Zuger Ansichten vom 13. November 2010.

Mit Zug einen Schritt voraus – unter diesem Motto hatte der Regierungsrat letzten Frühling seine Strategie für die Weiterentwicklung unseres Kantons präsentiert. Doch an der Oktobersitzung hat der Kantonsrat zwei Schritte zurück gemacht. Mit 37:36 Stimmen beschloss er, die Kommission für Chancengleichheit von Frau und Mann nicht mehr weiter zu führen. Dies, obwohl bekannt ist, dass die Frauen im Kanton Zug gegenüber den Männern im schweizweiten Vergleich den grössten Bildungsrückstand haben. Dies, obwohl in Zug der Anteil Frauen in Führungspositionen kleiner ist als im schweizerischen Durchschnitt. Dies obwohl Frauen bei uns über alle Tätigkeiten hinweg immer noch 20% weniger verdienen als Männer.
 
„Männer können Spiele gewinnen, Frauen auch. Zusammen können sie jedoch ganze Meisterschaften gewinnen.“ So formulierte es Manuela Weichelt-Picard, unsere einzige Frau im Regierungsrat, in diesem Zusammenhang einmal treffend. Sowohl die Bundes- wie die Kantonsverfassung als auch das eidgenössische Gleichstellungsgesetz enthalten den Auftrag, auf allen Ebenen die Chancengleichheit gezielt zu fördern. Doch die vorberatende Kantonsrats-Kommission – unter der Leitung einer FDP-Frau – hat es verpasst, das Geschäft sauber vorzubereiten. Der Kommissionsbericht hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben.
 
Das Projekt „Coaching Frau+Arbeit“ ist nur eines der etlichen guten Projekte, denen nun die rechtliche Grundlage fehlt, um von der Regierung unterstützt zu werden. Diese Beratungsstelle hilft Frauen (und Männern), Familie und Beruf besser zu vereinbaren, sich neu zu orientieren oder wieder ins Erwerbsleben einzusteigen. Geschaffen wurde sie vor allem für Personen, welche die Unterstützung einer Fachperson benötigen, sich aber eine kostspielige Beratung nicht leisten können.
 
In der Politik ist die Chancengleichheit von Frauen ebenfalls noch nicht vorhanden. Auf Bundesebene sind nur Zuger Männer aktiv, in den Gemeinderäten werden 2011 23% Frauen vertreten sein, im Kantonsrat fällt der Frauenanteil zurück auf 24%. Hier gibt es sogar eine Partei, die SVP, die keine einzige Frau in ihrer Fraktion haben wird. Mit dem Tiefschlag der Abschaffung der Kommission für Chancengleichheit von Mann und Frau endet nach acht Jahren zugleich auch meine Zeit im Kantonsrat.
 
Die Arbeit in der Legislative war für mich eine intensive Zeit, die mir viele überraschende, manchmal auch bedenkliche Einblicke in die Hintergründe der Zuger Politik gab. Ich lernte die verschiedensten Charaktere kennen, integre Personen quer durch alle Parteien hindurch wie auch MandatsträgerInnen, bei denen die Verteidigung ihrer Partikularinteressen überhand nahm. Es schmerzte mich oft, wenn ich wahrnehmen musste, dass im Kanton Zug der Fokus je länger je mehr auf Profit und Wachstum verschoben wird, dass Starke mit allen Mitteln ihre Rechte und Privilegien auf Kosten der Schwächeren auszubauen versuchen.
 
Auf die kommende Zeit als Baarer Gemeinderätin freue ich mich trotzdem sehr, wo wiederum zwei Frauen zusammen mit fünf Männern die Geschicke der Gemeinde leiten werden. Der wertschätzende Umgang in diesem Gremium, auch mit Andersdenkenden, ist mir bereits früher aufgefallen. Und ich bin überzeugt, dass in unserer Gemeinde viele Menschen sich aus uneigennützigen Motiven engagieren zum Wohl des Ganzen. So hoffe ich, dass diese Personen immer wieder den Mut finden, auch in der Öffentlichkeit für diese Werte hinzustehen. Es ist immer besser, eine Kerze anzuzünden als über die Finsternis zu klagen!
 
 
Berty Zeiter, Alternative – die Grünen Baar