Eigentlich erstaunlich, wie hohe Wellen die Abstimmung vom 22. September zum „Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen“ seit längerem auch im Kanton Zug schlägt. Erstaunlich deshalb, weil im Kanton Zug keinerlei Veranlassung besteht, das jetzt geltende Konkordat zu verschärfen. Zumal es diese Verschärfungen in sich haben: Intimkontrollen bei „konkretem Verdacht“ (was ein konkreter Verdacht ist, entscheiden die Angestellten der privaten Sicherheitsdienste), Rayonverbot, Kombiticket, wodurch Matchbesucherinnen und –besucher zu absurden Anfahrtswegen gezwungen werden können oder auch das Alkoholverbot für bestimmte Sektoren in den Stadien. Der Kanton Zug kann auch künftig mit gutem Gewissen auf diese Massnahmen verzichten, weil hier vorgelebt wird, wie weitgehend auf repressive Massnahmen verzichtet werden kann. Der Dialog zwischen Behörden, EVZ und Fans ist erfolgreich: „Wir mussten in der vergangenen Saison gar keine Ordnungsdienste für den EVZ leisten,“ bestätigte Polizei-Kommandant Karl Walker nach Saison-Schluss im April 2013.
 
Auch in anderen Kantonen, wo Eishockey- wie Fussballklubs steigende Besucherzahlen verzeichnen, zeigt die Politik des Dialogs wichtige Erfolge: Entgegen der tendenziösen Meinungsmache von politischen Hardlinern, die nicht müde werden, mit machtvollen Bildern die ganze Fan-Szene zu stigmatisieren, sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Zwischen 2009 und 2010 nahmen die Stadion- und Rayonverbote ab: Laut Bundesamt für Statistik wurden 2009 327 Personen verzeigt, 2010 sank diese Zahl um sieben Prozent — bei fast 1000 Spielen in den beiden höchsten Ligen im Fussball und Eishockey und vor über vier Millionen Besuchern in den Stadien.
 
Die neuen und schärferen Gesetze werden nicht nur viel Geld verschlingen, wenn sie durchgesetzt werden sollen, sie setzen auch ein Katz- und Mausspiel zwischen Fans und Sicherheitskräften in Gang, das letztlich nur Verlierer kennt. Die Spirale von Aktion und Reaktion lässt sich nur mit der Entwicklung einer Dialog-Kultur unter Anwendung der bestehenden Gesetze durchbrechen. Im Kanton Zug wird diese Kultur bereits gelebt, deshalb sage ich am 22. September Nein zu den Verschärfungen des Konkordats. 
 
 
Esther Haas,
Kantonsrätin Krifo Alternative Cham