Es ist ein turbulentes Jahr: Die Klimakrise treibt global Hunderttausende auf die Strasse und ein weiterer Frauenstreik steht bevor. In beiden Bereichen haben bisherige Massnahmen nicht in der notwendigen Geschwindigkeit zum Ziel geführt.

Soziale Bewegungen und Streiks beschleunigen den politischen und gesellschaftlichen Fortschritt in der Schweiz stark. Es ist deshalb sehr erfreulich, dass unsere Jungen für das Klima streiken und dass die Frauen die tatsächliche Gleichstellung wieder lautstark einfordern, auch am Frauenstreik am 14. Juni. Was genau aber bezweckt der Frauenstreik?

Beim Frauenstreik geht es nicht nur um Lohngleichheit und um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es geht um viel mehr: darum, dass Frauen nicht einfach ignoriert und übergangen werden; um Schutz vor Übergriffen; darum, dass Sexismus und Diskriminierung endlich auf die Müllhalde der Geschichte geworfen werden und dass familiäre Betreuungsarbeit und informelle Freiwilligenarbeit nicht einfach als selbstverständlich angenommen werden. In der Arbeitswelt stagniert die Gleichstellung trotz guten gesetzlichen Grundlagen. Die Lohnungleichheit ist seit 2016 sogar wieder grösser geworden: Männer verdienen im Durchschnitt knapp 20% mehr; 43% dieser Lohndifferenz sind unerklärt. Die unerklärte Lohndifferenz ist bei Vollzeitarbeit prozentual grösser als bei Teilzeit und wächst auch prozentual, je höher jemand auf der Karriereleiter steht.

Nicht nur die Unternehmen – meist von Männern geführt – sind verantwortlich für die Lohndifferenz, sondern auch die Frauen selbst. Sie stellen ihr Licht zu oft unter den Scheffel. Sie pochen oft zu wenig auf ihr Recht. Der Frauenstreik wird die Frauen stärken und helfen, dass sie mutiger werden. Dass sie klar und nötigenfalls laut sagen, was sie wollen.

Kommen auch Sie an den Frauenstreik am 14. Juni – damit er laut und vielfältig wird und etwas bewirkt!

Tabea Zimmermann Gibson, GGR-Vizepräsidentin und ALG Kantonsrätin