‚Mögst du in interessanten Zeiten leben‘ – das Motto der Biennale Venedig führt zu einer Vielfalt an politischen Botschaften. Der Wunsch nach Menschlichkeit und dem Überdenken von Wertehaltungen in Zeiten der Globalisierung spiegelt sich in der Kunst.

Offenbar verbinden Kunstschaffende interessante Zeiten mit Politik und Öffentlichkeit, obwohl ‚interessant‘ auch ein Unwort mit Nullaussage ist. Darin versteckt sich alles Mögliche von schwer definierbar bis unmöglich.

Interessant ist der massive Ertragsüberschuss von Kanton und den meisten Gemeinden, nachdem beispielsweise bei der Schulergänzenden Betreuung oder bei der heilpädagogischen Frühförderung schon fast rappenspaltend gespart wurde. Interessant sind die angedachten Teuerungen für das GA der SBB und für die gemeindlichen Tageskarten, die bisher ein echt starkes Angebot im service public waren. Ich dachte, die Bundesbahnen gehören uns, ähnlich wie die Migros ihren Kunden gehört. Und jetzt vergrault die SBB die treusten Kunden und richtet sich auf Gewinnoptimierung aus.

Interessant ist, dass Aktionäre und Aktionärinnen der UBS anlässlich der GV ihren Verwaltungsrat nicht entlasten. Wer darin einen ethischen Warnfinger sieht, täuscht sich. Die Versammelten lasten dem Verwaltungsrat an, dass er sich bei den unsauberen Geschäften in Frankreich anstelle eines Vergleichs auf die teurere Variante der Gerichtsverhandlung mit horrender Busse eingelassen hat. Nicht der unlautere Wettbewerb, sondern der Franken interessiert. Weniger interessant sind Treffen zwischen Bundesanwaltschaft und dem Weltfussballverband, da setzt bei den Beteiligten ein kollektiver Gedächtnisschwund ein. Interessant, wenn auch nicht erfreulich sind Entwicklungen im Gesundheitswesen. Die Kosten für Trisomie-Tests bei pränatalen Untersuchungen sind nun über die Grundversicherung der Krankenkasse gedeckt. Was sagt das über die Werte einer Gesellschaft aus? Menschen mit Trisomie sind Farbpunkte an Spontanität, Direktheit und meistens auch an Fröhlichkeit.

Wir leben in Zeiten, wo die Kunst hilft, Künstliches zu entlarven.

Marianne Aepli, Präsidentin Alternative-die Grünen Menzingen
Polittalk ZugerWoche, Ausgabe vom 22.5.2019