von Stéphanie Vuichard, Mariann Hess und Rita Hofer

Der Regierungsrat wird eingeladen, ein Massnahmenprogramm für die Biodiversitätsförderung auszuarbeiten und umzusetzen. Es sollen verstärkt Anreize und Massnahmen zur Schaffung und Aufwertung von Lebensräumen insbesondere für Insekten entwickelt werden. Zur Sensibilisierung für die Problematik soll die Beratung, sowie die Aus- und Weiterbildung der Personen, welche draussen die Massnahmen umsetzen, gestärkt werden. Die Anreize und Massnahmen werden mit einem Monitoring kontrolliert und allfällige Anpassungen vorgenommen. Falls nötig, sind die zur Zielerreichung erforderlichen gesetzlichen Grundlagen zu schaffen.

Begründung

2017 belegte eine Studie, dass die Biomasse aller Insekten in den letzten 27 Jahren um alarmierende 76 Prozent abgenommen hat.[1] Die entsprechenden Erhebungen fanden sogar in vermeintlich intakten Naturschutzgebieten statt. In der Schweiz sieht es nicht besser aus: 60 Prozent von 1’143 untersuchten Insektenarten in der Schweiz sind gefährdet.[2] Das ist alarmierend, denn Insekten sind für das Ökosystem und somit auch für den Menschen unverzichtbar. Sie sind wichtige Bestäuber von Obst und Gemüse. Sie zersetzen das organische Material und bilden wieder fruchtbaren Boden. Sie nützen der Schädlingsregulierung und sind relevant für die Nahrungskette (z.B. für insektenfressende Vögel und Säugetiere). Bei den Wirbeltieren sieht es nicht besser aus. In der Schweiz sind 39 % der Vogel-, 74 % der Amphibien-, 79 % der Reptilien- und 59 % der Fischarten bedroht. Bei den Pflanzen sind 34 % der Arten bedroht und 48 % aller Lebensräume.[3] Und der Biodiversitätsverlust geht weiter.

Die Gründe für den Biodiversitätsverlust sind vielseitig. Lebensraumzerstörung und die qualitative Verschlechterung der Lebensräume unter anderem durch den Verlust von Strukturen, zu viel Dünger und Pestizide, Lichterverschmutzung, aber auch invasive Neobiota und Klimawandel führen zum Biodiversitätsverlust.

Eine wichtige und auf kantonaler Ebene umsetzbare Massnahme zur Biodiversitätsförderung ist die Schaffung und Aufwertung von Lebensräumen mit einer Erhöhung der Strukturen, in denen Insekten und andere Arten nisten und überwintern können sowie ein Blütenangebot von März bis November. Gemeint sind Strukturen wie Hecken, Einzelbäume, Ast-, Stein- und Sandhaufen, Weiher, offenen Bodenstellen und Flächen wie blütenreiche Ackerstreifen, Blumenwiesen und Ruderalflächen. Davon profitieren schlussendlich nicht nur Tier- und Pflanzenarten. Auch für den Menschen sind strukturreiche Landschaften und naturnahe Siedlungsräume attraktiver und haben einen nicht zu unterschätzenden Erholungswert. So sollen auf verschiedenen Flächen im Kanton Zug Massnahmen dazu ergriffen werden:

  1. Im Siedlungsbereich ist viel Potenzial vorhanden, wenn Restflächen und überflüssige Asphaltflächen zu wertvollen, naturnahen Flächen wie Blumenwiesen oder Ruderalflächen umgewandelt werden. Auch Flachdach- und Vertikalbegrünungen und Bäume im Siedlungsraum haben ein grosses Potenzial zur Biodiversitätsförderung und wirken zusätzlich kühlend an heissen Sommertagen. Hier könnte eine neue Fachstelle für «Natur im Siedlungsraum» helfen, die Gemeinden, Private und Firmen berät und in der Umsetzung begleitet. Als Beispiel kann hier «Grün Stadt Zürich» genannt werden.
  2. Im Landwirtschaftsgebiet sind die bereits bestehenden Biodiversitätsförderflächen zum heutigen Zeitpunkt nicht ausreichend, um den Biodiversitätsverlust im Landwirtschaftsgebiet zu stoppen. Durch intensivere Beratungen und gezieltere, zusätzliche Anreize können mehr Strukturen und Ökoflächen geschaffen werden. Zur Sensibilisierung bezüglich Biodiversitätsverlust soll in der landwirtschaftlichen Bildung und Weiterbildung die Aufklärungsarbeit verstärkt werden.
  3. Im Waldbereich können beispielsweise durch die konsequente Waldrandaufwertung bis mindestens 10 Meter in den Wald hinein wertvolle Lebensräume entstehen. Diese Flächen zwischen Wald und Offenland sind besonders wertvoll und artenreich, weil unterschiedliche Lebensräume aufeinandertreffen. Auch flächige Holzschläge – wo angezeigt – bringen deutlich mehr Licht in den dunklen Wald als die konventionellen Schläge zur Schaffung von Dauerwald. Sie nützen nicht nur den Insekten, sondern auch lichtliebenden Strauch- und Baumarten. Zuständige Personen, welche Massnahmen im Wald konkret vornehmen, sind entsprechend auszubilden und zu instruieren.

 

 

 

[1] Hallmann, C. A. et al. More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PLoS One 12, (2017).

[2] Akademien der Wissenschaften Schweiz. Faktenblatt: Insektenschwund in der Schweiz und mögliche Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft (2019).

[3] Bundesamt für Umwelt BAFU. Gefährdete Arten in der Schweiz. Synthese Rote Listen, (2010).