Kantonsrätin Esther Haas zum Podium 41

Ich stimme Diana Schläpfer zu, wenn sie sich in Ihrem Leserbrief (NZZ, 06.11.2015) am Wort „Randständigen“-Beiz stört und es gleich zum Unwort erklärt. „Randständig“ ist nichts anderes als „nicht dazu gehörend“. Da lohnt sich doch mal ein Blick in die Forschung, wer denn diese Menschen, Angehörige von „sozialen Randgruppen“ sind. Eine vom Nationalfonds unterstützte Untersuchung (2010)brachte folgendes hervor:

  • 73 % der Befragten sind männlich
  • leiden oft an Gelenk- und Knochenschmerzen
  • leiden an Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit
  • 35 % erlitten im Verlauf des Lebens mindestens einmal einen sexuellen Übergriff, bei den weiblichen Personen waren es 67 %
  • sind hauptsächlich Schweizer

Vielleicht stört man sich auf Seiten der Nein-Sager zum Betriebskredit  daran, dass es Menschen gibt, die im reichen Kanton Zug „randständig“ leben (müssen), vielleicht stört man sich daran, dass Menschen irgendwann in ihrem Leben die Kurve nicht gekriegt haben – schliesslich hat man es selbst ja auch geschafft. Arrogant und selbstgerecht ist eine solche Haltung allemal. Und jetzt soll diesen Menschen auch der wichtigste Treffpunkt in der Stadt Zug (an dessen Kosten sich die anderen Zuger Gemeinden ruhig beteiligen sollen!) genommen werden? Liebe Zugerinnen und Zuger, lassen Sie das nicht zu, zeigen Sie Haltung, erteilen Sie der Selbstherrlichkeit des Referendumskomitees eine Abfuhr.
 
 
Esther Haas, Kantonsrätin ALG Cham