Leserbrief von Kantonsrat Stefan Gisler zum Zuger Stadttunnel

Ich bin ein grosser Freund von “Zentrum Plus“, aber ein Gegner des Stadttunnels. Befürworter wie Gegner sind sich einig, der Autoverkehr erstickt die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt Zug. Es freut mich, dass CVP, FDP und sogar die SVP sich zu verkehrsberuhigenden Massnahmen bekennen – zum Wohle von Gewerbe und Bevölkerung. Ich hoffe, das ist ehrlich gemeint!
 
An diesem Versprechen der Verkehrsberuhigung müssen sich alle Befürworter messen lassen – unabhängig von einem Ja oder Nein zum Stadttunnel. Ich erwarte die ehrliche Bereitschaft u.a. für mehr Tempo 30 bzw. 20 in der Stadt (gerade im Zentrum und in Wohnquartieren), Riegel im Göbli an der Industriestrasse, Sperrung der Gutschrankabfahrt, Verkehrsbefreiung der Vorstadt, Nein zur Verlängerung der General-Guisanstrasse durch die Lorzenebene, ein gescheiteres Verkehrsregime um den Bahnhof sowie attraktivere Radwege und gestärktes Bus-/Bahnangebot. All dies ist möglich ohne Tunnel; und es ist günstiger! Ein Nein ist keine Aufforderung zum Stillstand – denn die Verkehrsbelastung ist ja von allen anerkannt!
 
Was mich auch stört: Der Kantonsrat will die Verlängerung der General-Guisan-Strasse partout nicht aus dem Richtplan kippen. Das würde dem Herti-Quartier massiven Mehrverkehr zw. dem Stadttunnelportal Gubelloch und der Lorze bringen. Auch hat der Kantonsrat mit der Tangente keinen vollständigen Riegel in der Industriestrasse setzen wollen; auch mit Zentrum Plus nicht.
 
Ohne Tunnel wird eine Verkehrsberuhigung ein langer Prozess. Mit dem Tunnel wird’s aber nicht einfacher. Studieren Sie die Vorlage: das Projekt bringt nur punktuelle Verkehrsbefreiung und –entlastung. Und man erlaubt auch in Zentrum Plus die Zufahrt mit Autos fast überall hin. Das ist zu wenig für 1 Milliarde! Und viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass die Stadt gemäss Staatswirtschaftskommission nebst den 100 Millionen gemäss Vorlage noch zusätzliche 40 Millionen für die Umsetzung von Zentrum Plus zahlen muss. Diese Geld kann schlauer eingesetzt werden – ich erwarte nach einem Nein, dass die „frei gewordenen“ Mittel teilweise in die Finanzierung von kleineren, aber wichtigen Massnahmen zur Verkehrsberuhigung eingesetzt werden; und auch zur Milderung des kantonalen Sparpakets der Bürgerlichen gerade auch zu Lasten des ÖV – das geplante Sparen beim Bus generiert unnötigen Mehrverkehr!
 
Mit einem Nein am 14. Juni ist eine lebenswerte Stadt weiterhin möglich – wenn der Wille (auch der Bürgerlichen) da ist, sogar nachhaltiger als mit Stadttunnel.
 
 
Stefan Gisler, Kantonsrat Alternative, Zug