Editorial im Bulletin vom 9. August 2013:
Das Thema Energie ist zurzeit omnipräsent. Es wird viel darüber geschrieben und debattiert in Fachkreisen wie auch auf politischer Ebene.

Wie gelangen all die Informationen an die Bevölkerung, damit sich alle dieser Verantwortung bewusst werden können im Umgang mit Energie? Dabei geht es mir nicht primär darum, wie wir in Zukunft mehr Energie umweltverträglicher produzieren, sondern auch wie Energie sinnvoll eingespart werden kann. Beim Einkaufen ertappe ich mich dabei, wie ich vollbepackte Einkaufswagen kritisch betrachte und mich frage, wie viel davon wohl im Abfall landen wird und wie viel Energie bei deren Produktion dabei aufgewendet wurde. Der Film ‚Taste the Waste‘ zeigt ein deutliches Bild über die Nahrungsmittelverschwendung. Allein in der Schweiz werden jedes Jahr Nahrungsmittel entsorgt, die eine stehende Kolonne Lastwagen von Zürich bis Madrid füllen. Was das an Energieaufwand für die Produktion bedeutet, kann sich jede Person vorstellen. In Deutschland könnte man ein AKW einsparen, wenn der Brennwert allein vom Brot, das jährlich entsorgt wird, zur Verfügung steht! Dass eine Grossbäckerei ihre Backöfen mit dem Verbrennen von altem Brot heizt, scheint mir äusserst absurd!
Die Brotauswahl im Einkaufszentrum muss bis Ladenschluss um 19.00 Uhr das ganze Sortiment im Angebot haben. Können wir uns das aus ethischer und ökologischer Sicht überhaupt leisten? Da wäre diesbezüglich ein grosses Energie-Sparpotenzial vorhanden, wenn die Bevölkerung darüber ausreichend informiert und sensibilisiert wäre.
Die Unsicherheit im Zusammenhang mit den aufgedruckten Verfalldaten führen oft dazu, dass einwandfreie Produkte unkontrolliert entsorgt werden. Ein Joghurt ist mindestens 10-14 Tage nach Ablauf des Datums immer noch einwandfrei geniessbar. Wir sind ausgestattet mit unseren Sinnen, die uns bei einer allfälligen Prüfung richtig urteilen lassen. Getrocknetes Brot ist nicht alt und immer noch essbar. Es gibt wunderbare Brotrezepte. Ich bin sicher, jedes Kind liebt Fotzelschnitten. Wer kennt den typischen Brotkuchen aus dem Tessin, absolut keine trockene Angelegenheit. Ein Käsetoast ist einfach und schnell zubereitet und es braucht kein Toastbrot, es lässt sich unkompliziert mit Restenbrot herstellen. Was könnten wir einsparen, wenn wir vorwiegend auf saisonale Produkte setzen.
Im Kanton Zug finden wir ein grosses Angebot an Produkten, die keine grossen Transportwege benötigen. Zusätzlich würden wir unsere Wirtschaft und Produzenten auf diese Art stärken und auch wertschätzen. Dass immer mehr Bauernhöfe ihren Betrieb aufgeben, sollte uns mehr als nur zum Nachdenken anregen. Die Spekulation mit Nahrungsmitteln ist für mich ein Höhepunkt der Geldgier, die mit keinem Gefühl von ethischer Verantwortung mehr in Verbindung steht.
Mir scheint es zwingend notwendig, dass sich die gesamte Bevölkerung ihrer Macht als Konsumenten und Konsumentinnen stärker bewusst wird, damit jede Person ihren Handlungsspielraum kennt und dabei motiviert wird einen persönlichen Beitrag für eine positivere Ökobilanz zu leisten.