Ein Interview mit der Zeitschrift „Ägeritaler“:

Ägeritaler: Du und Dein Mann, ihr seid vor dreieinhalb Jahren hierhergezogen. Welches waren die ersten Eindrücke des Ägeritals?

Laura Marty-Iten: Die unglaubliche Lebensqualität dieses Ortes. Ich geniesse den Ausblick aufs Tal immer noch tagtäglich. Daran gewöhnt man sich nicht. Interessant finde ich auch, wie divers Oberägeri ist. Ein Ort, an dem sich Tesla und Traktor gut Nacht sagen – bildlich gesprochen.

Ihr habt einen Hof mit langer Tradition übernommen, die Bruhst. Wie war der Einstieg in das Leben als Landwirte?

Wir wurden sehr freundlich willkommen geheissen, besonders auch von den anderen Bäuerinnen und Bauern. Gewöhnungsbedürftig für mich als Städterin sind die steilen Hänge, die wir bewirtschaften. Aber unterdessen habe ich mich gut damit arrangiert – und unsere grandiose Aussicht entschädigt die Mühen.

Welches sind die aktuell grössten Herausforderungen für die Landwirtschaft in der Schweiz?

Der Klimawandel und die Zunahme von extremen Wetterereignissen. So hat das nass-kalte Wetter 2021 gerade bei Gemüse- Obst und GetreideproduzentInnen zu hohen Ertragsausfällen geführt. Auch kommt die Landwirtschaft zunehmend unter Druck nachhaltiger zu werden (Bsp. Pestizid-, Trinkwasser- und Massentierhaltungsinitiative). Obwohl Veränderungen notwendig sind, bedeuten sie Stress für viele Bauern, da der Preisdruck hoch, der Raum für Experimente klein und Investitionen sehr langfristig sind.

Was hat Dich bewogen, bei der Feuerwehr Oberägeri mitzumachen?

Ich leiste gerne einen Beitrag zur Gemeinschaft, in der ich lebe. Da bietet sich die Feuerwehr als ungemein wichtige Institution an. Die Oberägerer Feuerwehr beindruckt mich sehr mit ihrer Disziplin und Professionalität. Und natürlich schätze ich auch die Geselligkeit nach den Übungen und Einsätzen.

Du engagierst Dich auch in der Schulkommission. Überzeugt Dich die Schule Oberägeri und ihre Entwicklung?

Auf jeden Fall! Es ist herausfordernd zu überlegen, welche Ansprüche die Arbeitswelt an künftige Schulabgänger haben wird und die Unterrichtsformen und Schulgebäude entsprechend zu planen. Die Schule Oberägeri stellt sich hier die relevanten Fragen. Sehr sinnvoll finde ich den Erwerb der Liegenschaften bei der Schulanlage Hofmatt. Dies gibt Flexibilität, auf kommende Veränderungen zu reagieren.

Welche Themen würdest Du als Gemeinderätin anpacken?

Ich finde es wichtig, bezahlbaren Wohnraum für Familien zu schaffen. Im Ort zu wohnen, soll keine Einkommensfrage sein. Unser Dorf hat bereits einiges an klimafreundlichen Massnahmen umgesetzt und trägt das Energiestadtlabel. Diesen Weg müssen wir konsequent weitergehen, immerhin haben wir als Schweiz das Ziel CO2-neutral zu werden bis 2050.

Ich möchte auch die Integration der Zugezogenen fördern. Wenn sich diese mit dem Ort identifizieren, profitieren alle; Bevölkerung, Gastronomie und das lokale Gewerbe.

 

Laura Marty-Iten
Geboren: 1987
Jugend in der Stadt Zürich
Beruf: Landwirtin, Agronomin
Studienaufenthalte in Indien und Afrika
Mutter von zwei Kindern; Sira und Diego
Verheiratet mit Adrian Iten-Marty

Interview: Klaus Bilang