Grüne: „Wir bringen den milliardenschweren Felsen langsam ins Rollen!“

Sie glauben nicht, mit wem ich letzte Woche telefoniert habe. Ein Journalist des Wall Street Journal (eine konservative Tageszeitung aus New York, mit 2,1 Millionen die auflagestärkste Zeitung der USA) löcherte mich in einem endlosen Interview mit Fragen zu Glencore. Natürlich ging es dem Journalisten nicht um die bis vor Kurzem übliche Lobhudelei, nein. Er war davon fasziniert, dass es in der Schweiz Dörfer gibt, welche zu Glencore sagen: „Euer Steuergeld wollen wir nicht!“ Eine Handvoll Dörfer aus dem Säuliamt haben per Gemeindeversammlung beschlössen, einen Teil der Steuereinnahmen des Glencore-Börsengangs (aus dem kant. Finanzausgleich) gleich wieder in die Länder zurückzuschicken, wo es hingehört. Dort, wo die Armut, Umweltzerstörung und Korruption zur Tagesordnung gehört, bezahlt die Firma mit Sitz im Kanton Zug teils gar keine Steuern. Sie können sich vorstellen, dass in Ländern wie Kongo oder Sambia mit einer korrupten Regierung und keinerlei Steuereinnahmen von den Rohstoffgiganten nicht einmal das Nötigste funktoniert. In der Zwischenzeit feiert Glencore in der Bossard-Arena Weihnachten mit Jamiroquai und viel Bling Bling.
 
Glencore ist nicht mehr die heilige Kuh
Und was will ich jetzt in diesem Jahresrückblick damit sagen? Dass wir den Felsen langsam ins Rollen bringen. Seit 30 Jahren kritisieren die Alternativen – die Grünen (ehem. SGA und SAP) das Handeln der Zuger Rohstofffirma. Der Zuger Regierungsrat äussert sich jetzt ebenfalls kritisch gegenüber dem Rohstoffriesen. In der Bevölkerung sowie auch in den Zuger Medien wird Glencore nicht mehr als Heilige Kuh gehandelt, die Kritik wird von überall her lauter. Das ist gut so. Der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug wird sich in ein paar Wochen mit meiner Einzelinitiative befassen müssen, die dieselbe Solidarität wie im Säuliamt auch in Rich-City Zug fordert. Wie der GGR wohl entscheiden und argumentieren wird?
 
Ein hart verdienter und deutlicher Abstimmungserfolg
Es gibt aber noch ganz andere Erfolge, auf welche wir stolz sein können. Oder hätten Sie gedacht, dass wir Alternativen – die Grünen eine Vorlage, welche im Kantonsrat von SVP, FDP, CVP und GLP geschlossen bekämpft wurde an der Volksabstimmung mit über 80 % Ja-Stimmen gewinnen können? Das neue faire Wahlgesetz für den Kantonsrat war an der Urne eine klare Sache. Dieser Abstimmung gingen übrigens zwei Bundesgerichtsentscheide voraus, welche wir gewonnen haben. Wir bewiesen Hartnäckigkeit, Durchhaltewillen und waren für die Bürgerlichen, welche ihre Parlamentssitze in Gefahr sahen, stets etwas unbequem.
 
Zwei Frauen an der Parteispitze
Mitte Jahr hatten wir einen Wechsel in der Parteileitung. Der Steinhauser Kantonsrat Andreas Hürlimann trat als Co-Präsident zurück, er konzentriert sich in der Partei auf andere sehr wichtige Aufgaben. Sein Einsatz für die Alternativgrünen war unersetzlich, unter anderem hat er unsere neue und sehr gelungene Homepage auf die Beine gestellt, Sie dürfen sie gerne mal bestaunen unter www.alternative-zug.ch. Nun haben wir im Co-Präsidium zwei Frauen: Ich, 33-jährig, Journalistin, 3 Kinder, wohnhaft in Oberwil, und die erfahrene Barbara Beck-Iselin aus Menzingen. Es sei verraten: wir sind ein Dream-Team. Auch wenn zwischen uns eine Generation liegt. Oder vielleicht auch gerade deswegen.
 
Unsere Regierungsrätin mit riesigem Leistungsausweis
Die gute Botschaft kam dann im Herbst: Unsere Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard kandidiert für eine dritte Amtszeit. Mit dem neuen, uns noch nicht vertrauten Majorz-Wahlsystem sind wir sehr froh, dass wir mit Manuela Weichelt eine bisherige Regierungsrätin mit einem riesigen Leistungsausweis wiederaufstellen können. Als einzige Linke und einzige Frau im Regierungsrat ist sie gerade für viele Frauen, welche Familie und Beruf miteinander vereinbaren wollen, ein Vorbild.

Das Jahr ist fast zu Ende, nur noch ein Schritt, dann sind wir im Neuen. Es wird ein Wahljahr. Und auch wenn vieles noch offen und anzupacken ist: hartnäckig werden wir auch im 2014 sein. Und unbequem erst recht.
 
 
Jolanda Spiess-Hegglin,
Co-Präsidentin Alternative – die Grünen Kanton Zug