Wir sind hier zusammengekommen, um uns mit den Opfern der Repression in Syrien zu solidarisieren. Das Asad-Regime gehört zu den rücksichtslosesten auf diesem Planeten. Das wissen wir spätestens seit der Ermordung Zehntausender von Menschen in Hama vor 30 Jahren durch den Vater des aktuellen Tyrannen.
 
Der Anfang des Volksaufstandes in Syrien war ähnlich wie in Tunesien. In Nordafrika war die Selbstverbrennung eines Jugendlichen im Provinzort Sidi Bousid das Fanal. In Syrien war es die Verhaftung und Folterung von Jugendlichen in der Provinzstadt Deraa. Als eine Delegation in Damaskus deren Freilassung verlangte, wurde ihr geantwortet: „Vergesst eure Kinder, macht doch neue!“
 
Dass sich die Proteste derart schnell auf grosse Teile des Landes ausbreiteten, hat ähnliche Gründe wie in den anderen arabischen Ländern:
 
– die Ablehnung eines autoritären Regimes;
 
– die Wut gegen die Willkür eines Staats- und Repressionsapparates;
 
– das  Entsetzen über die alltäglichen Misshandlungen und Folterungen;
 
– die Frustration über die grassierende Korruption und Günstlingswirtschaft;
 
– die Perspektivlosigkeit einer zahlenmässig starken und relativ gut ausgebildeten Jugend, die über den arabischen Frühling wohl informiert ist.
 
Wer die syrische Revolution mit anderen Faktoren – wie die Saudis oder Israel oder den Westen – erklärt, beleidigt die Menschen, die für die Freiheit der Personen und des Landes grösste Risiken eingehen
 
Der Volksaufstand war anfänglich ein friedlich-ziviler und ein überkonfessioneller. Das ist er zu einem wichtigen Teil auch heute noch. Wenn es in letzter Zeit zu einer gewissen Militarisierung und Konfessionalisierung des syrischen Frühlings gekommen ist, liegt die Hauptverantwortung dafür
 
– bei einem Regime, das mit der Hinrichtung von Soldaten, die sich weigerten, auf das eigene Volk zu schiessen, ganze Truppen veranlasste, mit ihren Waffen zu den Aufständischen überzulaufen;
 
– bei einem Regime, das systematisch mit Propaganda und Provokationen die konfessionellen Konflikte und bei den Minderheiten die Angst davor schürt.
 
Wir solidarisieren uns mit den Opfern der Repression aus ethischen Gründen. Wir solidarisieren uns aber auch aus politischen Gründen.
 
Eine weltweite Solidaritätsbewegung kann den zivilen und überkonfessionellen Charakter des syrischen Volksaufstandes stärken. Und sie kann  beitragen, dass der arabische Frühling weiter blüht.
 
Wir fordern:
 
– den freien Zugang für die humanitäre Hilfe, insbesondere nach Holm;
 
– die Durchführung von weiteren Beobachter-Missionen, auch solcher von unabhängigen Menschenrechtsorganisationen;
 
– die Bewegungsfreiheit für Medienschaffende, weil diese einen gewissen Schutz bieten können;
 
– den gezielten ökonomischen und finanziellen Boykott gegen die Asad-Familie und die reichen Clans unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, um zwischen Regime und Wirtschaft einen Keil zu schlagen.
 
Diese Mahnwache ist ein kleiner Anfang in der Deutschschweiz. Die Solidarität mit der syrischen Revolution, mit dem arabischen Frühling muss weiter gehen. Sie wird weitergehen.
 
 
Jo Lang (GSoA-Vorstand)