CVP und FDP, die beiden grossen Parteien im Kanton Zug, zusammen mit einer Mehrheit im Kantonsrat und in vielen Gemeinden, entdecken plötzlich die „Köpfe“. 
 
Das muss doch schon ein bisschen misstrauisch machen, wenn die beiden mächtigsten Parteien in einer gut orchestrierten und offenbar auch mit recht viel Budget ausgestatteten Kampagne den StimmbürgerInnen und Stimmbürger eintrichtern wollen, dass die Parteien nichts zählen, sondern nur noch „Köpfe“, „Persönlichkeiten“ und eine einfaches Wahlsystem.
 
Wissen Sie, wem wir im Kanton Zug kurz vor den letzten Wahlen die Einführung des so genannten Nationalratsproporzes zu verdanken haben? Dem Wahlsystem, wo jede persönliche Stimme auch eine Parteistimme ist? Richtig – der CVP und FDP. Parteikalkül und Hinterzimmer-Absprachen stehen über allem. Und es ist der Gipfel der Parteiarroganz, wenn die gleichen, welche dieses Wahlsystem eingeführt haben, jetzt mit dem Argument Majorzpropaganda machen, dass die letzten Wahlen „ein regelrechter Dschungel“ gewesen seien: „Listen über Listen, Namen über Namen.“ Die Zitate stammen aus einer Majorz-Kolumne von FDP-Kantonsrätin Gabriela Ingold.
 
Schlussendlich geht es CVP und FDP nur darum, dass sie ihre gemeinsame Machtposition besser in Exekutivsitze ummünzen und die Opposition klein halten können. Im Majorz wäre Hanspeter Uster nie Regierungsrat geworden – einer der prägenden Köpfe in der Zuger Politik der letzten 20 Jahre.
 
Und wie war die Reaktion, als der Schreibende im Kantonsrat CVP und FDP öffentlich fragte, ob bei Einführung des Majorzes denn CVP und FDP bereit seien, auf Parteilisten zu verzichten? Dies zugunsten eines leeren Wahlzettels und einer Auflistung aller Kandidierenden, so dass sich die WählerInnen frei von Parteiüberlegungen ihre Liste mit „Köpfen“ selber zusammenstellen können? Die säuerlichen Gesichter und die spärliche Antwort, das sei dann später zu entscheiden, sagt eigentlich schon alles.
 
 
Martin Stuber, Kantonsrat Alternative – die Grünen, Zug