Sehr geehrter Herr Regierungsrat
Sehr geehrte Damen und Herren
 
Wir danken für die Einladung zur Teilnahme an der Vernehmlassung. Gerne beteiligen wir uns an dieser Form der Mitsprache.
Mit der Auflösung des Konkordats über die Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz steht der Kanton Zug vor der Aufgabe, die bestehende Ausbildungsstätte auf eine neue Gesetzesgrundlage zu stellen.
Grundsätzlich stellen sich die Alternativen – die Grünen des Kantons Zug positiv zu einer eigenen Pädagogischen Hochschule. Folgende Argumente sprechen dafür:
 
1. Mit der Weiterführung einer eigenen Pädagogischen Hochschule setzt der Kanton Zug die erfolgreiche Tradition der Ausbildung von Lehrpersonen fort.
 
2. Mit der Weiterführung der PH Zug kann der Kanton auf die Schulentwicklung direkt Einfluss nehmen (Qualitätsmanagement).
 
3. Mit einer eigenen PH kann unseren lokalen Bedürfnissen Rechnung getragen werden.
Beispiele: – Grund- / Eingangsstufe, Altersdurchmischtes Lernen
 
4. Die Anzahl der Unterrichtsfächer in der Ausbildung wird vom Kanton Zug festgelegt.
 
5. Dozierende kennen unsere lokalen Verhältnisse, sie können darauf reagieren.
 
6. Die Kooperationsschulen im Kanton Zug und den Nachbarkantonen sind mit der PH vernetzt. Diese Vernetzung stärkt die Qualität der praxisnahen Ausbildung und betont deren Wichtigkeit.
 
Allerdings wirft die Vorlage Fragen auf, es bleiben Vorbehalte:
 
I. Ballung von Pädagogischen Hochschulen im Umkreis von 50 Kilometern:
Innerhalb eines Radius von 50 Kilometern gibt es 4 Pädagogische Hochschulen. Ist dies wirtschaftlich vertretbar/sinnvoll?
Die Verhandlungen zur Kooperation mit der PH Luzern sollten im Dezember 2011 abgeschlossen sein. Wie sieht der Stand der Dinge aus? Hat man eine Kooperation mit Schwyz geprüft?
 
II. Ist die Grösse angemessen – werden ausländische Studierende zur „Puffermasse“?
Müsste die neue PH nicht noch kleiner konzipiert werden, da aktuell bloss 40% der Studierenden aus dem Kanton Zug stammen?  Weil es in der Schweiz viele Pädagogische Hochschulen gibt, entsteht bei den einzelnen Schulen womöglich ein wirtschaftlicher Zwang, möglichst viele Studierende aufzunehmen. Nimmt man dadurch tendenziell auch Studierende auf, die für den Beruf gar nicht geeignet sind (Fachkompetenzen und / oder pädagogische Fähigkeiten genügen nicht).
Ist die Qualität der Ausbildung in Frage gestellt?
 
§ 18: Ausländische Studierende haben höhere Hürden: sie bezahlen kostendeckende Gebühren und müssen seit 2 Jahren in der Schweiz ihren Wohnsitz haben. Werden ausländische Studierende letztlich eine „Puffermasse“?
 
III. Verflechtung mit der St. Michaels AG
Wenn der Kanton bisher jährlich einen fixen Betrag bezahlt hat, weshalb soll der Kanton bei der Übernahme CHF 500‘000. für die Infrastruktur bezahlen?  Ist diese Infrastruktur nicht bereits amortisiert?
Im Weiteren stellt sich uns die Frage, ob bereits Aus- und Erweiterungsbauten geplant sind. Genügen die aktuellen Raumverhältnisse (Hörsäle und Mensa)?
Wie ist § 20 zu interpretieren? Hat man auch abgeklärt, Teile der Immobilien der St. Michael AG zu erwerben? Die Zwitterform Kanton / St. Michael AG ist zu hinterfragen.
 
IV. Kostenfrage
Nicht ausser Acht gelassen werden darf der Umstand, dass eine eigene PH markante Mehrkosten mit sich bringt. In Punkt I wurde bereits die Frage gestellt, ob eine Kooperation mit anderen Kantonen geprüft wurde. Diese Frage stellt sich auch vor dem Hintergrund von finanziellen Überlegungen.
 
V. Ungereimtheiten / Irritationen
– Weshalb wird die Zusammenarbeit der PH Zug mit der Wirtschaft explizit erwähnt? Müsste die Zusammenarbeit mit dem LVZ (Lehrerinnen und Lehrerverein Zug) nicht auch erwähnt werden?
– Weshalb mutieren PH-Dozierende, welche nicht im Kanton Zug wohnen (können), plötzlich zu wichtigen Steuerzahlern? 
– § 28: Weshalb soll ein Organ (welches?) der PH die Ordnung der Studierenden-Organisation genehmigen? Müssen solche Organisationen nicht autonom funktionieren können?
 
Fazit
Die Vorlage lässt viele Fragen offen; diese müssen vertieft beantwortet werden. Dennoch stehen die Alternativen – die Grünen der neuen Pädagogischen Hochschule Zug positiv gegenüber. Abgesehen davon, dass es die zugerische Tradition weiter zu führen gilt, Standort der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung zu sein, erachten wir es als Privileg sich als kleiner Kanton eine eigene Pädagogische Hochschule leisten zu können. Die direkte Einflussnahme auf  die Schulentwicklung und die Bestimmung von Anzahl und Inhalt der Unterrichtsfächer sind Vorteile einer eigenen PH, die sich der Kanton Zug nicht nehmen lassen darf.
 
 
Für die Alternative – die Grünen Kanton Zug
Esther Haas