Interpellation von Erwina Winiger und Eric Frischknecht
zur Lichtverschmutzung und Lichtverschwendung

Gerade in den jetzigen dunklen Wintermonaten fällt auf, wie stark der Kanton Zug nachts hell er-leuchtet ist. Ein Nachtflug über bewohnte Gebiete zeigt ebenfalls deutlich, wie massiv unsere Gesell-schaft die Nacht künstlich durch Licht beeinflusst.

Die Beeinflussung durch künstliches Licht im Aussenraum wird verstärkt durch
– in die Atmosphäre gerichtetes oder abgestrahltes Licht, das ungenutzt verpufft;
– unnötige oder ineffiziente und übermässige Beleuchtung von Strassen und Gebäuden.

Beides verschleisst Energie, verursacht vermeidbare Kosten und verändert unnötigerweise die nächt-lichen Ökosysteme. Das Bewusstsein für die Existenz von Lichtverschmutzung und -verschwendung im öffentlichen Raum ist erst am Wachsen. Immerhin gibt es bereits ein national organisierter und international vernetzter Verein (Dark-Sky Switzerland), der u.a. wissenschaftliche Tagungen organi-siert und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema durchführt. Der Kanton Tessin hat im Jahr 2007 unter Mitwirkung des erwähnten Vereins Richtlinien zur Vermeidung von Lichtemissionen erarbeitet. Zu-dem sprechen die Fachleute von der Möglichkeit, deutlich Energie einzusparen. Zum Beispiel könnte laut Schweizerischer Agentur für Energieeffizienz (S.A.F.E) „rund 50% der verwendeten Energie ein-gespart werden, wenn alle Schweizer Gemeinden die öffentliche Beleuchtung effizienter gestalten würden“. Die Stadt Luzern erhält ein neues Beleuchtungskonzept („Plan Lumière“), welches den Energieverbrauch um mindestens 10% senken und die Lichtverschmutzung reduzieren kann, trotz-dem aber die Sehenswürdigkeiten optimaler beleuchtet und das Sicherheitsempfinden stärkt (Artikel in Neuer Zuger Zeitung vom 19. Januar 2008).

In einem Wachstumskanton wie der Kanton Zug wird in den kommenden Jahren die künstliche Be-leuchtung zwangsläufig weiter zunehmen. Umso mehr scheint uns eine Bekämpfung der Lichtver-schmutzung und -verschwendung aus folgenden Gründen nötig:

– Künstliche Beleuchtungen stören den Lebensraum nachtaktiver Tiere und irritieren Zugvögel. Lichtquellen und -glocken führen nachts ziehende Vögel in die Irre. Die betroffenen Tiere bezah-len dies häufig mit ihrem Leben.
– Das Lichtermeer der bewohnten Gebiete bewirkt die permanente Aufhellung des Nachthimmels, sodass der Sternenhimmel kaum mehr erkennbar ist.
– Das Verschmelzen der Nacht zum Tag hat auf den Menschen Auswirkungen. So beruht ein Teil unserer Hormonproduktion auf dem tageszeitlichen Wechsel von hell und dunkel. Eine längere Störung dieses natürlichen Rhythmus kann Krankheit und Schlafmangel zur Folge haben.
– Die Aussage «Licht = Sicherheit» stimmt nur bedingt. Schlecht abgeblendete oder zu helle Lampen blenden: Das Auge adaptiert sich an das helle Licht. Durch die Adaptation wird der Nebenraum schlechter erkennbar. Dies vermindert die Sicherheit im Strassen- und Luftverkehr und kann zu-dem Überfälle und Einbrüche begünstigen.
– Jede gesparte Energie ist ein Beitrag zur Schonung der Umwelt.
In diesem Zusammenhang beschäftigen uns folgende Fragen und wir bitten den Regierungsrat um Beantwortung:
– Ist sich die Regierung bewusst, dass Lichtbenützung mit Lichtverschmutzung einhergehen kann?
– Ist die Regierung der Meinung, dass die Lichtbenützung auf nächtliche Ökosysteme Rücksicht nehmen soll?
– Ist den zuständigen Amtsstellen die Publikation des Bundes (BAFU, 2005) „Empfehlungen zur Vermeidung von Lichtemissionen“ bekannt? Wenn ja, gibt es aktuelle Bemühungen zur Um-setzung der Empfehlungen?
– Die Regierung ist an der Bearbeitung eines Energieleitbildes. Inwiefern wird dabei der Be-leuchtung im öffentlichen Raum Beachtung geschenkt?
– Wie sind die Zuständigkeiten aufgeteilt zwischen Kanton, Gemeinden und Stromlieferanten in Bezug auf Normen für die Beleuchtung im öffentlichen Raum?
– Wer ist insbesondere zuständig für die normative Festlegung der Strassenbeleuchtung (Zeit-spanne, Intensität, technische Gestaltung zwecks Vermeidung von unnötigem „Lichtabfall“ usw.)?
– Sieht die Regierung Möglichkeiten die Lichtverschmutzung und -verschwendung zu reduzie-ren, insbesonders durch:
– Optimierung der Richtlinien für die öffentliche Strassenbeleuchtung? – Reduktion von störenden Leuchtreklamen und Beleuchtungen nach Ladenschluss? – bessere Abschirmung oder Ersatz der vorhandenen Lichtkörper?
– Angenommen, der Stromkonsum im Kanton könnte durch Reduzierung der Lichtverschmut-zung um 10% verringert werden, welche Energiekosten könnten damit schätzungsweise ge-spart werden?
Wir danken dem Regierungsrat für eine schriftliche Beantwortung unserer Fragen.