Ich erinnere mich an die ‚Null Toleranz‘. Das galt auf den Schulhausplätzen vor einigen Jahren und war Teil der Gewalt-Prävention. Aktuell erleben wir mit der Aktion des ‚Ship of Tolerance‘ eine neue Diskussion, diesmal ist gelebte Toleranz mit Respekt und Offenheit gegenüber Fremden und Unbekannten gemeint.
Aus Menzingen haben sich viele Klassen am Projekt beteiligt. Damit war die Thematik aktuell in den Schulzimmern. Einige Kinder hatten die Hausaufgabe, mit einer erwachsenen Person darüber zu sprechen, was sie unter Toleranz und Respekt verstehen. Die Rückmeldungen waren vielfältig, in einem Punkt aber ähnlich: Die Erwachsenen haben sich mit der Frage intensiv auseinander gesetzt, sie haben sich Zeit genommen, mit den Kindern darüber zu sprechen und – es sei eine schwierige Frage gewesen – so die Rückmeldung der Kinder, die erstaunt waren, dass sie für die Erwachsenen eine schwierige Aufgabe mit nach Hause nahmen.
Die Bandbreite von Null-Toleranz bis viel Toleranz beschäftigt uns. Von Burka bis Burkini, seit einem Monat mit täglichen Berichterstattungen in den Medien. Und weil weder die Anzahl der Burkaträgerinnen in der Schweiz hoch ist, noch die Gefahr aus der Gesichtsverschleierung reell ist, verwundert die Diskussion. Viele melden sich zu Wort, zu einem Problem, das es so bei uns in der Schweiz nicht gibt. Toleranz ist in den letzten Wochen gekippt, hin zu Null Toleranz. Wie wünschte ich mir, dass Frauenfragen und Diskriminierung in Bezug auf Geschlecht täglich mit dieser Ernsthaftigkeit und Medienpräsenz diskutiert würde, gleicher Lohn für gleiche Arbeit und einiges mehr.
Über 2000 Kinder haben Fahnen mit ihren eigenen Sujets zu Toleranz und Respekt gemalt. Auch die Fahnenmasten der Stadt tragen Toleranz. Hoffen wir, dass dies sicht- und spürbar bleibt.

Marianne Aepli, Präsidentin Alternative-die Grünen, Menzingen