Platz für Velos!

Masslos ärgert sich eine Leserbriefschreiberin aus Walchwil, im Zusammenhang mit der Lancierung einer kantonalen Veloinitiative der „Alternative – die Grünen“, über die Radfahrer. Ist der Grund für diesen Ärger nicht etwa der blanke Neid auf die Nutzer des besten aller Transportmittel? Velofahrer stehen nie im Stau, brauchen kein schnittiges Cabrio, um die Nase an der frischen Luft zu haben, sind sportlicher als jeder Sportwagenfahrer, sitzen auf der gleichen Höhe wie der Offroad-Fahrer. Velofahrerinnen können überall anhalten, zahlen nie Parkgebühren und keine Motorfahrzeugsteuern, brauchen keinen teuren Platz in der Tiefgarage. Velofahrer stehen nicht in der Kälte und warten auf den Bus. Da sie sich bewegen, haben sie auch im Winter warm. Sie nehmen die Jahreszeiten viel bewusster wahr. Velofahren ist nicht gratis, mit etwa 10 bis 15 Rp pro Kilometer müssen auch wir rechnen. Autofahrerinnen zahlen ein Vielfaches. Für meine 6000 Jahreskilometer brauche ich gerade mal 25ml Getriebeöl und vielleicht 1 dl Öl für die Kette.  Der Autofahrer braucht für die gleiche Strecke 360 Liter Benzin. Die Leserbriefschreiberin ärgert sich über die Radfahrer auf der Strasse, die sie überholen muss. Wie viele Stunden hat sie wohl schon verloren, weil sie Velofahrer nicht überholen konnte? Wohl keine einzige Minute. Zeit verliert sie im Stau vor der Stadt; sind da auch die Velofahrer schuld? Immer mehr Zeitgenossen entdecken die Vorteile des Velos. Wir sehen die Blumen am Wegrand, manchmal gar den Eisvogel am Seeufer. Für  uns bleibt die Welt gross. Wir fliegen nicht nach Berlin, sondern nehmen das Velo. In 13 Tagen schafft diese Strecke gar ein Rentner.  Prag, Bruxelles, Wien, Verona, Turin sind in gut einer Woche erreichbar. Junge sportliche Radfahrer gelangen in nur einem Monat bis ans Nordkapp. Die Krankenkassen sparen dank uns Velofahrern Millionen, weil wir gesünder bleiben. Wer nicht profitiert, ist die AHV da wir  im Durchschnitt länger leben. Nun, liebe Leserbriefschreiberin, darf ich Sie auch bald mal als Radfahrerin auf meiner Stammstrecke zwischen Oberwil und Arth begrüssen?

Stefan Hodel