An der letzten Kantonsratssitzung wurde die Motion betreffend Vermeidung von tödlichen Vogelkollisionen mit Glasflächen behandelt. Gemäss Schätzung der Vogelwarte Sempach sterben allein in der Schweiz jedes Jahr hunderttausende von Vögeln beim Aufprall auf transparente Verglasungen sowie verspiegelte Gläser und Fassaden. Verunglücken die Vögel zur Brutzeit, werden auch die zurückgelassen Jungvögel im Nest verhungern. Nicht nur die Plan- und Bauherrschaften, auch die Politik ist in der Pflicht, die schrecklichen Vogelkollisionen mit Glasflächen zu verhindern. Unsere Vögel leiden bereits unter dem Verlust ihrer Lebensräume, dem massiven Rückgang der Insekten und unter dem Klimawandel.

Das Natur- und Heimatschutzgesetz, das Jagdgesetz, das Tierschutzgesetz, alle verlangen den Schutz der wildlebenden Vögel. Doch es passiert zu wenig, weil diese Gesetze scheinbar nicht mit dem Bauen von Gebäuden in Zusammenhang gebracht werden. Dabei gäbe es einfache Lösungen, die Bauten vogelfreundlich zu gestalten und Vogelfallen zu vermeiden. Lichteinfall in der Wohnung und Aussicht sind auch mit vogelfreundlichem Glas  gut umsetzbar.

„Bei Neu- und Umbauten sind Gebäude und Anlagen und deren Fassaden so zu gestalten, dass sie von Vögeln wahrgenommen werden.“ Mit diesem Zusatz  im kantonalen Planungs- und Baugesetz hätte man für alle Gemeinden im Kanton Verbindlichkeit geschaffen. Stattdessen setzt man nun auf Freiwilligkeit und die Bauordnungen der einzelnen Gemeinden.

Über das Abstimmungsresultat bin ich enttäuscht und kann nicht nachvollziehen, dass weder die Regierung noch eine Mehrheit der Kantonsratsmitglieder diesem Anliegen ernsthaft nachgekommen sind. Die Vögel brauchen unseren Schutz in einer Zeit des immer bedrohlicher werdenden Rückgangs der Biodiversität.


Mariann Hess,
Kantonsrätin Alternative – die Grünen,
Mit-Motionärin, Unterägeri
076 345 28 84