Wussten Sie, dass 85 Prozent der 80-Jährigen noch weitgehend selbstständig leben? Gemäss
Umfragen war die ältere Generation noch nie so glücklich wie heute: Gesundheit, materielle
Sicherheit und tragfähige soziale Netze fördern ihre Zufriedenheit. Der älteren Generation
geht es auch finanziell so gut wie nie zuvor. Das verdankt sich hauptsächlich der AHV. Diese
erste allgemeine Sozialversicherung war vor bald 60 Jahren der Auftakt zum
Generationenvertrag. Diese Errungenschaft müssen wir weiter pflegen. Deshalb sind wir für
die Finanzierung der Sozialwerke auch auf Bevölkerungswachstum angewiesen. Das wird
gefördert durch eine familienfreundlichere Politik einerseits und durch Immigration
verbunden mit Integration anderseits.
Allerdings sind auch die Schattenseiten des Alters nicht zu verschweigen. Vor allem Frauen
und schlecht ausgebildete Personen können von Altersarmut betroffen sein. An
gesundheitlichen Risiken drohen Übergewicht, Diabetes, Demenz, Vereinsamung und
Depression. Alterssuizid ist eine tabuisierte, aber traurige und häufige Realität. Eine
altersgerechte Gesundheitsvorsorge für Körper und Seele ist deshalb eine Herausforderung,
die unser Gesundheitssystem annehmen muss. Die weitgehende Selbstständigkeit im Alter
verdankt sich auch der bewährten Betreuung zuhause durch die Spitex. Diese und andere
Alternativen zum Eintritt ins Heim wie begleitete Seniorenwohngruppen müssen weiter
gefördert werden. Die Wirtschaft sieht die Senioren und Seniorinnen als Quelle für Wachstum
und rechnet mit stark steigender Nachfrage in den Bereichen Gesundheit, Wellness, Reisen
und Sinnsuche. Noch am Anfang steht bei uns der E-Health-Bereich. In Japan arbeitet man
bereits an Pflegerobotern und digitalen Altersheimen. Soweit soll es mit der industriellen
Abfertigung alter Menschen nicht kommen – dafür appelliere ich an die Solidarität und
Verantwortung der jüngeren Generation. Altersfreundlichkeit ist auch ein wichtiges Gebot für
den Service Public und den öffentlichen Raum: Sind öffentliche Gebäude gehhilfengängig?
Sind die grünen Phasen auf den Fussgängerstreifen und die Umsteigezeiten in Bus und Bahn
lang genug? Durch den neuen Taktfahrplan sind es nur noch 4 Minuten…
Anerkennung erfahren, Beziehungen pflegen und Aufgaben haben – das macht die
Lebensqualität von älteren Menschen aus. Ihnen eröffnen sich heute viele Möglichkeiten im
Bereich der Freiwilligenarbeit: Sei dies in der Entwicklungszusammenarbeit (Beispiel
„Swisscontact Senior Expert Corps“) oder hier im Inland. Ältere Frauen und Männer bringen
ihre Talente, Wünschen und Erfahrungen ein: sie hüten Kleinkinder, pflegen Kranke,
unterrichten Deutsch für Migranten oder unterstützen Jugendliche bei der Stellensuche. Auch
in Zug braucht es entsprechende Sozialprojekte, die solche Einsätze fördern und koordinieren.
Diese Arbeit und die damit verbundene Selbstverwirklichung von Seniorinnen und Senioren
sind nämlich wertvoll für den sozialen Zusammenhalt. Denn ein solcher Austausch zwischen
Generationen und Gruppen kann den negativen Folgen von gesellschaftlicher
Individualisierung entgegenwirken. Das ist meine Vision: keine Überalterung im negativen
Sinn. Sondern eine Gesellschaft, die sich den Bedürfnissen aller Altersgruppen anpasst und
die die Handlungsspielräume von allen einbezieht. Im Sinn eines neuen, sozialen
Generationenvertrags.

Rupan SivaganesanKantonsrat Alternative Zug