Votum von Kantonsrat Andreas Hürlimann zum Thema Homeoffice

Ehrlich gesagt werde ich aus der Antwort der Regierung zum Postulat von Daniel Stadlin nicht so recht schlau. Da werden Ausführungen zu Bereichen gemacht, welche so gar nicht im Postulat gefordert werden. So wird beispielsweise keineswegs gefordert dass es Stellen mit „ausschliesslicher“ Teleheimarbeit geben soll. Warum aber werden immer wieder  sehr prominent die Schreckgespennster und Nachteile der ausschliesslichen Teleheimarbeit (Gefahr der sozialen Isolation, höherer Koordinationsaufwand oder ungeeigneter Arbeitsplatz zu Hause, usw.) aufgegriffen und genannt? Ist es der Regierung doch nicht so ernst mit der Umsetzung von modernen Arbeitsmöglichkeiten inkl. Homeoffice und der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie?
 
Es scheint, als muss sich das Personalamt und die Regierung erst einmal entscheiden, welche Art von Flexibilisierung des Arbeitsortes angestrebt werden soll: 
 
Soll grundsätzlich mehr Mobilität möglich sein, also gewisse Arbeiten in der kantonalen Verwaltung vor Ort, unterwegs oder auch zuhause erledigt werden können? Soll die Möglichkeit des teilweise von zuhause Arbeitens gegeben werden? Oder sollen dann doch Arbeitsplätze ausgelagert werden, so dass manche Personen ausschliesslich von zuhause arbeiten? Letzteres wäre nicht zu begrüssen.
 
Die wichtigsten Gründe, mobile Arbeit und zeitweise Arbeit von zuhause im Unternehmen zu fördern, sind reduzierte ökonomische und ökologische Kosten, erhöhte Produktivität und erhöhte Arbeitgeberattraktivität. Zudem kann gelegentliches Arbeiten von zu Hause die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stark verbessern. 
 
Es gibt aber tatsächlich einige Hürden welche es zu beachten gilt. Durch geschickte Regelungen, Richtlinien und moderne IT Systeme sind diese jedoch keinesfalls Stolpersteine. Aber es gilt, sich zuerst einmal zu fragen, welche Vorgaben hinsichtlich Erreichbarkeit und allgemeinem Kommunikationsverhalten sollen gemacht werden? Wie kann der erhöhte Koordinationsaufwand, der durch flexibles Arbeiten entsteht, am besten bewältigt werden? Welche technischen Systeme, Unterstützungsangebote und Trainings sind nötig?
 
Oder welche technischen Massnahmen und welche organisatorischen und Verhaltensregeln sind nötig, um die Datensicherheit zu gewährleisten? Wie sind Verantwortung und Haftung bei Verletzung der Datensicherheit geregelt?
 
Umgekehrt muss darauf geachtet werden, dass die hohe Erreichbarkeit der MitarbeiterInnen und die technische Möglichkeit, jederzeit Antworten zu verlangen, nicht zu einer „Rund um die Uhr“ Präsenz führt. Auch HomeworkerInnen haben ein Recht auf ungestörten Feierabend!
 
Flexibilisierungspotenzial steckt nämlich in mehr Tätigkeiten, als auf den ersten Blick ersichtlich – selbst ein Koch kann bestimmte Vorbereitungsaufgaben unter Umständen von zuhause aus erledigen, und medizinische Callcenter zeigen, dass Arzt und Patient nicht immer am selben Ort sein müssen. 
 
Es sollte aus unserer Sicht alternierend Arbeit von zuhause und in der kantonalen Verwaltung angeboten werden; denn ausschliessliche Teleheimarbeit birgt viele Nachteile. Homeoffice richtig verstanden, als Ergänzung zur überwiegenden Arbeit vor Ort, kann aber viele Vorteile bringen. Auch bei der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. 
 
In diesem Zusammenhang würde es mich interessieren, über welche Infrastruktur der Kanton schon verfügt. Ich habe gehört, dass es die Möglichkeit für einen virtuellen Desktop bereits gibt. Wie viele Mitarbeiterinnen nutzen dies schon? Wie viel kostet ein solcher Arbeitsplatz?
 
Und was ich gänzlich vermisse in der Vorlage: die Preisschilder. Infrastruktur für Home Office ist heutzutage nichts Besonderes mehr. Da müssten mindestens überschlagsmässig einige Kostenindikationen genannt werden können. 
 
 
Andreas Hürlimann,
Kantonsrat Grüne Steinhausen