Sehr geehrter Herr Gemeindepräsident
Sehr geehrte Damen Gemeinderätinnen
Sehr geehrte Herren Gemeinderäte
 
Im Bericht der Neuen Zuger Zeitung (Do, 22.8.2013) „Ein Affront gegenüber Gewerbe und Bevölkerung“, nimmt Manuel Frey, Leiter der Abteilung Finanzen der Gemeindeverwaltung Baar öffentlich zu Glencore Xstrata Stellung. Die Alternative – die Grünen Baar sind über die Aussagen von Manuel Frey höchst erstaunt und bitten den Gemeinderat dazu Stellung zu beziehen.

 
Ebenso stossend ist, dass Glencore Xstrata eine Steuergutschrift von 163 Millionen Dollar erhält und dass gleichzeitig den grossen Aktionären eine Dividende in von über 100 Millionen Dollar ausgeschüttet wird (NZZ am Sonntag vom 25. August). Der kleine Steuerzahler bezahlt letztlich die Ausschüttung an die Glencore Xstrata-Spitze. Das ist schlicht Abzockerei. Wie steht der Gemeinderat zu diesen Steuerpraktiken?
 
Eine volkswirtschaftliche Perle
Diese Aussage, Glencore Xstrata sei eine volkswirtschaftliche Perle erstaunt uns sehr und zwar gleich in vielerlei Hinsichten. Einerseits ist uns absolut unklar, wieso Glencore Xstrata eine volkswirtschaftliche Perle für Zug und die Schweiz sein soll. Der Rohstoffgigant bezahlt keine Steuern und ist auch kein grosser Arbeitgeber in der Schweiz. Die Topverdiener sind oftmals zugezogene Expats, welche im Kanton Zug oder in der Schweiz nicht längerfristig wohnen. Sie beziehen höchstens die überteuerten Wohnungen in unserem Kanton, unserer Gemeinde und verdrängen den einfachen Arbeiter und die einfache Arbeiterin mit ihren Familien in die Grenzkantone. Zudem ist es sehr kurzsichtig, in einer globalisierten und vernetzten Welt, die Volkswirtschaft nur auf den Kanton Zug zu beziehen. Schliesslich preisen wir uns immer als internationalen Standort an, wir sollten uns in allen Hinsichten so positionieren.
 
Die Perle mit viel Blut an den Händen
Absolut absurd ist die unkritische Haltung von Manuel Frey gegenüber dem Rohstoffgiganten. Erst vor kurzem waren am Anlass „Von Alu bis Zink: Die Rohstoffbranche im Kanton Zug zwischen Profit und Verantwortung“ in Kappel am Albis sowohl der Gemeindepräsident als auch der Gemeindeschreiber anwesend. Die Kritik- und Anklagepunkte betreffend gewalttätigen Auseinandersetzungen, miserablen Arbeitsbedingungen und Ausbeutung der Natur würden Seiten füllen. Wir wollen uns aber die Mühe machen, einige Punkte noch einmal aufzulisten.
Demokratische Republik Kongo: Die kirchlichen Hilfswerke „Fastenopfer“ und „Brot für Alle“ veröffentlichen eine Studie zu den prekären Abbaubedingungen einer Kupfermine im Kongo. Nebst Kinderarbeit, entsprechen die Arbeitsbedingungen sklavenartigen Zuständen und die Umwelt wird langfristig zerstört. Dazu werden auch die Steuern für den Rohstoffabbau auf ein Minimum reduziert und über Korruption gezielt am Volk vorbei geschmuggelt.
 
Mopani, Sambia: Der Mopani Copper Mines, welche zu 73% der Firma Glencore Xstrata gehört, wird massive Umweltzerstörung vorgeworfen. Zudem sollen auch hier Steuern hinterzogen werden. Über die Mine existiert ein Dokumentarfilm.
 
Rustenberg, Südarfrika: Bei einem Streik für eine Minimallohnerhöhung wurden im August 2012 34 Mineure von der Polizei erschossen. Die Miene gehört der Firma Lonmin, dessen grösster Stakeholder damals Xstrata, heute Glencore Xstrata ist.
 
Tampakan, Philippinnen: Eine Tochterfirma von Glencore Xstrata plant eine riesige Kupfermine. Dazu sollen rund 5000 Menschen zwangsumgesiedelt werden (1/4 der Baarer Bevölkerung). Zudem gefährdet die Mine die Wasserversorgung von Zehntausenden. Nur dank des Drucks der ansässigen Bevölkerung und von kirchlichen Hilfswerken in der Schweiz gab Glencore Xstrata Mitte August 2013 bekannt, das Minenprojekt zu „bremsen“.
 
Südamerika: Auch in Kolumbien, Peru und Bolivien wird Glencore Xstrata für die Zerstörung der Umwelt, miserable Arbeitsbedingungen, sowie gezielte Morde von Gewerkschaftlern mitverantwortlich gemacht.
 
Vor diesem Hintergrund ist die Alternative – die Grünen Baar empört über die Aussagen von Manuel Frey und bittet den Gemeinderat um eine Stellungnahme. Der Ausdruck „Perle“ darf nach unserer Meinung nur verwendet werden, wenn es keine Leidtragenden gibt. Das ist bei der Firma Glencore Xstrata in keiner Weise der Fall. Es ist zu hoffen, dass sich der Gemeinderat weiterhin mit der Kritik an Glencore Xstrata befasst und diese nicht einfach ignoriert. Eine interne Information zur Sensibilisierung der Verwaltungsangestellten ist wünschenswert.
 
Die Alternative – die Grünen wartet gespannt auf die Antwort des Gemeinderates und verbleibt mit freundlichen Grüssen.
 
Im Namen der Alternative – die Grünen Baar
Andreas Lustenberger, Vorstand Alternative – die Grünen Baar