt es etwas Antiliberaleres als der Zwang zum Militärdienst?
Zum Schluss noch etwas Parteiegoistisches: Diese Initiative kommt unter den Jungen beider Geschlechter unglaublich gut an. Die 25‘000 Unterschriften, die wir in der Ferienzeit ohne Grossversand gesammelt haben, stammen zu einem Grossteil von Festivals. Die jüngste Androhung, die Gewissensprüfung wieder einzuführen, verleiht der Initiative zusätzlichen Schub.
Das grüne Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht ist auch ein grünes Ja zur Jugend!