Geschätzter Kantonsratspräsident
Werte Dame und Herren der Regierung
Geschätzte Kollegen und Kolleginnen
Liebe Gäste, Presse
 
Ich habe hier die Sonntagszeitung in den Händen mit dem Titel „Ausnahmezustand in Bern“. Einige Ämter in Bern sind momentan in Frauenhand – und dies ist tatsächlich eine Ausnahme.
Solange also solche Titel wie diese „Ausnahmezustand in Bern“ in den Medien stehen solange brauchen wir Stellen auf Bundes- und Kantonsebene, die sich mit der Chancengleichheit befassen. Denn es sollte nicht die Ausnahme sein, dass Frauen in die Regierung oder Kaderpositionen gewählt werden, weder auf Bundes- noch auf kantonaler oder gemeindlicher Ebene. Eine kürzlich erschienen Studie zeigte auf, dass in börsenquotierten Unternehmen, bei denen mindestens 40% des Verwaltungsrates aus Frauen besteht, besser dastehen.
 
Auch die SVP hat erkannt, dass beide Geschlechter die gleichen Chancen in der Berufswelt erhalten sollen. Dass durchmischte Teams bessere Leistungen erbringen. So beklagt sich im neuen, noch nicht veröffentlichten Bildungspapier der SVP, beklagt sich die SVP die Feminisierung des Lehrerberufs: Sie wünschen sich wieder mehr Männer im Lehrerberuf. Sie sprechen sogar von einer Männerquote von 50%. Okay über den Sinn und Unsinn von Quoten liesse sich streiten.
 
Aber aus diesen beiden Beispielen zeigt sich, dass die Thematik „Gleichstellung / hochaktuell ist und dass die Gleichstellung / bzw. Chancengleichheit nicht erreicht ist.
Dies liesse sich noch an unzähligen Beispielen aufzählen – viele haben wir heute bereits gehört:

  • So verdienen Frauen bei gleicher Arbeit immer noch deutlich weniger als Männer. Equal Pay Day im Jahre 2011 wird am 11. März sein

  • 2/3 der unbezahlten Arbeit wird von Frauen geleistet.

  • Männer haben auf dem Arbeitsmarkt schlechtere Chancen, (qualifizierte) Teilzeitstellen zu erhalten und können dadurch nur schlecht der Familienarbeit nachkommen.

  • Das Angebot an familienergänzender Kinderbetreuung und Tagesschulen, welche die Gleichstellung fördern würde, entspricht nach wie vor nicht dem Bedarf. Dies trifft vor allem Familien mit kleinem und mittlerem Einkommen.

Weil es nach wie vor so ist, dass die Gleichstellung erst auf dem Papier, aber noch nicht in Realität erreicht ist, ging ein Aufschrei durch die Bevölkerung, nicht nur durch die Zuger Bevölkerung als publik wurde, dass  einzelne Kantonsratsmitglieder mit der Idee  liebäugeln die Kommission für Chancengleichheit von Frau und Mann abzuschaffen. Wir erhielten Post von unzähligen Organisationen. im Gespräch musste immer geklärt werden, nein, abgeschafft ist sie noch nicht, es kommt erst noch in den Kantonsrat und ich zeigte mich jedesmal hoffnungsvoll, dass der Gesamtkantonsrat die ernst nimmt und anerkennt, dass an der Chancengleichheit noch viel Arbeit zu tun ist. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlichst, bei allen Frauen und Männer, die heute hier sind oder uns am Morgen empfangen haben als Zeichen, dass die Zuger Bürgerin, der Zuger Bürger will, dass der Kanton Zug weiterhin an der Chancengleichheit arbeitet.
 
Das zeigt uns, dass wir nicht über das OB überhaupt sondern über das WIE diskutieren sollen.
Die Kommissionsminderheit schlägt Ihnen die verwaltungsinterne Fachstelle vor.
 
Wie Sie aus dem Minderheitsbericht entnehmen können, gibt es in 18 Kantonen Fachstellen für die Gleichstellung von Frau und Mann (Aargau Appenzell Ausserrhoden, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Zürich, Luzern, Ob- und Nidwalden (einzige interkantonale Fachstelle), Jura, Genf, St. Gallen, Neuenburg, Tessin, Waadt, Wallis, Freiburg, Graubünden).
 
Die Fachstelle wäre einer Direktion zugeordnet wie z.B. die Fachstellen Statistik oder Landerwerb der Baudirektion zugeordnet sind. Die Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich beispielsweise ist bei der Direktion der Justiz und des Innern ange-siedelt. Die Aufgaben der Fachstellen sind Konzept- und Massnahmenentwicklung für die Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann, innerhalb und ausserhalb der kantonalen Verwaltung.
 
Sie arbeitet mit Behörden, Amtsstellen, Frauen- und Männerorganisationen, Gewerkschaften, Schulen, Spitälern und anderen interessierten Institutionen, Kreisen, Personen, privaten Be-trieben zusammen.
Die Gleichstellungskommission ist so zusammengesetzt, dass Mitglieder aus allen Parteien darin vertreten sind. Dies zeigt, dass Chancengleichheit uns alle angeht und nicht parteiab-hängig sein sollte. Eine kantonale Fachstelle bietet uns diese Unabhängigkeit aber auch.
 
Im Übrigen ist der Antrag zu den Personalstellen bei beiden Fachstellen also jener der vorbe-ratenden Kommission sowie der Kommissionsminderheit genau gleich viel. Also bei der fach-lich unabhängigen Fachstelle (vorberatende Kommission) sowie bei der verwaltungsinternen Fachstelle (Kommissionsminderheit) werden 100 Stellenprozente (inklusiv Sekretariat) bean-tragt. das heisst der KRB ist dementsprechend anzupassen. Eine Frage des Geldes kann der vorliegende KRB jedenfalls nicht sein, schliesslich haben Sie vor wenigen Minuten die Ausgabe über 9.8 Mio für den Objektkredit Brücke Städtlerwald Cham beschlossen. Ein umstrit-tenes Projekt, wo sich über den Nutzen streiten lässt. Für dieses Geld liesse sich die Kommis-sionsarbeit Chancengleichheit gut 30 bis 40 Jahre lang fortsetzen (je nach Modell).
 
Es ist vielleicht müssig zu erwähnen, dass in den meisten oben erwähnten Kantonen wo es eine Fachstelle gibt, auch Gleichstellungskommissionen am Werk sind. Ich glaube zu spüren, dass der Kanton Zug für diese optimale Lösung nicht bereit ist. Sie dürfen mir jedoch gerne in meinen letzten Kantonsratssitzungen noch zeigen, dass mein politischer Spürsinn noch nicht vollständig ausgereift ist.