Leserinnenbrief von Erwina Winiger

Was der Zuger Wirtschaftskammer gelingt, sollte doch für den Zuger Gewerbeverband herzlichst willkommen sein. Die Zuger Wirtschaftskammer präsentiert objektiv der Wählerschaft aufgrund von geführten Interviews beide Regierungsratskandidatinnen und alle Regierungsratskandidaten. Durch den Vergleich kann sich jede Wählerin/jeder Wähler persönlich eine eigene Meinung bilden, wer in der Politik am mittun sollte.
 
Ganz anders der Gewerbeverband: Seit Jahrzehnten agiert er strikt nach Politbüchlein. Aus Prinzip werden Kandidat/innen aus dem grünen und sozialen Bereich ausgegrenzt. Dies monierte ich persönlich schon mehrmals dem Gewerbeverband, ohne etwas ändern zu können.
 
Es mag sein, dass die Grünen und die SP nicht zu jener Kundschaft zählen, die haufenweise Grossaufträge erteilen. Sie sind aber mit Sicherheit jene, die im Laden im Dorf einkaufen und Schränke durch den Schreiner vor Ort einbauen lassen. „VON DER REGION – FÜR DIE REGION“ wird denn auch von mir und meinen Kolleg/innen gross geschrieben. Was wäre das lokale Gewerbe ohne diese Kundschaft, die bewusst vor Ort einkauft.
 
Aber anscheinend ist der Gewerbeverband der Meinung, die kleine Kundschaft und die sie vertretenden Kandidat/innen, die sich seit Jahren für den Erhalt und die Förderung des Gewerbes in den Dörfern einsetzt, nicht würdig, ihnen überhaupt etwas Platz einzuräumen.

Dabei haben die diesjährigen Wahlen äusserst vielversprechend begonnen. Erstmals wurden alle Kandidat/innen eingeladen, ihre Statements, ihren Bezug zum Gewerbe darzulegen und zusammen mit dem Portrait einzusenden. Ich hatte Freude und dachte, ein Umdenken habe stattgefunden und mein wiederholtes Monieren – erstmals in den Wahlen 2002 – trage Früchte. Zu früh gefreut, die Gewerbezeitung, welche sich zwischenzeitlich Wirtschaft Zug nennt, präsentiert nur bürgerliche, meist männliche Kandidaten.
 
Ein Rest Hoffnung aber bleibt. Die Wählerschaft wird nicht nur aus den am aufwendigsten Präsentierten auswählen, sondern eine Auswahl aller Kandidierenden treffen. Ich werde mich – trotz wiederholter Enttäuschungen wegen des Gewerbeverbandes – weiter dafür einsetzen, dass die lokalen Gewerbetreibenden eine Zukunft haben und dazu beitragen, dass nicht nur die Zentren wachsen.
 
 
Erwina Winiger, Alt-Kantonsratspräsidentin, Edlibach