Leserbrief von Stefan Gisler

Letzte Woche debattierte der Kantonsrat, warum und wie die Zuger Informatik besser, kundenfreundlicher und effektiver werden muss. Auslöser war ein abgebrochenes IT-Projekt. Die Alternative-Grüne Fraktion unterstützte dabei den fundierten sachlichen Bericht sowie explizit alle Motionsforderungen der IT-Kommission. 

In der „Neuen ZZ“ kamen dabei zentrale Entscheide des Kantonsrats nicht zum Ausdruck: es war eine sachliche „parteineutrale“ Diskussion; der Kantonsrat ortete „strukturelles“ Versagen bezüglich Kompetenzen und Führung bei IT-Projekten; der Kantonsrat fordert die Regierung auf, die kantonale Informatik neu zu beurteilen und entsprechend umzubauen.

Keine Fraktion zeigte mit dem Finger auf einzelne Regierungsräte, um diese „allein“ für die drei Projektabbrüche (Einwohnerkontrolle, Grundbuchamt, Steueramt) verantwortlich zu machen. So musste ich die Regierungsrätin meiner Partei, anders als in der „Neuen ZZ“ dargestellt, nicht in Schutz nehmen, da sie von keinem Sprechenden kritisiert wurde.  IT-Projekte sind komplex und alle Parteien zeigten den Willen, die tiefer liegenden strukturellen Probleme der kantonalen Informatik konstruktiv und zukunftsgerichtet anzugehen: Verbesserungsvorschläge der Kommission richteten sich dabei vor allem an das Amt für Informatik (AIO) bzw. an den Finanzdirektor als deren Chef sowie an die Gesamtregierung. 

Der Kantonsrat hat die von der Kommission einstimmig eingebrachte Motion mit zahlreichen verbindlichen Forderungen ebenso einstimmig überwiesen. Der Finanzdirektor zeigte zwar im Namen der Regierung eine gewisse Zurückhaltung, die vom Bericht aufgezeigten strukturellen und personellen Probleme (Rücktrittsforderungen von SP und SVP an die Leitung des AIO) kompromisslos und rasch anzugehen. Die Regierung nahm aber die Hauptforderung des Kantonsrats an: Der verlangt ein tief greifendes Überdenken der kantonalen Informatik, strategisch und organisatorisch. Dabei soll die Schaffung eines von Kanton und Gemeinden gemeinsam getragenen Dienstleistungszentrums durch eine externe Expertise geprüft werden.
 
 
Stefan Gisler,
Kantonsrat Alternative – die Grünen, Zug