Gemäss BAK Basel Economics war Zug für Topverdiener auch 2010 einer der steuergünstigsten Orte in der Schweiz und liegt auch weltweit ganz vorn. Und auch die Standortratings der Credit Suisse zeigen es Jahr für Jahr: Die Zuger Steuervorteile sind meilenweit dem Schweizer Durchschnitt voraus. Der Kanton Zug positioniert sich nicht nur im Vergleich mit der übrigen Schweiz mit tiefen Steuern. Auch international spielt er in der vordersten Liga mit. Zug steht also schon heute sehr gut da. Nur schon aus diesem Grund, haben weitere Steuersenkungen, welche das starke Zuger Wachstum weiter anheizen, für die Grüne Politik keine Priorität.
 
Es ist belegt, dass sich in steuergünstigen Regionen die Immobilienpreise aufgrund des zunehmenden Siedlungsdrucks überdurchschnittlich stark erhöht haben. Das teure Wohnen macht die Steuerersparnis gleich wieder zunichte. Am Beispiel des Kantons Zug muss dieses Argument besonders stark gewichtet werden. Klar, auch mit dieser Revision können die meisten etwas Steuern sparen. Geld sparen sie jedoch nicht! Auch wenn man versucht mit einem Zückerchen Familien und Normalverdienende zu locken. Aber eine Steuerersparnis von vielleicht 400 Franken im Jahr wird durch 12 mal 400 Franken mehr Mietkosten leider ganz schnell wieder weggefressen.
 
Zudem: Je mehr Reiche und gewinnstarke Firmen Zug anlockt, desto höher sind auch die Kosten für den nationalen Finanzausgleich (NFA). Denn nicht die Steuerhöhe, sondern das potenzielle Wirtschaftskraft bestimmt die Höhe unserer Zahlungen. Genau jene, welche diese NFA-Ausgaben verschulden, zahlen gemessen an ihrem Leistungsvermögen in Zug immer weniger Steuern. Das ist ungerecht, weil so einmal mehr der einfache Bürger zahlt!
 
In der Schweizer Verfassung steht: «Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.» Für eine vielfältige Gesellschaft brauchen wir eine Politik in Zug, die das Wohl aller ins Zentrum stellt. Wir sind rein wirtschaftlich gesehen in einer noch immer guten Situation. Das wollen wir erhalten, aber auch zukunftsfähig, sozialer und vor allem zum Vorteil aller Einwohnerinnen und Einwohner machen. Dies erreichen wir unter anderem mit fairen Steuern, einem Marschhalt bei den ständigen Steuersenkungen sowie mehr Investitionen für günstigeren Wohnraum. Der bürgerliche Kantonsrat kürzte gegenüber dem regierungsrätlichen Vorschlag die Miet-Vergünstigungen gar um 2 Millionen Franken. Verschiedene Zuger Gemeinden und der Kanton schreiben gemäss ihrer Planung künftig rote Zahlen. Die globale Wirtschaftskrise gefährdet Wirtschaft, Staaten und Gesellschaft. Steuersenkungen sind gerade zum jetzigen Zeitpunkt falsch, unnötig und unwirksam – besonders für die Schweiz mit den tiefsten Steuern überhaupt. Bürgerliche Finanzdirektoren in anderen Kantonen warnen davor, ja prüfen gar Erhöhungen. Alles gute Gründe, am 27. November ein Nein in die Urne zu legen.
 
 
Andreas Hürlimann,
Kantonsrat, Mitglied der Staatswirtschaftskommisison
Co-Präsident Alternative – die Grünen Zug