Interpellation:

Suizidprävention für homo- und bisexuelle Jugendliche in Zug

Nicht nur Gedanken an Suizid sondern insbesondere auch tatsächliche Suizidversuche sind bei homosexuellen und bisexuellen Jugendlichen bis zum Sechsfachen gegenüber heterosexuellen Jugendlichen erhöht. Dies zeigen internationale und auch schweizerische Studien, mitunter etwa
im Auftrag der Organisation Pink Cross. Dabei spielen Stressfaktoren wie mangelnde soziale Unterstützung, Ausgrenzung, Isolation, Diskriminierungen, Schikanierungen, Gewalterfahrungen und in der Folge niedriges Selbstbewusstsein, psychische Probleme, Schulschwäche sowie Drogenmissbrauch im Zusammenhang mit sexueller Identitätsfindung
und „Coming Out“ eine wichtige Rolle. Da Forschungen diese Suizid-Risikogruppe klar benennen und die Schlüsselrolle der Schulen
sowohl als Risiko- wie auch als Präventionsräume mit langfristiger gesamtgesellschaftlicher Ausstrahlungskraft betonen, wird der Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:

– Inwiefern ist die Risikogruppe der bi- und homosexuellen Jugendlichen in einem kantonalen Suizidpräventionsprogramm berücksichtigt und verankert?

– Besteht ein kantonales Diversity-Konzept für den Bildungsbereich, welches die
erwähnte Zielgruppe explizit berücksichtigt?
– Eine gleich berechtigte Haltung der Gesellschaft gegenüber Hetero-, Homo- und Bisexualität lässt sich aus dem Verbot in der Bundesverfassung, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren, ebenso folgern wie aus dem Partnerschaftsgesetz für homosexuelle Paare. Inwiefern ist die Schaffung eines solchen positiven Klimas ein fester Bestandteil von Schulleitbildern, Lehrplänen, Fortbildungen von LehrerInnen u.ä.?

– Die erwähnten Studien weisen interkulturelle Unterschiede als weiteren verstärkenden Stressfaktor für homo- und bisexuelle Jugendliche aus: Hier sind sowohl die Identitätsfindung und Lebenssituation Betroffener mit Migrationshintergrund wie auch ein nicht immer unproblematisches Zusammentreffen von multikulturellen Schulklassen mit dem Thema Bi-/Homosexualität angesprochen. Wie wird dieser Tatsache auf schulischer Ebene und in der Jugendarbeit Rechnung getragen?

Unser Land rangiert punkto Suizidhäufigkeit in Europa leider ganz weit vorne. Jedes Jahr werden hierzulande bis zu 90’000 Suizidversuche unternommen, davon führen bis 1500 auch zum Tod. Die erste Risikogruppe sind Jugendliche.
Umso dringender tut eine gezielte Suizidprävention für die besonders allfällige Gruppe der homo- und bisexuellen Jugendlichen Not. Hier als PDF