Vernehmlassung Anpassung kantonaler Richtplan in Sachen:
Gebiet für Erholung und Sport – Lienisberg
Nationaler und internationaler Bahnverkehr
Grobverteiler – Doppelspur Walchwil

Sehr geehrter Herr Baudirektor, geschätzte Regierungsmitglieder
Die Regierung hat zur öffentlichen Mitwirkung zu o. g. Vernehmlassung eingeladen. Die Alternative-die Grünen Zug nehmen wie folgt Stellung:
 
 
Gebiete für Erholung und Sport – Lienisberg
 
Der Regierungsrat möchte im Kantonalen Richtplan für den Walchwilerberg – konkret beim heutigen Sportplatz Lienisberg – einen kantonalen Schwerpunkt Erholung festsetzen. Die Grundsätze zu den Schwerpunkten Erholung (Kap. 1), die Ausgangslage für den Zugerberg (Kap. 2) und die Ziele für die Erholungsschwer-punkte aus dem Entwicklungsleitbild Zuger-/Walchwiler-/Rossberg sind nachvollziehbar. Soweit sich die vorgeschlagenen Massnahmen auf die landschaftsbezogene Erholung beziehen, werden diese auch begrüsst.
 
Es geht darum, eine extensive und qualitätsorientierte Naherholung zu ermöglichen, das Angebot aber zu konzentrieren und die Besucher zu lenken, um die Qualität des sensiblen Gebietes (verschiedene Natur- und Landschafts-schutzgebiete) zu erhalten.
 
Der Fussballplatz auf dem Lienisberg wurde vor Jahren provisorisch bewilligt. Der Standort ist jedoch alles andere als vorteilhaft, liegt er doch weit vom Dorf entfernt und ist schlecht erschlossen. Zudem stellt der Sportplatz am Rande der Moor-landschaft Zugerberg und in der weitgehend landwirtschaftlich geprägten Landschaft einen eigentlichen Fremdkörper dar. Leider wurde mit der Einzonung in eine übrige Zone für die Sportanlage Lienisberg der unbefriedigende Zustand auf lange Zeit besiegelt.
 
Die Festsetzung eines Erholungsschwerpunktes Lienisberg stellt insgesamt die Gefahr dar, dass dadurch auch nicht landschaftsbezogene Nutzungen ausgeweitet werden. Es muss unter allen Umständen vermieden werden, dass sich der Lienisberg zu einem Sportzentrum (outdoor und indoor) entwickelt. Der Fussballplatz mit seinen Infrastrukturen ist auf den heutigen Umfang zu beschränken. Auf eine Vergrösserung, oder auf die Schaffung von Bauten für Indoor-Sportarten ist zu verzichten. Dies ist im beabsichtigten Projektwettbewerb klar als Rahmenbedingung festzuhalten.
 
Unter 4.2 wird festgestellt, dass eine Erschliessung des abgelegenen Lienisbergs mit dem öffentlichen Verkehr zur Zeit nicht sinnvoll sei. Eine Förderung der Erholungsnutzung wird unweigerlich zu einer Attraktivitätssteigerung und damit auch zu mehr Verkehr führen. Dazu muss wiederum entsprechender Parkraum geschaffen werden. Gleichzeitig sollen dezentrale Parkplätze aufgehoben werden. Eine Vergrösserung des Parkplatzes beim Fussballfeld Lienisberg kann jedoch nur erfolgen, wenn die geforderten hohen Anforderungen für die landschaftliche Einpassung auch eingehalten werden können.
 
Antrag

Für den geplanten Projektwettbewerb sind folgende Vorgaben festzulegen:

  • Nicht landschaftsbezogene Sportnutzungen auf bisherigen Umfang begrenzen und nur qualitativ optimieren.
  • Erweiterung der Erholungsnutzung am Schwerpunkt Lienisberg nur soweit, wie heute dezentral bestehende Einrichtungen (inkl. Parkplätze) aufgehoben werden, oder wenn es sich um standortgebundene Nutzungen handelt (z.B. Umkleide- und Toilettenräume für Wanderer, Langläufer usw.)

 
 
Festsetzung Doppelspurinsel Walchwil

 
Hinter der Anpassung des Richtplanes für eine Verlängerung der Doppelspurinsel Walchwil stehen verschiedene Fragestellungen, die wir in unserer Vernehmlassung getrennt behandeln.
 
1. Variantenentscheid für die Doppelspurverlängerung
 
In Erfüllung des Richtplanes wurde eine Bestvariante für die Verlängerung der Doppelspur erarbeitet. Im Technischen Bericht wird nachvollziehbar und recht detailliert erläutert, wie die offene Linienführung als Bestvariante abschneidet. Diese steht allerdings im Widerspruch zum Auftrag im Richtplan, wonach sich der Kanton Zug für eine Tunnellösung einzusetzen habe.
 
Alles in allem ist die Ausscheidung der Bestvariante im Technischen Bericht nachvollziehbar beschrieben. Wir stimmen dieser Variante mit leichtem Zähneknirschen zu, sind damit doch erhöhte Immissionen für die Walchwiler Bevölkerung nach der Einführung des Halbstundentaktes auf der Gotthardlinie verbunden.
 
Ob es die Doppelspurverlängerung in dieser Form aber überhaupt braucht, behandelt der folgende Abschnitt.
 
 
2. Betriebskonzept für die Trasse Zug–Walchwil–Arth-Goldau

 
Der raumplanerische Bericht nennt als Grund für die aufwendige Verlängerung der Doppelspurinsel die notwendige Leistungssteigerung auf der Nord-Süd-Achse:
 
„Im Hinblick auf die Inbetriebnahme der NEAT-Strecke auf der Nord-Süd-Achse mit Gotthard- und Ceneri-Basistunnel sowie auf das ZEB-Angebot (Halbstundentakt Fernverkehr) sind Massnahmenzur Leistungssteigerung auf der stark ausgelasteten Strecke erforderlich. Damit dies ohne Einschränkungenfür den Regionalverkehr möglich ist, wird bei Walchwil am Ostufer des Zugersees ein zweites Gleis gebaut. Die Lage der so entstehenden so genannten Doppelspurinsel entlang der einspurigen Bahnstrecke zwischen Zug und Arth Goldau ergibt sich aus dem Fahrplankonzept. Für einen reibungslosen Zugverkehr mit regelmässigen Kreuzungen von Schnellzügen und Stadtbahnen soll eine Doppelspurinsel von insgesamt ca. 1.7 km Länge zur Verfügung stehen. Dank der Doppelspurinsel wird es möglich, neben zusätzlichen Fernverkehrszügen, auch den Halbstundentakt der S2 integral bis nach Walchwil zu führen und an der Haltestelle Walchwil Hörndli regelmässig anzuhalten.“ (Hervorhebung durch den Vernehmlasser)
 
Der guten Ordnung halber möchten wir festhalten, dass zusammen mit dem Bahnhof Walchwil eine Doppelspurinsel von insgesamt 2.3 km Länge entstehen würde.
 
Das Fahrplankonzept der SBB ist der Öffentlichkeit heute nicht bekannt und auch nicht publiziert. Hingegen ist aus der Veranstaltung in Walchwil und aus eigenen Gesprächen des Autors mit SBB-Stellen hervorgegangen, dass die Kreuzung der Fernverkehrszüge auf der kurzen Doppelspurstrecke nördlich vom Bahnhof Arth-Goldau stattfinden sollen, die Stadtbahnzüge werden sich in Oberwil kreuzen und wie im obigen Zitat erwähnt die Stadtbahnzüge mit dem Fernverkehr nördlich des Bahnhofes Walchwil. Will heissen: Die Verlängerung des Doppelspurabschnittes in Walchwil dient einzig und allein der (fliegenden) Kreuzung von Fernverkehrs- und Stadtbahnzügen.
Mit entsprechenden Fahrplanlagen dürfte die Kreuzung der Stadtbahn mit Fernverkehrszügen aber auch im Bahnhof Walchwil möglich sein, so wie heute. Allenfalls wäre – falls nötig – eine kurze Ausweichstelle beim Hörndli, die wie die Haltestelle Hörndli selbst im laufenden Betrieb gebaut werden könnte, ins Auge zu fassen.
 
Ein Ausbau des Stadtbahntaktes der S2 auf eine Viertelstunde ist heute nicht absehbar, das heutige und voraussehbare Fahrgastaufkommen in der Haltestelle Hörndli ist eher bescheiden und das Potential der S2 weiter Richtung Süden angesichts des erschlossenen Gebietes limitiert – es sei denn, dass in Zukunft auf eine Anschlusspinne mit der SOB für die Verbindung Richtung Ostschweiz hingearbeitet würde. Aber auch für diesen Fall scheint die geplante Doppelspur-insel dafür nicht die geeignete Massnahme zu sein.
 
Es stellt sich deshalb ernsthaft die Frage, wie prioritär diese Doppelspur-verlängerung tatsächlich ist.  Zusätzliche Brisanz erhält die Frage angesichts der knappen Finanzmittel. Sind die rund 110 Millionen Franken objektmässig und vom Zeitpunkt her richtig investiert?
 
Gemäss mündlichen Informationen aus dem Amt für Raumplanung geht die Initiative für eine rasche Realisierung eher vom Kanton denn von der SBB aus. Betrachtet man die drängenden Engpässe auf der Strecke Thalwil-Zug-Luzern, so ist nicht nachvollziehbar, weshalb dieser Doppelspurverlängerung vom Kanton so grosse Priorität gegeben wird – die Doppelspur zwischen Thalwil und Zug ist