Vernehmlassung: Jagdverordnung – Alternative – die Grünen Zug
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Vernehmlassung: Jagdverordnung

Die im Vernehmlassungsentwurf der kantonalen Jagdverordnung (Totalrevision der Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel [Jagdverordnung] – Teil 2, Ergebnis 1. Lesung RR) gemachten Vorschläge sind für Alternative-die Grünen grundsätzlich nachvollziehbar.

Die Alternative-die Grünen beantragen aber folgende Änderung (rot):

  • 26, Abs. 3: Als Störung von Wildtieren gelten des Weiteren in der Zeit vom 1. April bis zum 31. Juli im Wald und, an Waldrändern sowie in Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung freilaufende Hunde, die nicht an der Leine geführt werden. Ausgenommen sind Diensthunde im Einsatz.

Begründung

Der im Bericht und Antrag des Regierungsrats zu § 24 „Schongebiete“ gemachte Einführungssatz „Da der Naturraum im Kanton Zug immer kleiner wird, die Bevölkerungsdichte hingegen zunimmt, steigt der Druck auf die noch verbleibenden Naturgebiete“ gilt auch als Begründung für die Leinenpflicht von Hunden in § 26 – gerade auch in Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung.

Unter den von Störungen durch Hunde betroffenen Tierarten sind mehrere, der in der Roten Liste der gefährdeten Arten aufgeführt sind. Prominentestes Beispiel ist der Feldhase, der im Kanton Zug während der letzten Jahre massive Bestandseinbussen erlitten hat, ebenso eine Vielzahl von Brutvögeln aus der Gruppe der Bodenbrüter. Die Zeit vom 1. April bis zum 31. Juli umfasst den Zeitraum der Fortpflanzung der gefährdeten Arten und ist damit gut begründet. Wir weisen jedoch darauf hin, dass die Fortpflanzung des Feldhasen deutlich länger andauert als bis Ende Juli bzw. sich Störungen durch freilaufende Hunde für einige Arten auch ausserhalb dieser Fortpflanzungszeit negativ auswirken – so zum Beispiel für die Raufusshühner Auerhuhn, Birkhuhn und Haselhuhn in der kalten Jahreszeit. Ebenso gilt, dass allein schon die Präsenz von Hunden, sogar von angeleinten, von Wildtieren als Störung empfunden wird.

Die Leinenpflicht im Bereich von Wald und Waldrand ist grundsätzlich sinnvoll, deckt aber die Schutzbedürfnisse weder der nicht-gefährdeten Arten (z.B. Reh) noch der gefährdeten (z.B. Feldhase) genügend ab. Damit § 26 Wirkung entfaltet, müssen unbedingt auch landwirtschaftlich genutzte Gebiete mit Leinenpflicht belegt werden. Dazu bieten sich die vier Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung besonders an. Es sind dies die Moorlandschaften Rothenthurm, Zugerberg, Unterägeri und Maschwander Allmend, wie sie im entsprechenden Bundesinventar und im kantonalen Richtplan enthalten sind. Diese vier Gebiete sind die eigentlichen „Hotspots der Biodiversität“ des Kantons Zug und enthalten viele und wichtige Naturschutzgebiete. Schutzziele der Moorlandschaften sind gemäss Moorlandschaftsverordnung Art. 4, Ziff. 1, Bst. c „die nach Artikel 20 der Verordnung vom 16. Januar 1991 über den Natur- und Heimatschutz (NHV) geschützten Pflanzen- und Tierarten sowie die in den vom BAFU erlassenen oder genehmigten Roten Listen aufgeführten, gefährdeten und seltenen Pflanzen- und Tierarten“. Auf diese Arten ist also besonders Rücksicht zu nehmen. Der Schutz störungsempfindlicher Arten in diesen Gebieten ist in der Moorlandschaftsverordnung Art. 5 „Schutz- und Unterhaltsmassnahmen“ geregelt, indem die Kantone insbesondere dafür sorgen (Ziff. 2, Bst. e) dass „die touristische Nutzung und die Nutzung zur Erholung mit den Schutzzielen in Einklang stehen“.

Die von der Baudirektion des Kantons Zug getroffenen Massnahmen zur Lenkung der Erholungsuchenden und der Hunde dürften höchstens für die Moorlandschaft Maschwander Allmend genügen, für die drei anderen Moorlandschaften aber mit Bestimmtheit nicht. Die Aufnahme der vier Moorlandschaften in § 26, Ziff. 3 der zu revidierenden kantonalen Jagdverordnung füllt deshalb eine wichtige Lücke der kantonalen Gesetzgebung. Es ist zu betonen, dass es sich hier nicht um ein neues kantonales Hundegesetz light o.ä. handelt , sondern um die Durchsetzung von Bundesrecht gemäss Moorlandschaftsverordnung (siehe oben) und Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Art. 7 Abs. 4: Schutz der wildlebenden Säugetiere und Vögel vor Störung). Die Zuständigkeit liegt bei der Direktion des Innern, weil es in diesem Fall um den Artenschutz gemäss Jagdgesetz geht (Kantonales Gesetz über den Natur- und Landschaftsschutz Par. 3, Abs. 3, Bst. b).

2018-06-14T13:39:23+00:00 13.06.2018|Umwelt, Energie, Vernehmlassung|