Die Burkafrage geht erneut um. Die Zahl der Burkaträgerinnen ist so klein, dass man auch Gesetze für Nacktwandernde machen könnte.

Deren gibt es einige mehr. Andererseits könnte mit der Burkafrage die ‚einfache Kopftuchfrage‘ entschärft werden? Weit gefehlt. Studentinnen dürfen in der Schweiz ein Kopftuch tragen. Nicht aber, wenn eine Studentin der pädagogischen Hochschule im Kanton Zug für ihr Studium einen Praktikumsplatz bekommen sollte. Das geht nicht. Ein halbes Jahr lang zieren sich Rektoren- und Schulpräsidentenkonferenzen um einen Entscheid. Während die Studentin das reguläre Studium an der PH absolviert, ohne Praktikum. Sie wartet auf einen Entscheid. An der PH in Zürich sind Praktiken mit Kopftuch möglich, also gibt es Hoffnung, dass auch in Zug diese durchaus anspruchsvolle Form bejaht würde;  Zum einen ist eine Studierende nicht von der Gemeinde angestellt, zum andern ist das Studium an einer PH auch ein Vorläufer für Studiengänge, die später nicht mit Unterrichten verbunden sind.

Die Direktion für Bildung sagt: Es gibt keine Kleidervorschriften und kein Verbot für Kopftücher. Dazu die Anmerkung, sollte sich bei einem Praktikum jemand aus dem Team oder von den Eltern daran stören, muss die Studentin das Kopftuch ablegen. Die Rektoren- und Schulpräsidentenkonferenzen entscheidet daraufhin, dass das Tragen eines Kopftuches verboten ist. Es gibt Lehrpersonen mit Kreuzchen, solche mit Tatoos und Piercings. Es gibt selbstbewusste Musliminnen, die ein Kopftuch tragen und es nicht ablegen wollen. Sie alle zeigen persönliche Werte. Die neutrale Lehrperson gibt es nicht. Entscheidend ist die Haltung zu Vielfalt und Wertschätzung. Das lernen auch die Kinder an den Schulen, gemäss Lehrplan Ethik und Religion. Die Studentin mit Kopftuch hat mittlerweile den Studiengang gewechselt. Später einmal werden wir staunend zurückdenken. Dann, wenn wir erlebt haben, dass auch muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch gute Schweizer Lehrerinnen sind. Bis dahin gilt: „Wer sich Toleranz auf die Fahne schreibt, soll diese auch umsetzen.“

Marianne Aepli, Präsidentin Alternative-die Grünen Menzingen
Primarlehrerin, Praxiscoach PH Zug, Master of cultural&gender studies