Geschätzte Frau Kantonsratspräsidentin
Werte Mitglieder der Regierung
Liebe Kolleginnen und Kollegen

 

Qualifiziertes Fachpersonal wird es trotz fortschreitender Automatisierung und Digitalisierung brauchen. Es ist zwingende Voraussetzung für eine funktionierende Gesundheitsversorgung.

Der Bundesrat hat bereits im Dezember 2016 aufgezeigt, welche Engpässe sich in den nächsten Jahren in der Pflege abzeichnen werden. Diese Erhebungen wurden vom schweizerischen Gesundheitsobservatorium (OBSAN) gemacht. Die Ergebnisse der Studien in den Pflegeberufen sahen bereits die drohenden Engpässe. Mit ein Grund ist auch die zunehmende Alterung der Schweizer Bevölkerung. Trotz grossen Anstrengungen von Ausbildungsverpflichtungen und Steigerungen der Ausbildungsabschlüssen, besteht weiterhin Handlungsbedarf. Schon 2016 wurde darauf hingewiesen, dass bis im Jahr 2030 der Pflegepersonalbedarf um 36% zunehmen werde. Die tiefe Berufsverweildauer schmälert den erarbeiteten Zuwachs, d.h. der Fehlbetrag wird mit 40% festgehalten zwischen dem jährlichen Nachwuchsbedarf und den Ausbildungsabschlüssen. Es braucht zwingend zielgerichtete Massnahmen zur Erhöhung der Berufsverweildauer! Von 2010 – 2014 wurden 40% der neuangestellten Fachkräfte aus dem Ausland rekrutiert. 2016 war das Ergebnis, dass ein Drittel der Pflegefachkräfte aus dem Ausland stammen.

Dies sind die Fakten 2016, von Corona war zu diesem Zeitpunkt keine Rede!

Diese Berechnungen wurden vor der Corona-Krise erhoben und jetzt befinden wir uns in einer Pandemie mit noch höherem Fachkräftebedarf und wollen die Fakten zur Arbeitsbelastung für die Pflegefachkräfte einfach weiter ignorieren? Die hohen Arbeitsbelastungen und die schwierigen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich sind also schon länger bekannt. Mit der Pandemie ist diese alarmierende Situation zur öffentlichen Debatte geworden. Wenn sie mit den Pflegefachkräften am Aktionstag vor der Kantonsratssitzung gesprochen haben, dann haben sie erfahren, was der Alltag für sie bedeutet! Wenn die Mitarbeiter*innen trotz Krankheit zur Arbeit verpflichtet werden, Stress als Dauerzustand hinnehmen müssen, es bleibt keine Zeit für Pausen, Pikettdienst heisst jederzeit abrufbar sein. Dem Risiko ausgesetzt zu sein und Ausfälle von Pflegefachkräften auch noch zu kompensieren, das sind Arbeitsbedingungen, die die Belastungsgrenzen überschreiten. Bis 2030 werden uns schweizweit knapp 30`000 diplomierte Pflegefachpersonen fehlen (total 65`000) und gleichzeitig befinden wir uns am Anfang eines Pflegenotstands.

Gesundheit ist unser höchstes Gut! Das zeigt sich in der aktuellen Pandemie! Wenn das Personal fehlt, dann können wir im Spital die Bettenkapazitäten nicht beliebig ausbauen, auch wenn der Platz dazu vorhanden wäre.

Stress, Personalmangel und permanenter Druck führt zu mehr Fehlern und verursacht hohe Kosten, mitunter bleibende Schäden oder gar tödliche Folgen für die Patienten. «Mit mehr diplomierten Fachkräften liessen sich jährlich 1,5 Milliarden Franken sparen und 200 Tote verhindern!»

Der Kanton ist als Hauptaktionärin auch Arbeitgeber und steht somit in der Verantwortung, wenn es um das Pflegepersonal geht. Die ALG erwartet, dass sich der Regierungsrat einbringt und sich an der Erarbeitung von nötigen Massnahmen beteiligt, damit der Beruf und der Arbeitsalltag der Pflegefachkräfte wieder attraktiver wird und vorallem die Berufsverweildauer in Zukunft erhöht werden kann. Dazu müssen die nötigen Massnahmen ergriffen werden. Der Kanton investiert viel Geld in die Bildung und schon aus diesem Grund, muss es in unserem Interesse sein, dass wir die 46% Berufsaustritte auch aus volkswirtschaftlichen Überlegungen reduzieren. Durchschnittlich 2`400 Austritte pro Jahr haben wir schweizweit. Pro Jahr kosten diese 2`400 Austritte den Staat in etwa 96 bis 144 Mio. Franken.

Gelder, die der Staat für Ausbildung investiert hat.

Es geht uns alle etwas an! Wir haben die Möglichkeit Einfluss zu nehmen und mit unserer Unterstützung können wir an der Veränderung und für zukünftige Investitionen die Weichen stellen.

Danke für Ihre Unterstützung und die Überweisung des Postulates!

 

Kantonsrätin ALG
Rita Hofer
Hünenberg

079 894 42 88
rita_hofer@bluewin.ch